{"id":2004,"date":"2017-02-17T02:13:14","date_gmt":"2017-02-17T02:13:14","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=2004"},"modified":"2017-02-17T02:23:12","modified_gmt":"2017-02-17T02:23:12","slug":"sweeper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=2004","title":{"rendered":"Sweeper"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2005\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170216_1220011-169x300.png\" alt=\"\" width=\"218\" height=\"387\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170216_1220011-169x300.png 169w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170216_1220011.png 271w\" sizes=\"auto, (max-width: 218px) 100vw, 218px\" \/><\/p>\n<p>Unterste Kaste. Unber\u00fchrbare. Menschen, die nur den Dreck von anderen wegmachen d\u00fcrfen. Von den Stra\u00dfen, den Dreck vor den T\u00fcren, den schwarzen Schlamm dort, wo die Kinder aufs Klo gehen, die Toiletten in den H\u00e4usern. In jedes Haus kommt ein Sweeper f\u00fcr die niederste Drecksarbeit. Manchmal werden die Frauen \u201erani\u201c, \u201eK\u00f6nigin\u201c genannt, das finde ich niedertr\u00e4chtig, als w\u00fcrde es dem verachteten Job eine Krone aufsetzen. In der Zwischenzeit gibt es auch kleinere Lastwagen mit Sweepern, die den M\u00fcll mit irgendwelchen Pappkartonteilen hinaufwerfen. Ich zwinge mich immer hinzuschauen, weil ich nicht wegschauen will. Um den See herum sind es fast nur Frauen, die kehren. Irgendwann hat man ihnen neue Besen mit langem Stiel verabreicht, sah besser aus, da sie sonst das Zeug mit H\u00e4nden in Plastiks\u00e4cke verfrachtet haben. Die neuen Besen haben es aber auch nicht besser gemacht. Gute und regelm\u00e4\u00dfige Bezahlung w\u00fcrden es besser machen, aber das wird oft verschleppt oder vergessen. Ich gr\u00fc\u00dfe die Frauen seit Jahren; sie sind nicht leicht ins Freundliche zu gewinnen, so freue ich mich \u00fcber jeden herzlichen Kontakt, oder wenn sie mich nach all dieser Zeit von selbst gr\u00fc\u00dfen. Einmal wollte ich ein Photo machen von einer Sweeper-Frau, aber sie lehnte vehement ab und schaute mich streng und misstrauisch an. Ich habe mich dann entschuldigt und erst heute aus der Ferne das Bild (s.o.) von dem Sweeper gemacht, der um meinen Platz am See herumfegt. Gegen Arbeit, egal welcher Art, ist sicherlich nichts einzuwenden, wenn man selbst oder eine Familie ern\u00e4hrt werden muss. Aber eine Kaste daraus zu machen, wo jeder und jede Hineingeborene nur Sweeper werden kann, das ist vollkommen unakzeptabel. Vor allem jetzt, wo sich alle weiter entwickeln wollen und Fernsehen und Smartphones zur Standard-Ausr\u00fcstung geh\u00f6ren, l\u00e4sst man eine bestimmte Kaste weiterhin den Dreck wegr\u00e4umen und die Klos putzen! Manchmal bin ich so emp\u00f6rt, dass ich eine Zeitlang das Thema bei jeder Gelegenheit anspreche. Dazu kommt, dass die M\u00e4dchen dieser Kaste nie sicher sind vor Vergewaltigung. Sie sind ja nichts wert in anderen Augen, und die Eltern gehen selten zur Polizei, weil sie wissen, dass ihnen niemand hilft. Und trotzdem bewegt sich langsam hier und da was&#8230;..sehr langsam, aber dennoch. Von den Nutznie\u00dfern solcher Unmenschlichkeiten ist nicht zu erwarten, dass sie etwas ver\u00e4ndern wollen. Aber es gibt neue Initiativen, und Schulen, oft von Ausl\u00e4nderinnen gegr\u00fcndet, wo alle willkommen sind. Reena hat mir erz\u00e4hlt, dass in ihrer Klasse eine Sweepertochter sa\u00df, ganz hinten und verstummt, weil niemand mit ihr geredet hat. Dann hat sie eine Freundschaft mit diesem M\u00e4dchen angefangen, und alle haben auch mit ihr nicht mehr geredet. Ihre Mutter war entsetzt, nicht dar\u00fcber, sondern dass ihre Tochter diese Freundin hatte. Wir Menschen sind alle auch schrecklich. Es dauert so lange, bis man wirklich ber\u00fchrt wird von dem Uns\u00e4glichen, das in vielen Formen unter uns stattfindet. Lali nennt es \u201eout of human\u201c, also das Menschliche verlassend. Man gr\u00fcbelt vergebens, durch was es geschieht, denn so sehr Bildung gepriesen wird, macht es vor ihr nicht halt. Durch Bildung wird es, wie wir im Dritten Reich gesehen haben, nur abgefeimter, perverser, sadistischer. Man muss das eigene Wesen kennen lernen und h\u00fcten, bis man sicher sein kann, dass man zu manchen unmenschlcihen Taten nicht mehr f\u00e4hig ist. Garantie scheint es keine zu geben. Wir m\u00fcssen verstehen wollen, was \u201emenschlich\u201c pers\u00f6nlich f\u00fcr uns bedeutet, sodass wir uns eines Tages ohne Scham und Entsetzen im menschlichen Leben bewegen k\u00f6nnen.<br \/>\nZur\u00fcckgekommen vom Morgen \u00fcberfliege ich die Titelseite der Times und sehe die stolze Nachricht, dass die Inder 104 Satelliten auf einen Schlag ins All bef\u00f6rdert haben. Dann daneben eine kleinere Notiz, die mich erstaunt und erfreut, dass n\u00e4mlich ein neues Gesetz herauskommt, um die G\u00e4stezahl und die Anzahl der dargebotenen Gerichte bei Hochzeiten einzuschr\u00e4nken. Wer \u00fcber 4 Lakh ausgibt, muss 10% f\u00fcr Hochzeiten armer Familien spenden. Die ekelerregende Gro\u00dfkotzerei bei Hochzeiten ist in den letzten Jahren in der Gesellschaft oft Gespr\u00e4ch gewesen. In allen L\u00e4ndern kotzen manche gro\u00df, wo andere nichts haben, aber in Indien weitet sich der Abgrund schon ins Unermessliche, und es sind nicht nur die 84 registrierten Billion\u00e4re Indiens, die einen das F\u00fcrchten vor dem Menschen lehren k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unterste Kaste. Unber\u00fchrbare. Menschen, die nur den Dreck von anderen wegmachen d\u00fcrfen. Von den Stra\u00dfen, den Dreck vor den T\u00fcren, den schwarzen Schlamm dort, wo die Kinder aufs Klo gehen, die Toiletten in den H\u00e4usern. In jedes Haus kommt ein Sweeper f\u00fcr die niederste Drecksarbeit. 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