{"id":14848,"date":"2021-12-10T10:16:05","date_gmt":"2021-12-10T10:16:05","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=14848"},"modified":"2021-12-10T10:19:53","modified_gmt":"2021-12-10T10:19:53","slug":"schweigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=14848","title":{"rendered":"schweigen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-14853\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/20211210_111010-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"317\" height=\"317\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/20211210_111010-300x300.jpg 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/20211210_111010-150x150.jpg 150w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/20211210_111010-768x768.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/20211210_111010-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/20211210_111010-365x365.jpg 365w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/20211210_111010-500x500.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 317px) 100vw, 317px\" \/><\/p>\n<h5>Jahrelang habe ich Weihnachten in Indien verbracht, ohne zum Beispiel um 4 Uhr nachmittags, wenn es schon dunkelt, durch die glitzernden Stra\u00dfen zu fahren in dem irref\u00fchrenden Gef\u00fchl, drinnen in den H\u00e4usern w\u00e4re es nun lichter als vor der \u00fcblichen Beleuchtungsorgie, oder friedlicher, weil alle sich wehm\u00fctig an etwas erinnern, was es mal zu geben schien und weiterhin vor sich hinschien, bis man es mal reflektiert hat, n\u00e4mlich was es einem denn selbst bedeutet. Doch als die festivit\u00e4tsbesessenen Inder anfingen, rote Santa Claus M\u00fctzen aufzuziehen und sich ihr eigenes Weihnachten zu basteln mit Parties und Feuerwerken, jeder halt wie er konnte und wollte. Es ging vor allem um das Gesch\u00e4ftemachen mit den weihnachtshungrigen Foreigners, die auf neue Phasen der Einsamkeit stie\u00dfen. Ich hatte mich dann entschieden, dem Ganzen zu entkommen und feierte einige Jahre mein eigenes Fest, indem ich, ganz und gar selbstversorgend, in meinem Raum entschwand und mich zu Schweigetagen zur\u00fcckzog, also die ganze gem\u00fctliche H\u00e4ngematte der Zeit entlang bis zum Anfang des neuen Jahres, wo es so laut wurde, dass auch die Lautst\u00e4rke des Schweigens zunahm. Das waren gute und spannende Tage, jedes Jahr mit einer etwas anderen Gestaltung der Wortlosigkeit, beziehungsweise ohne gesprochene Worte, mich mal schreibend, mal tanzend, mal malend, mal nur sitzend in einer konzentrierten Unterhaltung befindend und immer irgendwie gest\u00e4rkt aus dem Ganzen hervorgehend. Der aktuelle Bezug ist, dass ich die vergangenen drei Tage nicht gesprochen habe, hier im Kontext meines neuen Interesses, mich mal um die Bedeutsamkeit von &#8222;Meinungen&#8220; zu k\u00fcmmern. Im Moment meint das h\u00f6chst politisch gehandhabte Wort &#8222;Meinungsfreiheit&#8220; f\u00fcr mich eher, dass es auch eine Freiheit von Meinungen gibt. Es ist also meine pers\u00f6nliche Verantwortung, dar\u00fcber nachzudenken, wor\u00fcber ich eigentlich wirklich eine Meinung bilden m\u00f6chte, und bitte, sie dann auch bilden kann und nicht bei der ersten Gegen\u00fcberstellung einer anderen Meinung nicht mehr wei\u00df, um was es mir oder dem Anderen eigentlich geht. Wer sind \u00fcberhaupt der oder die Andere, also meine Gegen\u00fcber, mit denen ich st\u00e4ndig zu tun habe, meist ohne zu wissen, wie sie das alles sehen, was ich auch sehe, nur eben anders, und g\u00fcnstigerweise noch ein St\u00fcck \u00fcber den eigenen Rand hinaus. Ich denke dass, wenn ich die paar Einstellungen, die ich f\u00fcr wesentlich halte auf der Basis meiner eigenen Erfahrungen, und die mir zutiefst und geradezu unverr\u00fcckbar am Herzen liegen, wenn ich also diese Einstellungen einigerma\u00dfen klar habe, kann ich meinen Wahrnehmungskreis vergr\u00f6\u00dfern, ohne Gefahr zu laufen, in andere Meinungssysteme hineinbugsiert zu werden, so, als w\u00e4re es eine heilige Pflicht, sich den Meinungen anderer anzuschlie\u00dfen. Ich bin ja herzensfroh, in einem Land zu leben, wo ich das Gef\u00fchl haben kann, sehr vieles sagen zu k\u00f6nnen, ohne mich in Gefahr zu bringen. Das wiederum macht die Sache aber nur schwieriger, denn nun bin ich in der Tat verantwortlich f\u00fcr die Handhabung meiner pers\u00f6nlichen Freiheit und f\u00fcr das, wer ich in diesem Rahmen sein m\u00f6chte und vor allem auch kann. Immer schon fand ich die Idee anregend, dass begnadete St\u00e4dteplaner in die Mitte des pulsierenden Lebens Stille-R\u00e4ume einrichten k\u00f6nnten, nein, eben nicht konfessionell gebunden, sondern nur zum stillen Herumsitzen mit Anderen, die auch mal raus m\u00f6chten aus dem Meinungsstrudel. Man vergisst zu leicht, dass Schweigen der ganz schnelle Weg in das Innen ist. Das bewusste Schweigen, wohlgemerkt, und nicht das aufgezwungene der ungewollten Einsamkeit.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahrelang habe ich Weihnachten in Indien verbracht, ohne zum Beispiel um 4 Uhr nachmittags, wenn es schon dunkelt, durch die glitzernden Stra\u00dfen zu fahren in dem irref\u00fchrenden Gef\u00fchl, drinnen in den H\u00e4usern w\u00e4re es nun lichter als vor der \u00fcblichen Beleuchtungsorgie, oder friedlicher, weil alle sich wehm\u00fctig an etwas erinnern, was es mal zu geben [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-14848","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14848","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14848"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14848\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14856,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14848\/revisions\/14856"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14848"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14848"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14848"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}