{"id":16492,"date":"2022-12-06T06:08:54","date_gmt":"2022-12-06T06:08:54","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=16492"},"modified":"2022-12-06T06:15:45","modified_gmt":"2022-12-06T06:15:45","slug":"manju","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=16492","title":{"rendered":"Manju"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-16493\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221206_101835-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"251\" height=\"335\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221206_101835-225x300.jpg 225w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221206_101835-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 251px) 100vw, 251px\" \/><\/p>\n<h5>Die Besitzer des Hauses, in dem ich hier lebe, hatten mich gebeten, Manju, die, wie sagt man doch gleich &#8211; &#8222;Haushaltshilfe&#8220; &#8211; mit zu \u00fcbernehmen, und schnell verstand ich, warum es ein uraltes Ger\u00fccht gibt, dass Leute, die Servants haben, viel \u00fcber sie reden. Vielleicht, weil die sogenannten Servants instinktiv wissen, dass sie einen Vorteil haben \u00fcber einen: man braucht sie. Man braucht genau die, die man aushalten kann und die es verm\u00f6gen, d a s f\u00fcr einen zu erledigen, was einem selbst schwierig oder unentbehrlich scheint im Sinne von Erhaltung. Der Dienst muss getan werden, sonst gibt&#8217;s kein Geld, das kennt wiederum der oder die Einsteller\/in des Hauses auch als einen Vorsprung. Nun kann Manju zum Beispiel weder lesen noch schreiben und muss andere fragen, wieviel Uhr und welcher Tag es ist, so ist nie sicher, ob sie \u00fcberhaupt erscheint, aber sp\u00e4testens am n\u00e4chsten Tag ist sie wieder da, was mir erm\u00f6glicht zu sagen: Aap kabhee samay par nahin hai (Vielleicht braucht ja gerade jemand diesen Satz in Hindi: du bist nie p\u00fcnktlich). Ihr Mann ist Alkoholiker und r\u00fchrt keinen Finger, die Tochter ist krank und will sich, wenn es nicht besser wird, in den (heiligen) See st\u00fcrzen, wo schon mal eine Frau sich ertr\u00e4nkt hat, den Heiratsschmuck noch am Hals. Manju musste die Garage, wo sie fr\u00fcher mit den drei T\u00f6chtern und dem Trunkenen wohnten, verlassen, und nun wohnt sie eine halbe Stunde zu Fu\u00df in einem zeltartigen Gebilde ohne Elektrizit\u00e4t. Wenn man also ein bisschen zuh\u00f6rt, w\u00e4hrend der \u00c4rger verraucht, versteht man auch, warum die meisten Menschen nicht zu viel vom Leid der anderen h\u00f6ren wollen, denn ein schwarzes Loch kann alles verschlingen wollen und f\u00fchlt sich doch nicht ges\u00e4ttigt, so verharrt man am besten bei etwas Mitgef\u00fchl. Das wirkliche Thema zieht ja auch durch alle Schichten, und es ist die unbedingte Zwanghaftigkeit, mit der die meisten (indischen) Frauen immer noch die in ungesehenem Nebel sich verausgabende Rolle \u00fcbernehmen, ihre M\u00e4nner am Leben zu erhalten, weil es, zumindest in den l\u00e4ndlichen Gebieten, keinerlei Alternativen gibt. Dunkel gl\u00fcht das Mal von Manu auf den unw\u00fcrdigen Stirnen (hinter denen geglaubt wird, die Frau muss immer unter der Kontrolle eines Manne stehen). Neulich habe ich Krishnamurti (in einem alten Video) fragen h\u00f6ren: Wie kann man mit einem Menschen leben, der sich nicht k\u00fcmmert? K\u00f6nnen die Frauen. Wo sollen sie hingehen. Hauptsache, er sitzt da rum, erkl\u00e4rte mir einst Reena, denn wenn er nicht mehr da ist, ist man Witwe, also ein unerw\u00fcnschter Schatten, an dem kein Blick mehr haften bleibt. Manju fragt mich, wie ich es aushalte, so viel allein zu sein. Ich raffe all mein Hindi zusammen, um ihr zu vermitteln, wie au\u00dferordentlich gerne ich das Alleinsein habe, vor allem, wenn es mit angemessener Kommunikation ausgeglichen wird, aber weiter geht das Verstehen nicht. Alles entpuppt sich bei n\u00e4herer Sicht als ungemein komplex, und nicht jeder Mensch hat das Bed\u00fcrfnis, ohne Faden (als sich selbst) das Labyrinth zu durchqueren, ohne zu wissen, ob es einen Ausgang gibt, obwohl man ja auch hineingegangen ist.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Besitzer des Hauses, in dem ich hier lebe, hatten mich gebeten, Manju, die, wie sagt man doch gleich &#8211; &#8222;Haushaltshilfe&#8220; &#8211; mit zu \u00fcbernehmen, und schnell verstand ich, warum es ein uraltes Ger\u00fccht gibt, dass Leute, die Servants haben, viel \u00fcber sie reden. 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