{"id":1787,"date":"2017-01-18T01:49:42","date_gmt":"2017-01-18T01:49:42","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=1787"},"modified":"2017-01-18T01:49:42","modified_gmt":"2017-01-18T01:49:42","slug":"ausdurchhalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=1787","title":{"rendered":"aus\/durchhalten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1794\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/20170113_0739421-170x300.jpg\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"376\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/20170113_0739421-170x300.jpg 170w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/20170113_0739421-768x1356.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/20170113_0739421-580x1024.jpg 580w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/20170113_0739421.jpg 1078w\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><\/p>\n<p>Es gibt vieles, was sich dem Fremden in einer anderen Kultur erst nach Jahren erschlie\u00dft. Da man diese Gelegenheit meist nur einmal im Leben hat, wird man sich dadurch einerseits der zutiefst liegenden Gleichheit des menschlichen Wesens bewusst, und andrerseits werden auch die enormen Unterschiede klarer. Es gibt einen Wesenszug im Hindu, der mich immer wieder verbl\u00fcfft\/verst\u00f6rt\/ver\u00e4rgert\/beeindruckt\/ und ratlos gemacht hat, und das ist die F\u00e4higkeit,\u00a0 wirklich (mir) Unvorstellbares schlicht und einfach zu ertragen. Es mag an dem f\u00fcr einen Hindu unanfechtbaren Glauben liegen, ja, an der Gewissheit, die in seinem Blut verankert ist, dass die Seele immer wiederkehrt, bis sie eines sch\u00f6nen Tages im Strom der Ewigkeiten und Zeitalter &#8222;jivan mukti&#8220;, also Befreiung vom Leben, erlangen wird. Aber wer will schon vom Leben befreit werden, von seiner angeblichen M\u00fchsal? Vielleicht M\u00fchsal, ja, aber den Planeten verlassen, w\u00e4hrend die V\u00f6gel weiterzwitschern und die Sonne scheint? &#8222;Jalte hai &#8211; jalte hai &#8220; ist ein Lieblingsaus-und eindruck der Inder: &#8222;Geht doch! H\u00e4lt man halt aus!&#8220; Da das Bewusstsein des Individuums (bis vor kurzem und immer noch vorherrschend) nicht geschult wird, aktiv in das Geschehen eingreifen zu k\u00f6nnen, wird einfach alles gelassen. Selbst die Kl\u00fcgsten unter ihnen meinen, man m\u00fcsste sich halt anpassen an das Geschehen und die Verh\u00e4ltnisse, m\u00f6gen sie auch noch so untragbar erscheinen. Da liegt der Wurm, aber der wirkliche Wurm ist, dass ich gar nicht sicher bin, ob es \u00fcberhaupt ein Wurm ist. Was, wenn es die nackte Wahrheit ist? Ich gebe mal ein Beispiel: die 4 Servants von Om Prakash, einem rechtschaffenen, \u00e4lteren Brahmanen, bringen t\u00e4glich in sein Haus bzw. seine Familie ihre Smartphones mit und lassn stundenlang ihre Techno-und Filmschnulzensongs ablaufen, und wenn sie grad nichts zu tun haben, kopieren sie tanzend die Smartphonevideos. Er kann die Musik nicht leiden, sagt aber nichts. Wir m\u00fcssen es ertragen, sagt er zu mir. M\u00fcssen wir? Aber ist meine westliche Einstellung nicht auch illusion\u00e4r, dass man durch Eingreifen wirklich etwas ver\u00e4ndern kann? Ich habe keine Wahl und muss mich f\u00fcr beides entscheiden, obwohl ich oft genug passen muss. Suresh zB, der seit vielen Jahren Junkie ist und seine vormals geachtete Familie st\u00e4ndig um nicht geringe Summen beklaut aus der Gesch\u00e4ftskasse, und alle auf niedrigstem Level beleidigt und beschimpft&#8230;.alle finden es unertr\u00e4glich, aber (da man m.E. nicht rechtzeitig gehandelt hat), taucht keine L\u00f6sung auf. Seine Mutter steckt ihm das Geld f\u00fcr das Heroin zu, auch um ihn eine Weile loszuwerden, aber alle schleppen sich durch das Untragbare. Das macht sie auch stark und z\u00e4h, zehrt aber, finde ich, viel zu sehr an den Energien. Zumindest was unser eigenes Umfeld angeht, sind wir doch nicht hilflos. Aber um Verantwortung daf\u00fcr zu \u00fcbernehmen, muss man konfliktf\u00e4hig sein. Das kann man vom Inder nicht sagen. &#8222;Mere baat sono&#8220; &#8211; &#8222;h\u00f6r mir zu&#8220;, haupts\u00e4chlich von M\u00e4nnern gew\u00fcnscht, da von Frauen ja eher Zuh\u00f6ren und sittsames Schweigen erwartet wird, aber keine F\u00e4higkeit, eine Auseinandersetzung miteinander durchzutragen, die zweifelsohne zu mehr Klarheit und Differenzierung f\u00fchrt. Bei einem Skandal wird wie \u00fcberall innen gequasselt und drau\u00dfen geschwiegen. Man schaut, wie die Sache l\u00e4uft. Bald kommt eh die n\u00e4chste Nummer, dann l\u00f6st sich alles von selbst. Tut es das? Es kommt eigentlich immer wieder auf dasselbe hinaus: wir k\u00f6nnen uns nur selbst ver\u00e4ndern, weil da auch die gr\u00f6\u00dfte Freiheit liegt: eigene Schulung, eigenes Ma\u00df- Wenn ich mich kenne, kenne ich auch mein eigenes Ma\u00df. Es ist tats\u00e4chlich nur, wie es ist. Und wie mein Geist es sieht, ist auch nur Teil des Spiels. Dahinter blinkt gelassen ein unermessliches Feld, erschreckend in seiner reichhaltigen Leere. Ist das nun das Grundgef\u00fchl des Hindus, das ihn einerseits an sein fl\u00fcchtiges Karma fesselt (geht schon!), und andrerseits sein Geist ihm sagt: du bist immer da. Nichts geht verloren. F\u00fcr solche Seinszust\u00e4nde, wenn sie nicht nur aus Gedanken oder Ideen, Vorstellungen oder Gr\u00fcbeleien bestehen sollen, muss man sich entweder geeignet machen oder daf\u00fcr geeignet sein. Am besten beides.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt vieles, was sich dem Fremden in einer anderen Kultur erst nach Jahren erschlie\u00dft. Da man diese Gelegenheit meist nur einmal im Leben hat, wird man sich dadurch einerseits der zutiefst liegenden Gleichheit des menschlichen Wesens bewusst, und andrerseits werden auch die enormen Unterschiede klarer. 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