{"id":14726,"date":"2021-11-24T09:11:33","date_gmt":"2021-11-24T09:11:33","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=14726"},"modified":"2021-11-24T09:11:33","modified_gmt":"2021-11-24T09:11:33","slug":"vzerbrechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=14726","title":{"rendered":"V(Z)erbrechen"},"content":{"rendered":"<h6><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-14727\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/20211123_142846-300x139.jpg\" alt=\"\" width=\"337\" height=\"156\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/20211123_142846-300x139.jpg 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/20211123_142846-768x357.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/20211123_142846-1024x476.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 337px) 100vw, 337px\" \/><br \/>\nBetroffene<\/h6>\n<h5>Das Bild stammt von der Titelseite eines Lokalblattes, das neben anderen Bl\u00e4ttern regelm\u00e4\u00dfig im Briefkasten zu finden ist. Schon streckte sich eine Wegwerfgeste dem Papier entgegen, als das Bild meinen Blick einfing. Ich h\u00e4tte da auch irgendwo sein k\u00f6nnen, denn es ist noch nicht lange her, dass viele Photos von Schulen und Kinderg\u00e4rten in der ganzen Welt so \u00e4hnlich aussahen.Den tiefernsten Ausdruck der Kindergesichter kann man auch mit der Neuheit des Erlebens verbinden, oder dass man durch eine Methode angeschaut und wahrgenommen wird. Hier ging&#8217;s allerdings\u00a0 um einen Zeitraum zwischen den 1950er und 1990er Jahren, als man Kinder zwischen zwei und 10 Jahren in &#8222;Erholung&#8220; schickte und die dann in den Heimen vielfach missbraucht und gedem\u00fctigt und geschlagen wurden. Ich hatte noch nie davon geh\u00f6rt, aber was h\u00f6rt man schon von den grenzenlosen Untaten, die sich hinter normal wirkenden Fassaden abspielen. Das Wenige, das man tats\u00e4chlich h\u00f6rt, kann einem zuweilen die Freude am Menschsein so verg\u00e4llen, dass man sich h\u00fcten muss, nicht in das erstarrte Schauen zu verfallen, in dem das Verstehenwollen sich hilflos ergibt und aufgibt f\u00fcr einen\u00a0 Moment des Durchatmens, damit man weitermachen kann mit dem, was man jeweils f\u00fcr angemessen h\u00e4lt. So gab es also zw\u00f6lf Millionen von diesen verschickten und den Erwachsenen ausgeh\u00e4ndigten und ausgelieferten Kindern, und die meisten von ihnen d\u00fcrften noch leben und werden nun aufgerufen, sich zu melden. Seit vielen Jahren sind diese Betroffenen als Erwachsene unterwegs, denen man Leid angetan hat, und wie oft begegnet man ihnen und wei\u00df nichts davon. Nur, dass Kinder, denen es nicht gut ging oder geht, sehr schnell zu Erwachsenen werden, denen es nicht gut gehen kann, weil Verbrechen an ihnen ver\u00fcbt werden, die keine Ahndung erfahren. Das Banale am B\u00f6sen f\u00e4ngt schon damit an, dass wir uns nicht vorstellen k\u00f6nnen oder wollen, an Ungutem beteiligt zu sein, was sich wiederum schwer vermeiden l\u00e4sst. Vermeide ich aber grunds\u00e4tzlich, mich mit den dunklen und m\u00e4chtigen Kr\u00e4ften zu besch\u00e4ftigen und zu lernen, sie zu kanalisieren, kann auch das sogenannte Gute nicht wirklich durchdringen, beziehungsweise die grunds\u00e4tzliche Ausrichtung der wohlmeinenden Kr\u00e4fte nicht wirklich kanalisiert und genutzt werden f\u00fcr das, was meinem eigenen Geist entspricht. Und so gibt es doch ziemlich oft in uns auf einmal den erschreckten und verst\u00f6rten Blick auf das an irgendeinem Punkt gekippte menschliche Verhalten, das wahrlich best\u00fcrzend vielen Geistern erm\u00f6glicht, das Uns\u00e4gliche anzurichten. Auch die Nachricht, es h\u00e4tte in einem einzigen Jahr in Deutschland 100.000 Messerangriffe gegeben, vor allem innerhalb der Familien mit wegen Corona ansteigender Tendenz, kann einen erschaudern lassen. Sie leben \u00fcberall, diese Kinder. Sie leben in den Fl\u00fcchtlingslagern und in den H\u00e4usern, und \u00fcberall sind sie der Willk\u00fcr Erwachsener ausgeliefert. Denn selten genug wei\u00df man, wer die Missbrauchenden sind und von wem sie, wie in den Religionsverb\u00e4nden, gesch\u00fctzt werden. Die T\u00e4ter(Innen?)!, wohlgemerkt, nicht die Kinder. Das Menschsein, so, wie wir es heute erfassen k\u00f6nnen, ist eine recht bescheidene Angelegenheit geworden. Mit dem Drehen des Rades nach der Seite, die keinerlei K\u00f6nnen verlangt, sondern nur eine willentlich zugelassene Entgleisung, verliert der Mensch eine Richtung, in der zumindest eine m\u00f6gliche Haltung das Menschliche eher f\u00f6rdern als vernichten lernt. Und manchmal endet beides gleichzeitig, das Schweigen und das Wort.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Betroffene Das Bild stammt von der Titelseite eines Lokalblattes, das neben anderen Bl\u00e4ttern regelm\u00e4\u00dfig im Briefkasten zu finden ist. Schon streckte sich eine Wegwerfgeste dem Papier entgegen, als das Bild meinen Blick einfing. 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