{"id":13999,"date":"2021-08-25T07:59:53","date_gmt":"2021-08-25T07:59:53","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=13999"},"modified":"2021-08-25T07:59:53","modified_gmt":"2021-08-25T07:59:53","slug":"henry","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=13999","title":{"rendered":"Henry"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-14000\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210824_225104-219x300.jpg\" alt=\"\" width=\"301\" height=\"412\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210824_225104-219x300.jpg 219w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210824_225104-768x1053.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210824_225104-746x1024.jpg 746w\" sizes=\"auto, (max-width: 301px) 100vw, 301px\" \/><\/p>\n<h5>W\u00e4hrend all diese Schreckensszenarien, die sich in der Welt entfalten und dann wieder zusammenfallen mit den vorprogrammierten T\u00e4uschungen und Entt\u00e4uschungen, w\u00e4hrend also all das, was so vor sich hintobt an Unl\u00f6sbarem und schwer zu Entscheidendem, lief\u00a0 bei uns im Haus eine Frau herum, die gerade noch eine just geborene Maus vor den Raubtierf\u00e4ngen der Katze gerettet hatte. Und weil die Mutter der Maus nicht zu ersp\u00e4hen war, entschied sie sich, den Winzling wenigstens so weit durchzubringen, dass es oder er (oder sie?) sich selber da drau\u00dfen zurechtfinden kann. Auch das Netz wei\u00df nicht alles, aber offensichtlich gab es doch\u00a0 f\u00fcr diese Situation schon einige Tips, wie man so ein M\u00e4useleben erhalten kann. Ich war nur Zeugin des Vorfalls, nannte das Baby aber spontan &#8222;Henry&#8220;, und man wei\u00df ja, wie schwer es ist, etwas dem Tod zu \u00fcberlassen, das bereits einen Namen tr\u00e4gt. Henry hatte eh schon eine gem\u00fctliche Wohnstube mit sehr weicher Wattierung, und unter dem Stoff wurde ein leeres Pastetent\u00f6pfchen regelm\u00e4\u00dfig erw\u00e4rmt. Die Frau, die jetzt \u00fcberraschend Mutter geworden war, nahm Henry mit zur Arbeit, um ihn dort mit der neu gekauften Aufp\u00e4ppelungsmilch und der d\u00fcnnen Futterspritze, die in den winzigen Mund passte, alle paar Stunden zu n\u00e4hren. Kein Zweifel, die Fl\u00fcssigkeit wurde geschluckt. Auf einmal wird man sich der riesigen Verantwortung bewusst. Man hat sich eingemischt in die Vorg\u00e4nge, jetzt kann man nur noch schauen, wie man das handhabt. Man kann sich ja, selbst wenn man wollte, nicht ausmalen, was im Hintergrund der Katastrophe des Flughafens von Kabul alles f\u00fcr Gespr\u00e4che laufen. Wen rauslassen, wen dem Alptraum m\u00f6glicher Exekutionen \u00fcberlassen, welchen Frauen niemals mehr dazu verhelfen k\u00f6nnen, ihr eigenes Schicksal zu bestimmen.\u00a0 Und doch ist es das Schicksal, das sich entfaltet. Und alle m\u00fcssen nicht, aber schauen trotzdem zu, wie sich das Menschenm\u00f6gliche entpuppt, in dem Abgr\u00fcnde und H\u00f6henfl\u00fcge gleicherma\u00dfen auf die mittlere Ebene einwirken und dort ihre Wirkungskraft zeigen. Ob Henry mehr Daseinsberechtigung hatte wie Wladimir Putin, zum Beispiel. Um Henry wurde jedenfalls redlich gek\u00e4mpft, dann kam die Nacht, und er hat sie nicht \u00fcberlebt. Selbst als Kronzeugin des Falles wurde ich sehr traurig. Ich hatte die Vollkommenheit dieses Wunders der Natur sehen d\u00fcrfen, diese unendliche Zartheit, dieses Ausgeliefertsein an die nackte Existenz, dieses erleichterte Gef\u00fchl, ihn in der Obhut eines anderen zu wissen. Gestern habe ich Henry photographiert, aber das Bild ist ihm nicht gerecht geworden. Es geht ja immer um Leben und Tod, und man kann jetzt entweder bei Henry oder dem Leben an sich oder dem eigenen Herzen bedanken, dass es sich noch bewegen l\u00e4sst. Denn es braucht ab und zu doch eine erh\u00f6hte Aufmerksamkeit.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend all diese Schreckensszenarien, die sich in der Welt entfalten und dann wieder zusammenfallen mit den vorprogrammierten T\u00e4uschungen und Entt\u00e4uschungen, w\u00e4hrend also all das, was so vor sich hintobt an Unl\u00f6sbarem und schwer zu Entscheidendem, lief\u00a0 bei uns im Haus eine Frau herum, die gerade noch eine just geborene Maus vor den Raubtierf\u00e4ngen der Katze [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-13999","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13999","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13999"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13999\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14004,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13999\/revisions\/14004"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13999"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13999"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13999"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}