{"id":14520,"date":"2021-10-30T08:35:30","date_gmt":"2021-10-30T08:35:30","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=14520"},"modified":"2021-10-30T16:09:34","modified_gmt":"2021-10-30T16:09:34","slug":"glaubenslos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=14520","title":{"rendered":"glaubenslos"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-14512\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/20211028_181743-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"359\" height=\"359\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/20211028_181743-300x300.jpg 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/20211028_181743-150x150.jpg 150w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/20211028_181743-768x768.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/20211028_181743-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/20211028_181743-365x365.jpg 365w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/20211028_181743-500x500.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 359px) 100vw, 359px\" \/><\/p>\n<h5>Als ich mich zum ersten Male sagen h\u00f6rte, dass ich an nichts glaube, hat mich die Radikalit\u00e4t dieser Aussage fast erschreckt. Konnte das denn \u00fcberhaupt sein, benutzt man doch das Wort &#8222;glauben&#8220;\u00a0 meist im Sinne, dass man etwas nicht sicher wei\u00df, und genau da unterscheiden sich ja Glauben und Wissen. Nun ist bekannterweise ein sogenanntes &#8222;Wissen&#8220; allerdings auch nicht unbedingt ein eindeutiger Pfad aus den Glaubensgebilden heraus, oder kann man sie hier gleicherma\u00dfen die Wissenskonstrukte nennen. Denn wenn man tats\u00e4chlich vom Glauben, also als einer Abwesenheit von Wissen, Abschied nehmen m\u00f6chte, was f\u00fcr ein Wissen steht einem da \u00fcberhaupt verl\u00e4sslich zur Verf\u00fcgung? Als ich mich in Indien zum Beispiel in einem auf tiefen Weisheiten aufgebauten System wiederfand und\u00a0 davon ernsthaft genug ber\u00fchrt wurde, um mich an die Wurzeln der Dinge heranzutasten, von denen erz\u00e4hlt wurde, dass sie eher sind wie reines Quellwasser oder wie ein Diamant, der aus der Schw\u00e4rze der Kohle, also dem Unwissen, herausgearbeitet werden kann, und der noch im geschliffenen Zustand vor Verstaubung bewahrt werden muss. Also das h\u00f6rt nie auf und hat ein vorl\u00e4ufiges Ende im k\u00f6rperlichen Aschezustand. Lange ging es f\u00fcr mich auch da weiter. Es geh\u00f6rte in gewisser Weise zum meditativen Unterhaltungsprogramm, sich in Wiedergeburtsgeschichten als geistige Avatare anzutreffen und zu erkennen, nicht weit von der M\u00f6glichkeit eines Gottheitensystems entfernt, sozusagen als \u00dcberwindung des an die Erde und ihre G\u00fcter verhafteten Menschen, wie es auch ganz \u00e4hnlich mit &#8222;der Mensch muss \u00fcberwunden werden&#8220; bei Nietzsche zu finden ist. Heute schaue ich darauf und kann staunen, wie selbstverst\u00e4ndlich mir so manches im gegebenen Kontext als &#8222;Wissen&#8220; erschien, aber eindeutig nur von mir geglaubt wurde, weil es mir damals in bestimmten Kontexten einleuchtete. Daher hat das Erscheinen und Verschwinden eines Gottes f\u00fcr mich vor allem damit zu tun, dass ich einerseits den vertikalen Schwung nach oben, energetisch befestigt an einer Instanz, brauche, um meine Wahrnehmung des Weltgeschehens neu einzuordnen, aber andrerseits auch dieser Halt durch die g\u00f6ttlich gepr\u00e4gte Instanz auch nur ein Durchgang ist, der keineswegs vort\u00e4uschen sollte, dass man ein kindliches Aufgehobensein bei den Eltern mit einem eigenen Reifeprozess verwechseln sollte. Und wie vielen ist die Last des sogenannten Himmels schon auf die m\u00fcden und verzweifelten Schultern gefallen und ringsum die \u00fcblichen Spr\u00fcche geklopft wurden, wenn man zum Beispiel nicht ist, was man in den Augen Anderer geworden sein sollte, statt sich aufzumachen in die eigene Richtung. Denn es hat sich \u00fcber die innere Forschung gezeigt auf vielerlei Weisen, dass der Weg nicht nach au\u00dfen f\u00fchrt, sondern das Auge eine Wende vollbringt und auf einmal dahin schaut, wo es selbst ist, also dann lernt, mit sich selbst zu sein. Wenn es mir dann gelingt, aus dem Es ein Ich zu machen, kann ich mich gerne auf diesen Dialog einlassen und die Sachen, die mir wesentlich erscheinen, mit mir besprechen. Und nicht nur der Glaube verzieht sich allm\u00e4hlich, sondern auch das Wissen tritt bescheidener auf. Zuweilen tr\u00e4gt es nur noch ein altes, aber sehr sch\u00f6nes Unterhemd mit vielen L\u00f6chern drin, die eine gewisse Erotik ausstrahlen und statt Armut einen geradezu geheimnisvollen Reichtum zu vermitteln verm\u00f6gen, eher durch das Zuwenig als durch das Zuviel.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich mich zum ersten Male sagen h\u00f6rte, dass ich an nichts glaube, hat mich die Radikalit\u00e4t dieser Aussage fast erschreckt. 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