{"id":1987,"date":"2017-03-14T00:53:11","date_gmt":"2017-03-14T00:53:11","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=1987"},"modified":"2017-03-14T01:25:15","modified_gmt":"2017-03-14T01:25:15","slug":"boring","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=1987","title":{"rendered":"boring"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-350\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/20160630_192046-222x300.jpg\" alt=\"\" width=\"222\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/20160630_192046-222x300.jpg 222w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/20160630_192046-768x1036.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/20160630_192046-759x1024.jpg 759w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/20160630_192046.jpg 1007w\" sizes=\"auto, (max-width: 222px) 100vw, 222px\" \/><br \/>\nIn einer befreundeten Familie habe ich heute von dem Hausherrn, einem Arzt, geh\u00f6rt, dass in Indien der Verbrauch bzw. die Einnahme von Anti-Depressiva in den letzten zwei Jahren enorm angestiegen ist. Er empfand es als ein positives Zeichen, dass Inder beginnen, psychische St\u00f6rungen wahrzunehmen. Er selbst ist Alkoholiker und wei\u00df wahrscheinlich, von was er redet. Ich fand es auf erschreckende Weise im Einklang mit den Familiensituationen, die mir bekannt sind, und wo es in der Tat eine unbeobachtete Krankheit gibt: die t\u00f6dliche, unertr\u00e4gliche Langeweile. Die M\u00e4nner haben zwar mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Abwechslungen, doch drau\u00dfen sehe ich die meisten in Riesengruppierungen beim tagelangen Zocken. (G\u00e4hn!) Die Geschlechtertrennung hat verheerende Auswirkungen. Sie haben sich einfach nichts zu sagen. Auf dieser Basis kann es nichts Gehaltvolles in der Stille geben, wenn es Fakt ist, dass Menschen sich nur im Dialog mit Anderen kennen lernen und verstehen k\u00f6nnen. Sich selbst erkennen k\u00f6nnen! Es stimmt, dass die Frauen, wenn sie nicht durch die haush\u00e4ltnerische \u00d6dnis hysterisch geworden sind, oft entspannt wirken, worauf mich indische M\u00e4nner gerne beim Thema hinweisen, als sei das der Garant f\u00fcr ihre Zufriedenheit. Mir ist aber durch die Gespr\u00e4che mit den Frauen klar geworden, dass der Grund f\u00fcr die Gelassenheit eher die Tatsache ist, dass sie keine Wahl haben. Wer keinerlei oder extrem eingeschr\u00e4nkte Wahlm\u00f6glichkeiten hat, wird entweder verstockt, ablehnend und dadurch gest\u00f6rt im eigenen Ausdruck, oder entspannt in das Unvermeidliche. Da sind ja auch noch die Kinder und das 3-malige, aufwendige Kochen, und die l\u00e4hmende Suche nach dem Gott im Mann. Es soll sich ja ge\u00e4ndert haben in den Gro\u00dfst\u00e4dten, aber auch nicht so sehr, wie man\u2019s gern h\u00e4tte. Wie h\u00e4tte man\u2019s denn gern? Ich bin einfach der tiefen \u00dcberzeugung, dass der Geist eines jeden Menschen zur Freiheit strebt. Freiheit ist f\u00fcr mich, wenn es \u00fcberhaupt einen gibt, der Sinn dieses Abenteuers, Leben genannt. Freiheit bedeutet f\u00fcr mich, Verantwortung \u00fcbernehmen zu k\u00f6nnen und zu d\u00fcrfen f\u00fcr das eigene Leben, die eigenen Beziehungen, mein Verh\u00e4ltnis zur Welt und zu dem Wesen, das ich selbst bin. Sicherlich waren alle Kulturen und Traditionen mal mehr oder weniger ausgewogen, hatten ihre Bl\u00fcte und ihren Niedergang, wurden gepr\u00e4gt vom Willen des Volkes und seine Bereitschaft zur Unterwerfung. In Indien wird nun die Zwanghaftigkeit des Systems sichtbar, die alles Lebendige einengt und \u00fcberschattet. Wenn dieser Zustand eintritt, dann ist es Zeit f\u00fcr gro\u00dfe, notwendige Ver\u00e4nderungen, f\u00fcr Durchbr\u00fcche und Aufbr\u00fcche, damit der Geist des Lebens sich wieder durchsetzen kann. \u201eSo langweilig!\u201c, sagt Lali zu mir mit Blick auf ein Pilger-Paar, das sich neben uns schweigend und verschlossen die Chapattis und das Gem\u00fcse in den Mund schiebt. \u201eNo love. Only boring.\u201c Langeweile ist t\u00f6dlich. Noch wird Depression in Indien nicht als Krankheit angesehen. Wahrscheinlich gibt es so viele Abgeh\u00e4ngte in den H\u00e4usern, sodass man es, wie so vieles andere, als \u201enormal\u201c mitlaufen lassen kann. Jalte hai! Geht doch!<br \/>\nDa unten am See ist mal wieder Exorzismus-Tag. Zwei M\u00e4nner werden ins Wasser geschleppt. Einer rennt davon, schwankt und schreit. Ich habe schon meine Tasche geschultert und will hingehen. Dann setze ich mich wieder. Hilflos und oft gezwungen, bei ihren Wegen Beobachterin zu sein und zu bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer befreundeten Familie habe ich heute von dem Hausherrn, einem Arzt, geh\u00f6rt, dass in Indien der Verbrauch bzw. die Einnahme von Anti-Depressiva in den letzten zwei Jahren enorm angestiegen ist. Er empfand es als ein positives Zeichen, dass Inder beginnen, psychische St\u00f6rungen wahrzunehmen. Er selbst ist Alkoholiker und wei\u00df wahrscheinlich, von was er redet. 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