{"id":1647,"date":"2016-12-27T05:47:39","date_gmt":"2016-12-27T05:47:39","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=1647"},"modified":"2016-12-27T05:47:39","modified_gmt":"2016-12-27T05:47:39","slug":"tirtha","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=1647","title":{"rendered":"tirtha"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1648\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161226_0821461-300x260.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161226_0821461-300x260.png 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161226_0821461-768x666.png 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161226_0821461.png 1014w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Als ich gestern in einer Unterhaltung mal &#8222;hier im Dorf&#8220; sagte, sah ich einen erstaunten Blick in meinem Gegen\u00fcber&#8230;wie wo, welches Dorf?&#8230;.und so muss ich hier wohl etwas korrigieren, da ich es ja \u00f6fters schon Dorf genannt habe und wohl auch wieder mal so nennen werde, denn hallo!, es ist vor allem hinter den heiligen Wassern sicherlich ein Dorf, aber es ist auch noch etwas anderes. Es ist n\u00e4mlich ein &#8222;tirtha&#8220;, ein Wallfahrtsort, der angeblich schon\u00a0 zwei \u00a0 Jahrhunderte vor Christus existiert haben soll. Also eine Aufgabe, die ich in Indien sicherlich (u.a.) nicht erf\u00fcllen wollte, ist, historische Pr\u00e4zision zu erschaffen. Meistens sind es westliche Gelehrte, die sich immens abgerackert haben, das hinduistische Weltbild irgendwie sinnvoll zusammenzuf\u00fcgen, wobei auch die Frage immer bestehen wird, ob das gerade in Indien und \u00fcber Indien wirklich sinnvoll ist. Aber doch, es gibt wunderbare Arbeiten, und es soll ja durchaus jeder tun, was Freude macht. Es ist also ein Pilgerort, unser Dorf, und da t\u00e4glich diese Pilger zuhauf anreisen, um hier ihr Karma zu belichten und ihrer Ahnen zu gedenken mit gro\u00dfz\u00fcgigen Spenden, kommt hier auch st\u00e4ndig Bewegung ins Spiel. Es wird auch (in der Mahabharata) erw\u00e4hnt, dass jemand, der Gl\u00fcck hat in der Welt der Menschen, diesen Ort des Gottes der G\u00f6tter (Brahma) aufsuchen wird. Das f\u00fchrt zB auch aktuell dazu, dass ich, obwohl die meisten Menschen hier fast nichts&#8220;Pers\u00f6nliches&#8220; \u00fcber mich wissen,\u00a0 als Schicksalsbeg\u00fcnstigte\u00a0 gesehen und benannt werde, weil ich jahrelang hier herumwandern konnte und kann ohne wesentliche Einschr\u00e4nkungen. In Deutsch kann man sehr sch\u00f6n ausdr\u00fccken, um was es in Essenz geht: man macht eine See-Umwandlung (Parikrama genannt), und wird dadurch verwandelt (urspr\u00fcnglich unsterblich, bis sich die G\u00f6tter bei Brahma beschwert haben). Diese vielen PilgerInnen, die t\u00e4glich hierher kommen und wieder gehen, haben ein wichtiges Ziel ihres Lebens erreicht. Wie oft habe ich, morgens am See sitzend, meinen Stift sinken und mich von der Ausstrahlung dieser Menschen ber\u00fchren lassen. Was habe ich f\u00fcr Sch\u00f6nheit gesehen, die einem den Atem rauben kann! Wie sie, von einer seligen Stille umh\u00fcllt, ihr Bad nehmen und ihre Kleider im Wasser schwenken. Wie sie dann, zutiefst bewegt und konzentriert ihre &#8222;puja&#8220;, die rituelle Handlung mit dem jeweiligen Priester machen, der ein riesenschweres, rotgebundenes Buch, &#8222;bahi&#8220; genannt und zwischen 200 und 300 Jahren alt ist, aufschl\u00e4gt und nach ihren Ahnen forscht und sie tats\u00e4chlich, o unvorstellbare Ordnung, dort findet. Die ganze Gruppe ist still und hochzufrieden, denn das Wesentliche ist vollbracht und gibt ihrem Leben eine tiefe Bedeutung. Die (h\u00e4ufig sehr arroganten) Brahmanen nennen diese Menschen oft &#8222;Dschungelvolk&#8220;, hei\u00dft: simpel und unwissend. Aber mir kommen beim Schreiben die Tr\u00e4nen, wenn ich an sie denke und auch an Begegnungen, die ich mit ihnen hatte. Sie kommen neugierig auf mich zu und ich habe gelernt, mich sofort auf Hindi mit ihnen zu freuen, dass wir das Gl\u00fcck haben, hier gelandet zu sein, wo es doch so ein gutes Karma ist. Aber nie kann ich ihnen sage, was ich sehe, diese Augen und Turbane und Gew\u00e4nder, diese Schlichtheit und Direktheit, und diese tiefe Wortlosigkeit der schwerst Arbeitenden, die sehr oft noch nicht einmal eine Schule gesehen haben. Tirtha also, bedeutender Wallfahrtsort.<\/p>\n<p>Noch etwas, was ich sch\u00f6n \u00f6fters mal kurz erw\u00e4hnen wollte: wenn ich von &#8222;den Indern&#8220; spreche, ist das nat\u00fcrlich auch immer eine absurde Einschr\u00e4nkung, denn ich rede meist von denen, mit denen ich hier lebe. Es erweitert sich nur insofern hier am Ort etwas, dass tats\u00e4chlich Menschen aus ganz Indien (und der ganzen Welt) herkommen, auch die neue Mittelklasse, auch Buddhisten und Jains, die alle Inder sind, aber keine Hindus, also nicht der hinduistischen Denkweise angeh\u00f6ren. Aber wie kann man der Vielfalt der Erscheinungen jemals gerecht werden. Da hat das Wort seine Grenze gefunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich gestern in einer Unterhaltung mal &#8222;hier im Dorf&#8220; sagte, sah ich einen erstaunten Blick in meinem Gegen\u00fcber&#8230;wie wo, welches Dorf?&#8230;.und so muss ich hier wohl etwas korrigieren, da ich es ja \u00f6fters schon Dorf genannt habe und wohl auch wieder mal so nennen werde, denn hallo!, es ist vor allem hinter den heiligen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1647","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1647","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1647"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1647\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1660,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1647\/revisions\/1660"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1647"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1647"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1647"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}