{"id":16774,"date":"2023-01-07T04:12:49","date_gmt":"2023-01-07T04:12:49","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=16774"},"modified":"2023-01-07T04:12:49","modified_gmt":"2023-01-07T04:12:49","slug":"kreisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=16774","title":{"rendered":"kreisen"},"content":{"rendered":"<h6><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-16775\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/20230102_111941-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/20230102_111941-300x225.jpg 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/20230102_111941-768x576.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/20230102_111941-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><br \/>\nGeldspendergruppe<\/h6>\n<h5>Eine Seite des Hauses, in dem ich zur Zeit lebe, geht zum See hinaus, die andere zum &#8222;Ghat&#8220;, also dem Zugang zum See. Dort finden regelm\u00e4\u00dfig, wie auch an den anderen 51 Ghats, gigantische Zeremonien statt, zum Beispiel, wenn m\u00e4chtige Spendenstr\u00f6me flie\u00dfen und der Spender bekr\u00e4nzt und besungen wird und neuerdings nat\u00fcrlich auch gefilmt, damit auch von einem selbst nicht vergessen wird, wer man einmal alles war. Heute fr\u00fch sa\u00df ich auf meinem Bett und wartete auf die Stromsperre, angeordnet im ganzen Land von der Regierung f\u00fcr eine ganze Stunde und die einzige M\u00f6glichkeit, den besessenen Mantrasinger inmitten seines l\u00fcckenlos pr\u00e4sentierten 578sten\u00a0 &#8222;Om Namo Shiva&#8220; zum Schweigen zu bringen. Meine Suche nach Mitleidenden war vergeblich. Die meisten h\u00f6rten es gar nicht, obwohl die Lautst\u00e4rke\u00a0 ein Nichth\u00f6ren eigentlich nicht erlaubt. Shivani meinte, dass sie das Wegh\u00f6ren alle gewohnt seien, ich solle aber ruhig mal bei der Touristeninformation Klage einreichen. Es ist ja sinnlos &#8211; warum? Weil es bei dem Mantra eben um einen Gott geht, und als ich da so sa\u00df und mir immer zu den Mantrakl\u00e4ngen neue poetische Absurdit\u00e4ten ausdachte im Rhythmus mit dem Gesang, da wusste ich (als h\u00e4tte ich es nicht schon vorher gewusst), dass die G\u00f6tter hier immer die Vorherrschaft haben werden. Das wird nie vergehen, denn es gibt keinen indischen Blutstrom, in dem sie nicht in jeder vorhandenen Tiefe oder H\u00f6he oder Oberfl\u00e4che vorhanden sind und (u.a.) das oft erschreckend lieblose Zuhause aufhellen mit ihrem Glanz und ihren Talkshows. Denn sie, die G\u00f6tter, haben ja unz\u00e4hlige Vertreter im ganzen Land verstreut, vor denen immer noch in gro\u00dfen Mengen Menschen sitzen und and\u00e4chtig lauschen, wenn sie nicht selig einschlafen bei den endlosen Diskursen, wo einer gelernt hat, den Eindruck zu erwecken, als h\u00e4tte Gott ihn ganz pers\u00f6nlich zum Sprachrohr erzogen, um das Unsterbliche an die Generationen weiterzuleiten. Und es klappt. Nat\u00fcrlich klappt es auch bei den Christen, obwohl die vielen Austritte aus der Kirchenwelt eine neue Sprache sprechen. Oder im Islam, wo man aufpassen muss, dass man nicht was Falsches sagt \u00fcber den Menschenh\u00fcter, und dann mit dem Kopf in die Erde gesteckt und gesteinigt werden darf, weil Gott dargelegt hat, wie die Sache l\u00e4uft. Irgendwas ist hier in Indien anders und daher war es auch f\u00fcr mich so verf\u00fchrerisch, mich ein paar Jahre in der Welt der G\u00f6tter zu bewegen. Nur hier habe ich die Erotik des G\u00f6ttlichen in aller Freiheit (in mir) aufbl\u00fchen sehen mit Menschen, die dieselbe Begeisterung aktivierten wie ich f\u00fcr diese unterhatsamen und hochgeistigen Formen, die einem \u00fcberall begegneten und begegnen und sehr viele menschliche Z\u00fcge und Befindlichkeiten haben, sodass man sich eher nahe als entfernt f\u00fchlt. Und ich bedaure nicht die knisternde N\u00e4he, die einem da mit einem L\u00e4cheln erm\u00f6glicht wurde. Wem konnte man besser alles, was man liebte, schenken, nicht als Ersatz f\u00fcr die menschliche Liebe, sondern als heller Sahneklacks auf den Schattierungen des Alltags. Ich spreche aus meiner Vergangenheit, denn ich bin nicht mehr zuhause in der G\u00f6tterwelt mit meinem Herzen. Es ist genau so, wie wenn ich Kontakt aufnehme mit dem einstigen Griechenland, oder mit dem Geheimnis des immer noch (und trotz allem) im Schweigen verankerten \u00c4gypten: wir wollen die G\u00f6tter lebendig haben, aber es kommt der Tag, da sind wir, beiehungsweise bin ich wieder in die Fremde zur\u00fcckgewichen, ohne Konflikt, ohne Ablehnung, ohne Verlust der Freude an den Spielen, die die Follower sich erdenken, um lebendig erscheinen zu lassen, was nie Wirklichkeit, aber immer verl\u00e4sslich und unterhaltsam war. So betrifft mein innerer Abschied nur mich, die ich verlassen habe, was das Ganze zusammenh\u00e4lt. Die in den Augen der Einheimischen noch diesselbe ist wie die Sadhni an der Dhuni des feurigen Shiva. Und tats\u00e4chlich bin ich noch dieselbe, nur weitergewandert auf meinem Weg, wo es passierte, dass mir unser menschliches Leid so ungeheuer und unheilbar erschien, sodass der g\u00f6ttliche Glanz wie von selbst erlosch. Jetzt ber\u00fchrt mich der menschliche Glanz, unsere atemberaubenden M\u00f6glichkeiten, mit der geistigen und unersch\u00f6pflichen Substanz angemessen umzugehen, und um dieses Ma\u00df kreisen meine Gedanken.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geldspendergruppe Eine Seite des Hauses, in dem ich zur Zeit lebe, geht zum See hinaus, die andere zum &#8222;Ghat&#8220;, also dem Zugang zum See. 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