{"id":1997,"date":"2017-02-16T02:08:40","date_gmt":"2017-02-16T02:08:40","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=1997"},"modified":"2017-02-16T02:19:20","modified_gmt":"2017-02-16T02:19:20","slug":"zuschauen-und-teilnehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=1997","title":{"rendered":"zuschauen und teilnehmen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1998\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170215_1924471-213x300.jpg\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170215_1924471-213x300.jpg 213w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170215_1924471-768x1080.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170215_1924471-728x1024.jpg 728w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170215_1924471.jpg 1074w\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/>\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1999\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170215_1928271-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170215_1928271-206x300.jpg 206w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170215_1928271-768x1116.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170215_1928271-705x1024.jpg 705w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170215_1928271.jpg 925w\" sizes=\"auto, (max-width: 206px) 100vw, 206px\" \/><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich schaue ich auch viel zu, weil es eine Menge zu sehen und \u00fcber das Sehen zu verstehen gibt. Das Zuschauen ist extrem ausgepr\u00e4gt in Indien. Viele von denen, denen ich zuschaue, haben noch nie ein Buch gelesen. Wenn sie lesen k\u00f6nnen, vielleicht mal eins der vielen Gebetsb\u00fcchlein, oder die Zeitung, aber kein Buchlesen, wie wir es kennen. Es gibt einen richtig guten Buchladen im Bazaar, da kaufen nur die Foreigners oder tauschen B\u00fccher, oder lassen ihre gelesenen zur\u00fcck. Auch in den Hotels stapelt sich Gelesenes, aber noch nie habe ich Einheimische, auch wenn sie gut Englisch sprechen, daran interessiert gesehen. Die Menschen schauen dem Leben zu, in jeder freien Minute. Ich schaue also auch viel zu, wenn ich nicht mit meinen Sachen besch\u00e4ftigt bin, aber ich lasse mich auch ein, und wenn ich drin bin, schauen wir wieder alle gemeinsam zu. Gestern war ich bei einem gro\u00dfen Familientreffen, das bestand fast nur aus Zuschauen. Dem Sohn des verstorbenen Kalu wurde ein 7 Meter langer Turban um den Kopf gewickelt als Zeichen daf\u00fcr, dass er jetzt die Verantwortung f\u00fcr die Familie \u00fcbernimmt. Er ist ein moderner junger Mann, und das sah ziemlich unzeitgem\u00e4\u00df aus, aber gut, erkl\u00e4rt mir Reena, das muss alles sein, weil wir es brauchen. Der Brauch. Die Br\u00e4uche. Wir Foreigners schauen oft den Br\u00e4uchen zu, da die Welt der Inder fast nur aus ihnen besteht. Durch Br\u00e4uche in Schach gehaltene Anarchie. Da wei\u00df man einfach, was zu tun ist, und eigenes Denken ist nicht unbedingt erforderlich. Da steige ich dann aus dem Zuschauen aus. Reena ist auch etwas lockerer. Sie zieht die frische Witwe an die T\u00fcrschwelle, damit sie dem Turbanritual ihres Sohnes zuschauen kann. Sofort schreien drei Frauen auf, sie soll drin bleiben, darf ihr Gesicht nicht zeigen. Ich stelle mich neben sie und schalte den \u201ewollen wir doch mal sehen\u201c Blick ein. Wer um Himmels Willen erfindet all das Zeug, dem man eben nicht zuschauen will. Dann schauen alle zu, wie die anwesenden, verheirateten Frauen einen Finger mit Henna gef\u00e4rbt bekommen, ich will gar nicht wissen, warum. Das viele Zuschauen der Vielen hat auch zur Folge, dass kriminelle F\u00e4lle oft verbl\u00fcffend schnell gel\u00f6st werden, denn es gibt immer welche, die zugeschaut haben, obwohl die Dunkelziffern aus verschiedenen Gr\u00fcnden auch hoch sind. Es gibt sehr viele Menschen, meistens M\u00e4nner, die nichts anderes tun als zuschauen. Entweder sie haben nichts zu tun oder sind eingebettet in Rituale, die das Zuschauen f\u00f6rdern wie zB. Sadhus und Priester. Dann die Bettler, die unz\u00e4hligen Obdachlosen, und all die offenen L\u00e4den, in denen oft nichts los ist, aber zuschauen kann man ja immer. Es gibt auch im Zentrum am Markt den Ausl\u00e4nder-Tea-Shop, da schauen sich Ausl\u00e4nder und Inder gegenseitig zu beim Dasein. Mein momentaner Hausbesitzer, der sich in \u201evanprasht\u201c befindet, der Zeit, wo der Mensch nicht mehr arbeiten muss, weil der Sohn oder die S\u00f6hne sich um alles k\u00fcmmern, der steht und sitzt den ganzen Tag vor seiner T\u00fcre herum und schaut allem zu. \u201eVanprasht\u201c hei\u00dft eigentlich &#8222;\u201eWaldaufenthalt\u201c, ein Wort das besagt, dass der Lebensabschlie\u00dfende sich auf Pilgerschaft begibt oder sich eben in den Wald zur\u00fcckzieht und dort was Karmaaufbauendes tut, aber da es das alles nicht mehr gibt, schaut er jetzt dem Gew\u00fchl und Gewimmel des verwirrenden Verkehrs zu und gew\u00f6hnt sich an, \u201eimmer happy\u201c zu sagen, wenn man fragt, wie es denn so geht. Ich bin auch sehr f\u00fcr Herumstehen, aber es muss schon mit dem Genuss des Raumgef\u00fchls und der Weite sein, die das Interesse am Au\u00dfen vermindern. Auch m\u00f6chte ich weiterhin feiern, dass ich da bin und teilnehmen kann an dem, was ich mit erschaffen habe.<\/p>\n<p>************************************************************************************************************************************************************************************************************<br \/>\nBilder: bei einem Besuch in der n\u00e4chstgr\u00f6\u00dferen Stadt hatte ich heute das Gl\u00fcck, diesen Pelikanen zuzuschauen, die sich kurze Zeit auf dem Wasser niedergelassen haben, ein seltener Anblick.<\/p>\n<p>Das Bild rechts zeigt Teilnehmer einer Prozession f\u00fcr die lokale Gottheit Dev Narayan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Nat\u00fcrlich schaue ich auch viel zu, weil es eine Menge zu sehen und \u00fcber das Sehen zu verstehen gibt. Das Zuschauen ist extrem ausgepr\u00e4gt in Indien. Viele von denen, denen ich zuschaue, haben noch nie ein Buch gelesen. 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