{"id":17544,"date":"2023-06-04T08:31:56","date_gmt":"2023-06-04T08:31:56","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=17544"},"modified":"2023-06-04T08:33:51","modified_gmt":"2023-06-04T08:33:51","slug":"plato-die-apologie-des-sokrates","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=17544","title":{"rendered":"Plato &#8211; Die Apologie des Sokrates"},"content":{"rendered":"<h3>Die Rede nach der Verurteilung<\/h3>\n<h3>Urteil des Sokrates \u00fcber den Proze\u00df<\/h3>\n<h3>Nur um einer gar kurzen Zeit willen, ihr Athener, werdet ihr nun den Namen behalten und den Vorwurf von denen, welche die Stadt gern l\u00e4stern m\u00f6gen, da\u00df ihr den Sokrates hingerichtet habt, diesen weisen Mann. Denn behaupten werden die nun freilich, da\u00df ich weise bin, wenn ich es auch nicht bin, die euch l\u00e4stern wollen. H\u00e4ttet ihr nun eine kleine Weile gewartet, so w\u00e4re euch ja dies von selbst erfolgt. Denn ihr seht ja mein Alter, da\u00df es schon weit fortger\u00fcckt ist im Leben und nahe am Tode. Ich sage dies aber nicht zu euch allen, sondern nur zu denen, die f\u00fcr meinen Tod gestimmt haben. Und zu eben diesen sage ich auch noch dies: Vielleicht glaubt ihr Athener, ich unterl\u00e4ge jetzt aus Unverm\u00f6gen in solchen Reden, durch welche ich euch wohl m\u00f6chte \u00fcberredet haben, wenn ich geglaubt h\u00e4tte, alles reden und tun zu d\u00fcrfen, um nur dieser Klage zu entkommen. Weit gefehlt! Sondern aus Unverm\u00f6gen unterliege ich freilich, aber nicht an Worten; sondern an Frechheit und Schamlosigkeit und an dem Willen, dergleichen zu euch zu reden, als ihr freilich am liebsten geh\u00f6rt h\u00e4ttet, wenn ich gejammert h\u00e4tte und gewehklagt, und viel anderes getan und geredet meiner Unw\u00fcrdiges, wie ich behaupte, dergleichen ihr freilich gewohnt seid, von den andern zu h\u00f6ren. Allein weder vorher glaubte ich der Gefahr wegen etwas Unedles tun zu d\u00fcrfen, noch auch gereuet es mich jetzt, mich so verteidigt zu haben; sondern weit lieber will ich auf diese Art mich verteidigt haben und sterben, als auf jene und leben. Denn weder vor Gericht noch im Kriege ziemt es weder mir noch irgend jemandem, darauf zu sinnen, wie man nur auf jede Art dem Tode entgehen m\u00f6ge. Auch ist ja das bei Gefechten oft sehr offenbar, da\u00df dem Tode einer wohl entfliehen k\u00f6nnte, w\u00fcrfe er nur die Waffen weg und wendete sich flehend an die Verfolgenden: und viele andere Rettungsmittel gibt es in jeglicher Gefahr, um dem Tode zu entgehen, wenn einer nicht scheut, alles zu tun und zu reden. Allein, nicht dies m\u00f6chte schwer sein, ihr Athener, dem Tode zu entgehen, aber weit schwerer, der Schlechtigkeit: denn sie l\u00e4uft schneller als der Tod. Auch jetzt daher bin ich als ein langsamer Greis von dem Langsameren gefangen worden; meine Ankl\u00e4ger aber, gewaltig und heftig wie sie sind, von dem Schnelleren der Bosheit. Jetzt also gehe ich hin und bin von euch der Strafe des Todes schuldig erkl\u00e4rt: diese aber sind von der Wahrheit schuldig erkl\u00e4rt der Unw\u00fcrdigkeit und Ungerechtigkeit. Und sowohl ich beruhige mich bei dem Erkenntnis, als auch diese. Dieses nun mu\u00dfte vielleicht so kommen, und ich glaube, da\u00df es ganz gut so ist.<\/h3>\n<h3>Weissagung an die Verurteilenden<\/h3>\n<h3>Was aber nun hierauf folgen wird, gel\u00fcstet mich euch zu weissagen, ihr meine Verurteiler! Denn ich stehe ja auch schon da, wo vorz\u00fcglich die Menschen weissagen, wenn sie n\u00e4mlich im Begriff sind zu sterben. Ich behaupte also, ihr M\u00e4nner, die ihr mich hinrichtet, es wird sogleich nach meinem Tode eine weit schwerere Strafe \u00fcber euch kommen als die, mit welcher ihr mich get\u00f6tet habt. Denn jetzt habt ihr dies getan in der Meinung, nun entledigt zu sein von der Rechenschaft \u00fcber euer Leben. Es wird aber ganz entgegengesetzt f\u00fcr euch ablaufen, wie ich behaupte. Mehrere werden sein, die euch zur Untersuchung ziehen, welche ich nur bisher zur\u00fcckgehalten, ihr aber gar nicht bemerkt habt. Und um desto beschwerlicher werden sie euch werden, je j\u00fcnger sie sind, und ihr um desto unwilliger. Denn wenn ihr meint, durch Hinrichtungen dem Einhalt zu tun, da\u00df euch niemand schelten soll, wenn ihr nicht recht lebt, so bedenkt ihr das sehr schlecht. Denn diese Entledigung ist weder recht ausf\u00fchrbar, noch ist sie edel. Sondern jene ist die edelste und leichteste: nicht anderen wehren, sondern sich selbst so einrichten, da\u00df man m\u00f6glichst gut sei. Dieses will ich euch, die ihr gegen mich gestimmt habt, geweissagt haben und nun von euch scheiden.<\/h3>\n<h3>Das Ausbleiben des Daimonion und seine Bedeutung<\/h3>\n<h3>Mit denen aber, welche f\u00fcr mich gestimmt, m\u00f6chte ich gern noch reden \u00fcber dies Ereignis, welches sich zugetragen, solange die Gewalthaber Roch Abhaltung haben und ich noch nicht dahin gehen mu\u00df, wo ich sterben soll. Also, ihr M\u00e4nner, so lange haltet mir noch aus! Nichts hindert ja, uns vertraulich zu unterhalten miteinander, solange es noch verg\u00f6nnt ist. Denn euch als meinen Freunden will ich gern das erkl\u00e4ren, was mir soeben begegnet ist, was es eigentlich bedeutet. Mir ist n\u00e4mlich, ihr Richter \u2013 denn euch benenne ich recht, wenn ich euch Richter nenne\u00a0\u2013, etwas Wunderbares vorgekommen: Meine gewohnte Vorbedeutung n\u00e4mlich war in der vorigen Zeit wohl gar sehr h\u00e4ufig, und oft in gro\u00dfen Kleinigkeiten widerstand sie mir, wenn ich im Begriff war, etwas nicht auf die rechte Art zu tun. Jetzt aber ist mir doch, wie ihr ja selbst seht, dieses begegnet, was wohl mancher f\u00fcr das gr\u00f6\u00dfte \u00dcbel halten k\u00f6nnte, und was auch daf\u00fcr angesehen wird; dennoch aber hat mir weder, als ich des Morgens von Hause ging, das Zeichen des Gottes widerstanden, noch auch als ich hier die Gerichtsst\u00e4tte betrat, noch auch irgendwo in der Rede, wenn ich etwas sagen wollte, \u2013 wiewohl bei andern Reden es mich oft mitten im Reden aufhielt. Jetzt aber hat es mir nirgends bei dieser Verhandlung, wenn ich etwas tat oder sprach, im mindesten widerstanden. Was f\u00fcr eine Ursache nun soll ich mir hiervon denken? Das will ich euch sagen: Es mag wohl, was mir begegnet ist, etwas Gutes sein, und unm\u00f6glich k\u00f6nnen wir Recht haben, die wir annehmen, der Tod sei ein \u00dcbel. Davon ist mir dies ein gro\u00dfer Beweis. Denn unm\u00f6glich w\u00fcrde mir das gewohnte Zeichen nicht widerstanden haben, wenn ich nicht im Begriff gewesen w\u00e4re, etwas Gutes auszurichten.<\/h3>\n<h3>Hoffnungen f\u00fcr den Tod<\/h3>\n<h3>La\u00dft uns aber auch so erw\u00e4gen, wieviel Ursache wir haben zu hoffen, es sei etwas Gutes. Denn eins von beiden ist das Totsein: entweder so viel als nichts sein noch irgend eine Empfindung von irgend etwas haben, wenn man tot ist; oder, wie auch gesagt wird, es ist eine Versetzung und Umzug der Seele von hinnen an einen andern Ort. Und es ist nun gar keine Empfindung, sondern wie ein Schlaf, in welchem der Schlafende auch nicht einmal einen Traum hat, so w\u00e4re der Tod ein wunderbarer Gewinn. Denn ich glaube, wenn jemand einer solchen Nacht, in welcher er so fest geschlafen, da\u00df er nicht einmal einen Traum gehabt, alle \u00fcbrigen Tage und N\u00e4chte seines Lebens gegen\u00fcberstellen und nach reiflicher \u00dcberlegung sagen sollte, wieviel er wohl angenehmere und bessere Tage und N\u00e4chte als jene Nacht in seinem Leben gelebt hat, so glaube ich, w\u00fcrde nicht nur ein gew\u00f6hnlicher Mensch, sondern der Gro\u00dfk\u00f6nig selbst finden, da\u00df diese sehr leicht zu z\u00e4hlen sind gegen die \u00fcbrigen Tage und N\u00e4chte. Wenn also der Tod etwas solches ist, so nenne ich ihn einen Gewinn, denn die ganze Zeit scheint ja auch nicht l\u00e4nger auf diese Art als eine Nacht. Ist aber der Tod wiederum wie eine Auswanderung von hinnen an einen andern Ort, und ist das wahr, was gesagt wird, da\u00df dort alle Verstorbenen sind, \u2013 was f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes Gut k\u00f6nnte es wohl geben als dieses, ihr Richter? Denn wenn einer, in der Unterwelt angelangt, nun dieser sich so nennenden Richter entledigt dort die wahren Richter antrifft, von denen auch gesagt wird, da\u00df sie dort Recht sprechen, den Minos und Rhadamanthys und Aiakos und Triptolemos, und welche Halbg\u00f6tter sonst gerecht gewesen sind in ihrem Leben, \u2013 w\u00e4re das wohl eine schlechte Umwanderung? Oder auch mit dem Orpheus umzugehen und mit Musaios und Hesiodos und Homeros, \u2013 wie teuer m\u00f6chtet ihr das wohl erkaufen? Ich wenigstens will gern oftmals sterben, wenn dies wahr ist. Ja, mir zumal w\u00e4re es ein herrliches Leben, wenn ich dort den Palamedes und Aias, des Telamon Sohn, antr\u00e4fe, und wer sonst noch unter den Alten eines ungerechten Gerichtes wegen gestorben ist: mit dessen Geschick das meinige zu vergleichen, das m\u00fc\u00dfte, glaube ich, gar nicht unerfreulich sein. Ja, was das Gr\u00f6\u00dfte ist, die dort eben so ausfragend und ausforschend zu leben, wer unter ihnen weise ist, und wer es zwar glaubt, es aber nicht ist. F\u00fcr wieviel, ihr Richter, m\u00f6chte das einer wohl annehmen, den, welcher das gro\u00dfe Heer nach Troia f\u00fchrte, auszufragen, oder den Odysseus oder Sisyphos, und viele andere k\u00f6nnte einer nennen, M\u00e4nner und Frauen, mit welchen dort zu sprechen und umzugehen und sie auszuforschen auf alle Weise eine unbeschreibliche Gl\u00fcckseligkeit w\u00e4re! Gewi\u00df werden sie einen dort um deswillen doch wohl nicht hinrichten: Denn nicht nur sonst ist man dort gl\u00fcckseliger als hier, sondern auch die \u00fcbrige Zeit unsterblich, wenn das wahr ist, was gesagt wird.<\/h3>\n<h3>Schlu\u00dfworte an die Richter<\/h3>\n<h3>Also m\u00fc\u00dft auch ihr, Richter, gute Hoffnung haben in Absicht des Todes und dies eine Richtige im Gem\u00fct halten, da\u00df es f\u00fcr den guten Mann kein \u00dcbel gibt weder im Leben noch im Tode, noch da\u00df je von den G\u00f6ttern seine Angelegenheiten vernachl\u00e4ssigt werden. Auch die meinigen haben jetzt nicht von ohngef\u00e4hr diesen Ausgang genommen: sondern mir ist deutlich \u2013 da\u00df sterben und aller M\u00fchen entledigt werden schon das Beste f\u00fcr mich war. Daher auch hat weder mich irgendwo das Zeichen gewarnt, noch auch bin ich gegen meine Verurteiler und gegen meine Ankl\u00e4ger irgend aufgebracht, \u2013 obgleich nicht in dieser Absicht sie mich verurteilt und angeklagt haben, sondern in der Meinung, mir \u00dcbles zuzuf\u00fcgen. Das verdient an ihnen getadelt zu werden. So viel jedoch bitte ich von ihnen: An meinen S\u00f6hnen, wenn sie erwachsen sind, nehmt eure Rache, ihr M\u00e4nner, und qu\u00e4lt sie ebenso, wie ich euch gequ\u00e4lt habe, wenn euch d\u00fcnkt, da\u00df sie sich um Reichtum oder um sonst irgend etwas eher bem\u00fchen als um die Tugend: und wenn sie sich d\u00fcnken, etwas zu sein, aber nichts sind, so verweiset es ihnen wie ich euch, da\u00df sie nicht sorgen, wof\u00fcr sie sollten, und sich einbilden, etwas zu sein, da sie doch nichts wert sind. Und wenn ihr das tut, werde ich Gerechtes von euch erfahren haben, ich selbst und meine S\u00f6hne. Jedoch \u2013 es ist Zeit, da\u00df wir gehen: ich, um zu sterben, und ihr, um zu leben. Wer aber von uns beiden zu dem besseren Gesch\u00e4ft hingehe, das ist allen verborgen au\u00dfer nur Gott.<\/h3>\n<hr size=\"1\" \/>\n<h3><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rede nach der Verurteilung Urteil des Sokrates \u00fcber den Proze\u00df Nur um einer gar kurzen Zeit willen, ihr Athener, werdet ihr nun den Namen behalten und den Vorwurf von denen, welche die Stadt gern l\u00e4stern m\u00f6gen, da\u00df ihr den Sokrates hingerichtet habt, diesen weisen Mann. 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