{"id":13446,"date":"2021-06-20T06:53:03","date_gmt":"2021-06-20T06:53:03","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=13446"},"modified":"2021-06-20T06:56:45","modified_gmt":"2021-06-20T06:56:45","slug":"raimund-hoghe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=13446","title":{"rendered":"Raimund Hoghe"},"content":{"rendered":"<div class=\"text\">\n<h2 style=\"text-align: center;\">\u00a0<span class=\"drk-overline\">Choreograf Raimund Hoghe gestorben,<br \/>\ne<\/span>iner der wichtigsten Protagonisten<br \/>\ndes zeitgen\u00f6ssischen Tanzes<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.raimundhoghe.com\/pics\/montpellier_10.jpg\" alt=\"\" width=\"647\" height=\"972\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p><b> Raimund Hoghe, geboren in Wuppertal, verfasste zun\u00e4chst Portr\u00e4ts von Au\u00dfenseitern und Prominenten, die in &#8222;Die Zeit&#8220; erschienen und auch in mehreren B\u00fcchern zusammengefasst wurden. Von 1980 bis 89 arbeitete er als Dramaturg f\u00fcr das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, \u00fcber das er auch zwei B\u00fccher schrieb. Seit 1989 entwickelt er eigene Theaterarbeiten f\u00fcr verschiedene T\u00e4nzer und Schauspieler. 1992 begann seine Zusammenarbeit mit dem bildenden K\u00fcnstler Luca Giacomo Schulte, der bis heute sein k\u00fcnstlerischer Mitarbeiter ist. 1994 realisierte er das erste Solo f\u00fcr sich &#8222;Meinw\u00e4rts&#8220;, dem &#8222;Chambre s\u00e9par\u00e9e&#8220; (1997) und &#8222;Another Dream&#8220; (2000) als Trilogie \u00fcber das vergangene Jahrhundert folgten.<br \/>\nNeben seiner Theaterarbeit arbeitete Hoghe vielfach f\u00fcr das Fernsehen und realisierte u.a. f\u00fcr ARTE den Film &#8222;Die Jugend ist im Kopf&#8220; \u00fcber die franz\u00f6sische Theaterleiterin Marie-Th\u00e9r\u00e8se Allier (2016), &#8222;Lebenstr\u00e4ume&#8220; (ZDF\/3sat 1994) und 1997 im Auftrag des WDR das einst\u00fcndige Selbstportrait &#8222;Der Buckel&#8220;. Seine B\u00fccher wurden in mehrere Sprachen \u00fcbersetzt, mit seinen St\u00fccken gastierte er in verschiedenen L\u00e4ndern Europas, Nord- und S\u00fcdamerika, Asien und Australien. Er hat zahlreiche Preise erhalten, darunter 2001 den &#8222;Deutschen Produzentenpreis f\u00fcr Choreografie&#8220;. 2006 erhielt er den &#8222;Prix de la critique Francaise&#8220; f\u00fcr &#8222;Swan Lake, 4 Acts&#8220; in der Kategorie &#8222;Beste ausl\u00e4ndische Produktion&#8220;. 2008 wurde Raimund Hoghe in der Kritiker-Umfrage der Zeitschrift &#8222;ballet-tanz&#8220; zum &#8222;T\u00e4nzer des Jahres&#8220; gew\u00e4hlt. 2019 ernannte ihn der franz\u00f6sische Kulturminister zum &#8222;Officier de l\u2019ordre des Arts et des Lettres&#8220;. Raimund Hoghe erhielt die Auszeichnung in Anerkennung seiner &#8222;au\u00dferordentlichen Verdienste um die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich&#8220;. 2020 wurde ihm der Deutsche Tanzpreis verliehen &#8211; die h\u00f6chste Auszeichnung, die der Tanz in Deutschland zu vergeben hat. B\u00fccher \u00fcber seine Theaterarbeiten sind in Frankreich, Deutschland, England und den USA erschienen. Raimund Hoghe lebt in D\u00fcsseldorf. <\/b><\/p>\n<hr noshade=\"noshade\" size=\"1\" \/>\n<h5>&#8222;Den K\u00f6rper in den Kampf werfen&#8220;, schreibt Pier Paolo Pasolini. Dieser Satz: f\u00fcr mich auch ein Ansto\u00df, auf die B\u00fchne zu gehen. Andere Anst\u00f6\u00dfe: die mich umgebende Realit\u00e4t, die Zeit, in der ich lebe, die Erinnerung von Geschichte, Menschen, Bilder, Gef\u00fchle und die Kraft der Musik, ihre Sch\u00f6nheit und die Konfrontation mit einem K\u00f6rper, der &#8211; in meinem Fall &#8211; herk\u00f6mmlichen Vorstellungen von Sch\u00f6nheit nicht entspricht. Auf der B\u00fchne auch K\u00f6rper zu sehen, die nicht der Norm entsprechen, ist wichtig &#8211; nicht nur mit dem Blick auf die Geschichte, sondern auch mit Blick auf Entwicklungen der Gegenwart, an deren Ende der Mensch als Objekt des Designs steht. Zur Frage des Erfolgs: Wichtig ist, arbeiten zu k\u00f6nnen, den eigenen Weg zu gehen &#8211; ob mit oder ohne Erfolg. Ich mache einfach das, was ich tun muss.<\/h5>\n<h5><b>Raimund Hoghe<\/b><\/h5>\n<hr noshade=\"noshade\" size=\"1\" \/>\n<h5>In seinem erstem Solo, &#8222;Meinw\u00e4rts&#8220; (1994), besch\u00e4ftigte sich Raimund Hoghe vor dem Hintergrund der vierziger Jahre mit der Biografie des j\u00fcdischen Tenors Joseph Schmidt. In &#8222;Chambre s\u00e9par\u00e9e&#8220; thematisierte er seine Kindheit im Deutschland der Wirtschaftswunderzeit, das die braunen Schatten der Vergangenheit noch l\u00e4ngst nicht abgestreift hat. In &#8222;Another Dream&#8220; schlie\u00dflich dreht sich alles um den Aufbruch der sechziger Jahre. Raimund Hoghes Tanztheater ist explizit politisch, ohne die Form zu vernachl\u00e4ssigen. In seinen minimalistischen St\u00fccken begegnet die rituelle Strenge des japanischen Theaters der amerikanischen Performance-Kunst und dem deutschen Expressionismus mit seinem Interesse an menschlichen Gef\u00fchlen und gesellschaftspolitischen Befindlichkeiten. Kleine anekdotische Texte erhellen wie Streiflichter die Widerspr\u00fcche der Zeit und die kleinen gro\u00dfen Sehns\u00fcchte, die den Menschen Hoffnung geben. Die szenische Aktion bleibt dabei stets der Abstraktion vorbehalten, w\u00e4hrend die Emotion allein in den alten Schlagern liegt, die Hoghe dem jeweiligen Thema und der Zeit entsprechend sorgf\u00e4ltig ausw\u00e4hlt. Dabei formuliert er seine Erinnerungen auf eine Art, die geschichtliche Ereignisse durch den subjektiv und rein privaten Moment hindurch aufruft. Doch sein K\u00f6rper, der durch seinen Buckel nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht, ist immer auch ein Platzhalter f\u00fcr uns alle und unsere pers\u00f6nlichen Erinnerungen. Zwischen Dingen, Worten und Liedern \u00f6ffnen sich Freir\u00e4ume f\u00fcr eigene Erinnerungen und affektive Momente. Es sind durchaus auch humorvolle Momente des Eingedenkens.<\/h5>\n<h5><b>Gerald Siegmund<\/b><\/h5>\n<\/div>\n<p><a class=\"eHAdSb\" tabindex=\"0\" role=\"link\" href=\"https:\/\/www.google.de\/url?sa=i&amp;url=https%3A%2F%2Fsz-magazin.sueddeutsche.de%2Ftheater%2Fich-vergesse-meinen-koerper-sehr-oft-81312&amp;psig=AOvVaw3HX-eS1bilAXCfdbkIyURL&amp;ust=1624174507427000&amp;source=images&amp;cd=vfe&amp;ved=0CAcQjRxqFwoTCMDmj9iXo_ECFQAAAAAdAAAAABAE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" aria-label=\"SZ Magazin aufrufen\" data-ved=\"0CAcQjRxqFwoTCMDmj9iXo_ECFQAAAAAdAAAAABAE\"><img decoding=\"async\" class=\"n3VNCb aligncenter\" src=\"https:\/\/szm-media.sueddeutsche.de\/image\/szm\/5f7aa45ada0a8c2f7df54bff107b85a5\/640\/image.jpeg?h=0d5fa376ad7c80eabb8d3dc41dd48d68&amp;hv=1\" alt=\"Raimund Hoghe im Interview: \u00bbIch vergesse meinen K\u00f6rper sehr oft\u00ab - SZ Magazin\" data-noaft=\"1\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Choreograf Raimund Hoghe gestorben, einer der wichtigsten Protagonisten des zeitgen\u00f6ssischen Tanzes Raimund Hoghe, geboren in Wuppertal, verfasste zun\u00e4chst Portr\u00e4ts von Au\u00dfenseitern und Prominenten, die in &#8222;Die Zeit&#8220; erschienen und auch in mehreren B\u00fcchern zusammengefasst wurden. 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