{"id":1971,"date":"2017-02-13T05:22:05","date_gmt":"2017-02-13T05:22:05","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=1971"},"modified":"2017-02-13T05:22:05","modified_gmt":"2017-02-13T05:22:05","slug":"unter-auserwaehlten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=1971","title":{"rendered":"unter Auserw\u00e4hlten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1978\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170213_1016311-267x300.jpg\" alt=\"\" width=\"267\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170213_1016311-267x300.jpg 267w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170213_1016311-768x862.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170213_1016311-913x1024.jpg 913w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/20170213_1016311.jpg 1065w\" sizes=\"auto, (max-width: 267px) 100vw, 267px\" \/><\/p>\n<p>Die Brahmanen, ja, das ist ein Gr\u00fcppchen, an dem sich schon einige Geister die Substanz abgewetzt haben. Ich fange mal mit den menschlich ertr\u00e4glichen Priestern an und wei\u00df nicht, ob eine einzige Hand mit f\u00fcnf Fingern nicht schon zu hoch gegriffen ist. Lali ist Brahmanin von der h\u00f6chsten Sorte, denn in ihrer Kaste gibt es allein im (10 000 EinwohnerInnen umfassenden) Dorf 36 unterschiedliche Brahmanenkasten oder wie immer man\u2019s nennen m\u00f6chte. Sie ist ein Juwel und ihre Kaste ist ihr glaubw\u00fcrdig egal, das ist erfreulich zu erleben, und ich habe auch bereitwillig bei dieser Einstellung mitgeholfen. Bei dem Rest ihrer Familie sieht es schon anders aus. Der Sohn bzw ihr Bruder, ein Junkie, der, wenn er kein Heroin hat, sich auch gern mal betrinkt, lallte neulich mal an einem Sadhufeuer (Dhuni) rum und war so fies, dass ich den Sadhu im Vor\u00fcbergehen fragte, wie er das zulassen k\u00f6nne. Er sagte, mit schiefem Blick auf den St\u00f6renfried: Brahmin hai! Er ist Brahmane! Darf lallen und Worte auskotzen, ist aber immer Brahmane. Es gibt die verbreitete Angst vor ihnen, die ich fr\u00fcher auch ein-oder zweimal hatte, als ich zu irgendwas eine gegens\u00e4tzliche Meinung \u00e4u\u00dferte und nicht nur merkte, wie gef\u00e4hrlich das sein kann, sondern erst sp\u00e4ter begriff, dass Brahmantum nichts mit \u00fcblicher Bildung zu tun hat. Eigentlich ist nur noch die Einbildung \u00fcbrig, das ins Blut getr\u00e4ufelte Auserw\u00e4hltsein, von dem in Indien keiner mehr wei\u00df, wie lange das schon gebr\u00fctet und gew\u00fctet hat, Man m\u00f6chte gerne mal konsequenterweise von einem Land fernbleiben, in dem solche Realit\u00e4ten unumst\u00f6\u00dflich scheinen. Doch da ich selbst aus einem Land komme, in dem der arische Auserw\u00e4hltenalptraum in unvorstellbarem Ma\u00df gew\u00fctet hat, kann man auch mal hinschauen in eher gelassener Position, und schauen, wie so etwas m\u00f6glich ist. Es braucht Diener, um Herren zu machen und zu halten. Sie halten sich gegenseitig in Form. Das sch\u00fctzt den Missbrauch. Wenn der zu offensichtlich wird, kommen Groll und unterdr\u00fcckter Hass gegen das darin Gefangensein. Ich erinnere mich an die T\u00fcrken in Deutschland, die unsere Abfallk\u00fcbel in die Lastwagen gesch\u00fcttet haben, und niemals wussten wir irgendwas \u00fcber sie oder von ihnen, bis erstaunte deutsche Blicke auf ihren Mercedes-Limousinen landeten. Auch hier gibt es ein Hochkommen aus dem Kastensumpf. Jetzt hassen die Brahmanen die niederen Kasten eher, weil die Regierung, gezwungen durch internationale Kriterien, ihnen die besseren Chancen f\u00fcr Bildung anbieten. Aber das h\u00f6rt nicht wirklich auf im Alltag. Noch im Tod wird getrennt. So gilt wohl, wer sich einf\u00fcgt in das Vorgegebene, muss sich damit zurechtfinden bzw. damit umgehen lernen, vor allem, wenn es scheinbar keine Wahl gibt. Es gibt aber Wahl. Mir kam der Gedanke bzw. die Erkenntnis, dass auch die Kuh, die an meinem Sitz vorbeitrabt, auserw\u00e4hlt ist, denn sie ist da, und auch sie hat eine gewisse Entscheidungsf\u00e4higkeit wie mein Geist, der seine eigene Art hat, mit den Dingen umzugehen. Er bewegt sich innerhalb und au\u00dferhalb des Kastensystems. Selbst frei, regt er gerne an zum Erwachen in diese Freiheit. Dann wird alles einfach und man kommt ziemlich gut miteinander aus&#8230;.Mir wurde auch mal das Brahmanentum angeboten. Von der ganz fr\u00fchen Kastengeschichte her kommt die Sage, dass es einst nur um die Einordnung verschiedener Talente und F\u00e4higkeiten ging. Dass ich aus dieser Gedankenhypnose heil herauskam, rechne ich mir an: dass ich stockn\u00fcchtern genug war, der Verlockung solch geistiger Reize und Angebote, wie sie unter Hindus \u00fcblich sind, zu widerstehen. Das ist lange her, aber immer noch kann ich ihn sp\u00fcren, den kalten Windhauch um das gef\u00e4hrdete Herz.<br \/>\nInteressant ist (vielleicht) noch, dass die Brahmanen in ihrer eigenen Geschichte, n\u00e4mlich die von Brahma, dem Sch\u00f6pfer, von dem sie ja (ihrer Meinung nach) direkt abstammen, von dessen Frau Savitri direkt am Anfang der Story verflucht werden, weil sie es zugelassen haben, dass sie, da sie verhindert wurde zum p\u00fcnktlichen Beginn der Rituale, sie mit einer anderen Frau bzw dann G\u00f6ttin, ersetzt haben. Arm werdet ihr sein, fluchte sie, und selbst wenn Reichtum zu euch kommt, werdet ihr nichts davon haben&#8230;.Man k\u00f6nnte es fast glauben, so wahr sieht es aus&#8230;..<\/p>\n<p>*************************************************************************************************************************************************************<\/p>\n<p>Bild: Immer mal wieder liegen diese kleinen Gebetshefte in Sanskrit in der Gegend herum. Das da oben habe ich heute fr\u00fch gesehen und fand vor allem die kleine fette Figur unten so ausdrucksstark, da es mich an die Brahmanen erinnert hat<\/p>\n<p>**********************************************************<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Brahmanen, ja, das ist ein Gr\u00fcppchen, an dem sich schon einige Geister die Substanz abgewetzt haben. Ich fange mal mit den menschlich ertr\u00e4glichen Priestern an und wei\u00df nicht, ob eine einzige Hand mit f\u00fcnf Fingern nicht schon zu hoch gegriffen ist. 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