{"id":17398,"date":"2023-05-10T08:54:17","date_gmt":"2023-05-10T08:54:17","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=17398"},"modified":"2023-05-10T09:04:46","modified_gmt":"2023-05-10T09:04:46","slug":"anblicken-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=17398","title":{"rendered":"anblicken"},"content":{"rendered":"<h6><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-17399\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/20230510_095000-197x300.jpg\" alt=\"\" width=\"276\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/20230510_095000-197x300.jpg 197w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/20230510_095000-768x1168.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/20230510_095000-673x1024.jpg 673w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/20230510_095000.jpg 1129w\" sizes=\"auto, (max-width: 276px) 100vw, 276px\" \/><br \/>\nanblicken<\/h6>\n<h5>Man vergisst so leicht, dass nicht nur wir st\u00e4ndig auf alles blicken, was sich vor uns abspielt, sondern die Welt, in der wir uns bewegen, schaut auch zur\u00fcck. Aber meistens lassen wir es nicht sein, was es ist, sondern es wird kommentiert und bewertet und eingeordnet ins eigene Wahrnehmungsfeld. Auch dienen solche schlicht klingenden Erkenntnisse nicht dazu, sie irgendwann einmal f\u00fcr verstanden zu erkl\u00e4ren, sondern es ist f\u00f6rderlicher, sich im Staunen zu bewegen und notfalls d\u00a0 a s, was man sich als &#8222;das Normale&#8220; angeeignet hat, ab und zu aufzuscheuchen und auf seine angebliche Norm zu \u00fcberpr\u00fcfen. Ich erinnere mich an eine Geschichte, in der ein Mann sich selbst erz\u00e4hlt, was er so alles in der Wohnung hat, und woher er es hat, und wie sch\u00f6n es doch alles sei, so vertraut, so angenehm, so ganz er selbst, bis man als Leser:in langsam und unaufhaltsam begreift, dass der Gashahn schon die ganze Zeit den t\u00f6dlichen Stoff ausstr\u00f6mt, obwohl der das alles Kontemplierende nun die Dinge in einem anderen Licht sieht, das jedoch nur durch diese gew\u00e4hlte (Er)L\u00f6sung auftauchen konnte. Die Objekompositionen in meinen R\u00e4umen sprechen auch deutlich eine eigene Sprache, denn die meisten Teile habe ich nicht selbst erschaffen. Ich sorge f\u00fcr die Zusammensetzung, und oft genug gibt es dann Landschaften, deren Ordnungen bereits im Reich der Spinnenwebe angekommen sind. Wie lange sitzt denn da schon der kleine Buddha, um den Hals meinen Schildkr\u00f6tenring, vor dem kunstvoll geformten Frauenk\u00f6rper aus Lehm (wie hie\u00df sie doch gleich, und wie froh war ich, das von ihr (der K\u00fcnstlerin), erstehen zu k\u00f6nnen, sprich: zu kaufen. Und an diesem Torsorand oben h\u00e4ngen schon sehr lange zwei Opiumknospen, ausgetrocknet wie die schwarzdunkelrote Rose, die da ebenfalls hingeh\u00f6rt. Aber warum scheint es so unaufl\u00f6sbar wie eine indische Couch aus Bollywood, von der man wei\u00df, dass sie nach ihrer Ankunft durch ersch\u00f6pfte Sklaven nie wieder bewegt werden wird. Dabei gibt es in unserem Haus gar keine unverr\u00fcckbare Couch, geschweige denn Kaminsimse, auf denen all die Lieben in Bilderrahmen versammelt sind, an die man sich erinnern m\u00f6chte, warum auch nicht. Wenn man diese z\u00e4he Kraft der Materie \u00f6fters mal umsortieren w\u00fcrde, also neue Zusammenh\u00e4nge erschaffen (was man ja auch zuweilen tut), w\u00e4re man immerhin noch mit einem gewissen Grad an geistiger Freiheit bei der Sache, w\u00e4hrend z.B. die meisten Fl\u00fcchtenden gerade diese Freiheit unfreiwillig zur\u00fccklassen mussten: die eigenen Ecken, die Landschaften, die vertrauten Einrichtungen. \u00dcbernimmt aber die Katastrophe die Trennung von dem Blick und Anblck\u00a0 vertrauter Ordnungen, dann wird dem Geist viel zugemutet, und vieles, was war, scheint nun auf einmal so kostbar (gewesen zu sein).<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>anblicken Man vergisst so leicht, dass nicht nur wir st\u00e4ndig auf alles blicken, was sich vor uns abspielt, sondern die Welt, in der wir uns bewegen, schaut auch zur\u00fcck. 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