{"id":13807,"date":"2021-08-03T08:49:20","date_gmt":"2021-08-03T08:49:20","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=13807"},"modified":"2021-08-03T08:49:20","modified_gmt":"2021-08-03T08:49:20","slug":"jenseits","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=13807","title":{"rendered":"jenseits"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-13802\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210730_174649-291x300.jpg\" alt=\"\" width=\"366\" height=\"377\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210730_174649-291x300.jpg 291w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210730_174649-768x791.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210730_174649-994x1024.jpg 994w\" sizes=\"auto, (max-width: 366px) 100vw, 366px\" \/><\/p>\n<h5>Weder m\u00f6chte man als schwarzmalerische Hellseherin noch als Naivling den eigenen, sch\u00f6pferischen Prozessen gegen\u00fcber in die realtiv pers\u00f6nliche Geschichte eingehen. Relativ in Bezug auf die Tatsache, dass jeder Mensch die Zeugenschaft der eigenen Zeit \u00fcbernehmen kann oder auch muss. M\u00fcssen kommt meistens erst dann, wenn es unabh\u00e4ngig ist von privaten Obsessionen, wenn also globale Zusammenh\u00e4nge eine Situation erschaffen wie einen Krieg oder eine Pandemie, in der die Blasen, die f\u00fcr Freir\u00e4ume gehalten wurden, in denen Rechte beansprucht werden k\u00f6nnen oder Vereinbarungen getroffen usw., diese Blasen platzen lassen und ungehemmt eingreifen in die vormals gesch\u00fctzten Sph\u00e4ren, die nun verloren gehen. Durch die Wahrnehmung des Weltgeschehens bekommt man als Einzelne\/r nicht nur mit, wie man selbst die\u00a0 Dramatik des lebendigen Schauspiels betrachtet, sondern muss sich auch im Urwald der Wahrnehmungen anderer zurechtfinden. Besser noch als ein Urwald erscheint vielleicht ein Labyrinth, weil man in diesem Bild zumindest einen Faden vermutet oder gar findet, an dem man sich entlangrangeln kann. Oder man traut sich zu, genau auf d i e\u00a0 L\u00fccke zu sto\u00dfen, die sich gerne tarnt als Dreht\u00fcr, sodass man entscheiden muss, ob man rein oder raus will. Rein in was? Und raus aus was. F\u00fchlt man sich nun etwa durch das stattfindende Meinungsgewirre unseres Pandemieverst\u00e4ndnisses sich selbst gegen\u00fcber verpflichtet, eine Klarheit zu erlangen, wie man das Spiel selbst spielen m\u00f6chte, kann man auch dadurch nat\u00fcrlich nur relative Freiheit erlangen. Denn selbst die wildesten ImpfgegnerInnen werden fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Sache bedenken m\u00fcssen, oder auch nicht. Schon musste ich unterscheiden zwischen einer einst positiven Deutung des Begriffes &#8222;Querdenken&#8220; und einer QuerdenkerInnengruppe, bei der ich allerdings eh nicht mitmarschieren w\u00fcrde, weil das Demonstrieren f\u00fcr mich keine M\u00f6glichkeit darstellt, mich wohl zu f\u00fchlen. Aber in den Jahren, die ich mit dem &#8222;Living Theatre&#8220; gearbeitet habe, standen wir auch \u00f6fters vor bis zu 6000 Menschen im Publikum und verk\u00fcndeten unsere politischen Ansichten, die oft genug jenseits aller nachvollziehbaren Logik waren (z.B. das Verbrennen von Geld oder oder die Aufforderung, ohne Pass zu reisen) und\u00a0 gerade deshalb regte es zu allerhand neuen Sichtweisen an. F\u00fcr einen kurzen Moment in der Zeit schien wieder absolut alles m\u00f6glich zu sein, da die freie Entscheidungskraft des Menschen einleuchtete. So brauchte man einfach nicht in den Krieg gehen, dann w\u00fcrde es keinen geben. Das hat diesen Schuss naiver Intelligenz, die in bestimmten Momenten auch bahnbrechend wirken kann, meist durch ein \u00fcberzeugendes Staubk\u00f6rnchen Wahrheit im Gep\u00e4ck. Eine Flamme, die immer wieder mal entz\u00fcndet wird und sagt, dass es auch ganz anders laufen k\u00f6nnte, als man denkt. Kann es ? Manchmal glaubt man, das ganze menschliche Verhalten sei ein St\u00fcckchen vorangekommen, bevor man r\u00fcde belehrt wird. Beuys korrigierte einmal in einer Gespr\u00e4chsrunde jemanden, der eine ihm unpassend erscheinende\u00a0 Bemerkung \u00fcber seine Szene mit dem Hasen machte, dem er in einer Performance die Kunst erkl\u00e4rt. Beuys machte klar, wie dieser Hase der direkte Ausdruck seines Lebens war in dem Sinne, dass nur durch die Weise, wie er sein Leben gestaltet hatte, der Hase erscheinen konnte. Ihm ging es um etwas sehr Direktes, wobei man dann nat\u00fcrlich schmerzhaft bemerken darf, dass auch das nicht ganz blasenfrei war. Oder doch? War es ihm gelungen durch all das vorher nie Dagewesene und selten Vorgefundene, nein, nie zuvor Vorgefundene, n\u00e4mlich Beuys und sein offensichtlich gelungener Durchbruch zu den Menschen hin, denen er sehr viel zumutete. Und man kann ja nicht leugnen, dass er einen ordentlichen Schuss Unsterblichkeit gebunkert hat, der tote Mann, dem es gelungen ist, bis heute unverstanden zu bleiben, obwohl er sich so bem\u00fcht hat.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weder m\u00f6chte man als schwarzmalerische Hellseherin noch als Naivling den eigenen, sch\u00f6pferischen Prozessen gegen\u00fcber in die realtiv pers\u00f6nliche Geschichte eingehen. Relativ in Bezug auf die Tatsache, dass jeder Mensch die Zeugenschaft der eigenen Zeit \u00fcbernehmen kann oder auch muss. 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