{"id":14613,"date":"2021-11-10T08:56:33","date_gmt":"2021-11-10T08:56:33","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=14613"},"modified":"2021-11-10T08:56:33","modified_gmt":"2021-11-10T08:56:33","slug":"bemuehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=14613","title":{"rendered":"bem\u00fchen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-14614\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/20211110_065259-288x300.jpg\" alt=\"\" width=\"359\" height=\"374\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/20211110_065259-288x300.jpg 288w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/20211110_065259-768x799.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/20211110_065259-984x1024.jpg 984w\" sizes=\"auto, (max-width: 359px) 100vw, 359px\" \/><\/p>\n<h5>Ein indischer Freund verteidigt und beschreibt gerne in unseren Streitgespr\u00e4chen am Telefon seine Ansicht, dass alle Probleme Indiens nur gel\u00f6st werden k\u00f6nnen, wenn alle Zugang zu Bildung und Wohlstand haben. Dagegen l\u00e4sst sich schwer argumentieren, ist es doch wahr, dass man mit Geld und Bildung alles M\u00f6gliche anfangen kann, nur machen sie per se keinen Menschen menschlicher, er\u00f6ffnen allerdings gr\u00f6\u00dfere R\u00e4ume der Vorstellungskraft und der Handlungsinitiativen. Und klar konnten es tiefergreifende Erfahrungen in Indien f\u00fcr uns (verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig) gebildete Westler sein, in \u00e4rmlichen H\u00fctten an flackernden Feuern zu sitzen und mit der Familie den kostbaren, wohlschmeckenden Tee zu trinken. Oder das duftende Brot zu kosten mit dem herrlich gew\u00fcrzten Gem\u00fcse. Auf der anderen Seite fallen mir dann etwa die Ingenieure ein, die bereit waren, ihre T\u00fcftelf\u00e4higkeiten auf das Funktionieren von Gaskammern zu richten, um m\u00f6glichst viele Menschen gleichzeitig erfolgreich zu vernichten. Auch das kann Bildung. Wir leben in Zeiten, die eher der Groteske gleichen als dem schicksalshaften Drama, f\u00fcr das man noch M\u00fche und Wertsch\u00e4tzung aufbringen m\u00f6chte, weil die ma\u00dfgebende Messlatte der Menschheitsgeschichte eine Vorbildfunktion darstellen kann. Diese Funktion besteht keineswegs aus einem Tugendkatalog, sondern man kann durchaus trauern um Schicksalsbetroffene, denen Furchtbares geschehen ist. Solange man die Not noch mitempfinden kann. Wenn man noch Zeit und Raum hat f\u00fcr das, was einen anspricht oder ber\u00fchrt. Was die Menschen und ihre Grundbed\u00fcrfnisse betrifft, so kenne ich von langen Wanderungen in Indien, wenn es mir gelungen war, abends irgendwo in einem Tempel eine k\u00f6rperlange Fl\u00e4che zugewiesen zu bekommen, wo ich endlich selige Ruhe hatte und mich mit dem eigenen Tuch bedecken konnte. Nirgendwo in der Welt habe ich so viele Menschen ihre Decke \u00fcber den Kopf ziehen sehen, und ich selbst sch\u00e4tzte es als Privatsph\u00e4re. Vielleicht kommt es daher, dass ich immer denke, der gr\u00f6\u00dfte Luxus ist es, eine wohltuende Ruhest\u00e4tte zu haben mit der Anzahl von Kissen, die jede\/r so braucht, und eine warme und eine leichte Decke, und das ganze Bezugsmaterial aus Leinen oder Baumwolle, jedenfalls schmiegsam, sodass man nicht nur gut und gerne einschl\u00e4ft, sondern auch gut und gerne aufsteht. Es klingt so banal und leicht zu erreichen, aber wie selten kommt es wirklich vor. Die Beziehungen m\u00fcssen gut sein, das Essen gut und bek\u00f6mmlich, die Arbeit ohne Versklavung. Ich habe vor allem in der W\u00fcste h\u00e4ufig erlebt, dass die Reichen wesentlich \u00e4rmer dran waren als die Armen, die in ihrer Bereitschaft zu teilen oft wirkten wie K\u00f6nige. Epikur lebte meist karg und gehaltvoll, und dann war er ber\u00fcchtigt f\u00fcr exzessive Schlemmerei, das geht auch. Wenn man nun wieder einmal \u00fcber die unvermeidbaren Medien in die entmenschlichten Zonen der Welt bef\u00f6rdert wird wie das Niemandsland der tausenden von Fl\u00fcchtlingen an der polnischen Grenze, f\u00fcr die keiner eine L\u00f6sung findet, so kann man sich die N\u00e4chte, die sie mit ihren Angeh\u00f6rigen oder alleine verbringen in der K\u00e4lte nicht vorstellen, und wer spielt hier mit welchem Ball um was. Wir vergessen oft, dass wir Betten und Decken haben und Menschen, die uns aushalten k\u00f6nnen, weil sie sich um uns und wir uns um sie bem\u00fchen. Wir haben die Mittel der Bem\u00fchung. Das Wesentliche scheint auch von Bildung und Geld nicht abzuh\u00e4ngen, egal, wie hilfreich sie sein k\u00f6nnen.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein indischer Freund verteidigt und beschreibt gerne in unseren Streitgespr\u00e4chen am Telefon seine Ansicht, dass alle Probleme Indiens nur gel\u00f6st werden k\u00f6nnen, wenn alle Zugang zu Bildung und Wohlstand haben. 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