{"id":15868,"date":"2022-04-25T08:08:11","date_gmt":"2022-04-25T08:08:11","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=15868"},"modified":"2022-04-25T08:14:10","modified_gmt":"2022-04-25T08:14:10","slug":"gewoehnen-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=15868","title":{"rendered":"gew\u00f6hnen (?)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-15869\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220425_090716-282x300.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"372\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220425_090716-282x300.jpg 282w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220425_090716.jpg 749w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n<h5>Shivani hat mir das Photo gestern aus Indien geschickt und meinte dazu, das sei die st\u00e4rkste Aussage zu dem Thema, die sie bis jetzt gesehen hat. Es sind Frauen aus Estland, die vor ein paar Tagen in der Hauptstadt Tallinn vor der russischen Botschaft gegen die Vergewaltigungen der ukrainischen Frauen durch russische Soldaten demonstriert haben. Wieder fiel mir die Bitte von Olena Selenska ein, wir sollen uns nicht an das Leid der Ukrainer*innen gew\u00f6hnen, dann nickt man das mal verst\u00e4ndnisvoll ab, dann ist man wieder allein damit. Zum Gl\u00fcck keine Gebrauchsanweisung verf\u00fcgbar, nur das sich vertiefende Elend der Ohnmacht. Nicht nur der eigenen, sondern der Ohnmacht an sich, und genau an all den Stellen, wo man die Macht, also hier als Kraft gesehen, um schlimmstes Unheil rechtzeitig zu erkennen und g\u00fcnstigerweise abzuwenden, wo man diese Kraft also aktiviert sehen m\u00f6chte, aber genau das Gegenteil erf\u00e4hrt. Die Banalit\u00e4t des B\u00f6sen hat wieder Vorrang, Menschen mutieren zu ihren eigenen B\u00f6sewichts-Avataren. Und wir sehen das ungern, wie m\u00fchelos Erdlinge zu Monstern werden k\u00f6nnen, nur weil ein Irrer die Vernichtungssucht befohlen hat. Und nein!, gew\u00f6hnen kann man sich nicht daran, daf\u00fcr ist die Emp\u00f6rung der Frauen zu deutlich artikuliert worden, bei aller stets bereiten Ignoranz dem Thema gegen\u00fcber. Wenn man sich das einmal genau anschaut in einem Krieg, was unter anderem hei\u00dft, sich nicht daran zu gew\u00f6hnen, dann muss man irgendwann auf sich selbst achten, damit die Befindlichkeitstaste nicht entgleist. Oder wenn sie entgleist, dass man (z.B.) den Hass als solchen erkennt, ohne ein pauschales Urteil auf die Weltgemeinde zu werfen, nein. Nur, dass man des Hasses und der Ablehnung f\u00e4hig ist und nun wachsam sein muss, welche Samen in die geistigen Ackerfurchen fallen. Und gerne darf man der tiefen Ersch\u00fctterung mal wieder Raum geben, wenn man sich fragen muss, wo all diese M\u00e4nner wieder herkommen, die ihre Testosteronsch\u00fcbe nicht nur nicht im Griff haben, sondern zielgerecht als Racheakt auf die Frauen (und Kinder) des Feindes anwenden, denen man dadurch zu schaden sucht. Deswegen hatte ich mich an Al-Halladsch erinnert, dem man wegen seines Anspruchs auf verl\u00e4ssliche Wahrnehmung die Arme und Beine abschlug und dann den Rest des K\u00f6rpers auf einen Baumstamm nagelte. Gem\u00e4\u00df der Legende soll einer seiner Sch\u00fcler vorbeigekommen sein und ihn gefragt haben, was Mystik sei. &#8222;Hier siehst du ihre niedrigste Stufe&#8220;, soll Al-Halladsch geantwortet haben. So ist die Vergewaltigung von Frauen in jeder Hinsicht die niedrigste Stufe im m\u00e4nnlichen Reich des Ungeheuerlichen, wo man vor allem diejenigen foltert, die sich nicht wehren k\u00f6nnen, weil sie k\u00f6rperlich ausgeliefert sind. Und genauso wenig will man jemand werden, der oder die lauthals das Schicken von Mordwaffen bef\u00fcrwortet. Lieber schweigen und wirken lassen, was sich durchsetzen m\u00f6chte, ohne einen selbst zu zerst\u00f6ren. Aber unbedingt darauf achten, dass die Kirschbl\u00fcte nicht \u00fcbersehen wird, oder die Verbindungsmacht der Kunst, und ihre Pavillons voller Zeitgeist. Der Mensch hat Ausdrucksbef\u00e4higung, wo auch immer man die Quelle dieser Gro\u00dfartigkeit orten mag. Deshalb ist es nicht unerheblich, an was man sich gew\u00f6hnt, und an was man sich keineswegs gew\u00f6hnen sollte. Zumindest, solange man noch handlungsf\u00e4hig ist.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Shivani hat mir das Photo gestern aus Indien geschickt und meinte dazu, das sei die st\u00e4rkste Aussage zu dem Thema, die sie bis jetzt gesehen hat. 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