{"id":13139,"date":"2021-05-10T08:11:00","date_gmt":"2021-05-10T08:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=13139"},"modified":"2021-05-10T08:11:00","modified_gmt":"2021-05-10T08:11:00","slug":"unnoetig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=13139","title":{"rendered":"unn\u00f6tig (?)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-13140\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/20210510_074430-300x291.jpg\" alt=\"\" width=\"358\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/20210510_074430-300x291.jpg 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/20210510_074430-768x745.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/20210510_074430-1024x993.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 358px) 100vw, 358px\" \/><\/p>\n<h5>Ich erinnere mich an die ersten Nachrichten, die bei uns ankamen von im Meer ertrinkenden Menschen aus afrikanischen L\u00e4ndern. Wie sie vor meinem inneren Auge hinuntertrudelten in die verschlingende Tiefe, bis die auf solch unmenschliche Weise dem Tod \u00dcberlassenenen so viele wurden, dass ich Halt suchte an meinem Pinsel. Die\u00a0 schwarzen Punkte auf der blauen Meeresfarbe sollten mir n\u00e4her bringen, was mein Verstand verweigerte, und tats\u00e4chlich begann ich das Haar zu sp\u00fcren bei jedem Punkt, den ich setzte. Vielleicht war es einfacher, weil der Pinsel auch Haare hat, doch wenn man ihm Auftrag gibt, versucht er zumindest, sein Bestes zu geben. Ich wei\u00df, es bedeutet nicht viel, dass ich an meinem deutschen Fenster den Tod der indischen Kultur betrauere, ich bin ja auch nicht alleine, denn ich finde schon, dass ein Hauch dieser Trauer \u00fcber den Planeten weht, hielt Indien in seinem Weltruf doch lange allem M\u00f6glichen stand. Auf der anderen Seite, also hier im Westen, war das Kennen von Indien auch \u00fcber die Medien bemerkenswert eingeschr\u00e4nkt, da gef\u00fcttert von Dingen, die wir IndienliebhaberInnen nie selbst erlebt haben. Auf der anderen Seite gab es im Land auch \u00fcberall so ziemlich alles im uneingeschr\u00e4nkten Irrsinn des Daseins, von der proklamierten Frucht der Erleuchtung bis hinunter zu grausamstem Missbrauch gegen Mensch und Tier und Ding. Nur hat dann die Intensit\u00e4t des Dunklen und Dichten zugenommen. Aber alles stand eben auch schon in den Schriften, man brauchte nur nachlesen, was alles kommen w\u00fcrde, und auf einmal war man mittendrin in der Weltensaga und verstand, wenn man das wollte, dass man sich selbst vertrat, wenn man das konnte. Und klar: die digitale Revolution gab dem Ganzen den Rest, denn viel Rest war es eh schon geworden, der Rest von dem Wissen und der Rest von der daraus resultierenden Weisheit, alles bekannt als strenge Wege freiwillig auferlegter Ordnungen, die zuweilen zu gro\u00dfer Lebensfreude f\u00fchrten, selten genug, aber immerhin. Und nun der Tod mit seinem krassesten Auftritt, auch hier ein Meister, irgendwo geschult in geheimen Gehirnwindungen, das Resultat einer m\u00e4chtigen Instanz, die sich hat ausleben d\u00fcrfen, bis die Not so gro\u00df wurde und kein Gesicht mehr im Spiegelbild den Schrecken dahinter \u00fcbersehen konnte. Als Weltendrama dient es wohl weiterhin als ein Erkennen, dass tats\u00e4chlich alles einmal einen Anfang hat und dann ein Ende findet, au\u00dfer man bewegt sich bewusst in einem Kreislauf, in dem automatisch das Ende den Anfang schon bergen muss, der Uroboros also, die Ewigkeit in Bewegung. Doch nichts tr\u00f6stet die Zur\u00fcckgebliebenen der gro\u00dfen Vernichtungen, weder im Krieg noch im Lockdown der Pandemie. Das unn\u00f6tige Sterben, das durch weise Entscheidungen wenigstens h\u00e4tte einged\u00e4mmt werden k\u00f6nnen, das macht es schwer, in diesem Sterben eine Ruhe zu finden. Und trotzdem gilt auch hier, dass es ist, was und wie es ist. Ist also schon da, , das gequ\u00e4lte Tier in der Halle, der gefolterte Mensch in den Gulags, wo man denkt, jede Hoffnung auf ertr\u00e4gliches Menschsein w\u00fcrde endg\u00fcltig begraben werden m\u00fcssen. Aber muss nicht, denn ich werde ja nicht entlassen aus meiner eigenen Beteiligung, wissend, dass ich bei jeder Wahl, an der ich selbst beteiligt bin, rein technisch das Z\u00fcnglein sein kann an der Waage.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich erinnere mich an die ersten Nachrichten, die bei uns ankamen von im Meer ertrinkenden Menschen aus afrikanischen L\u00e4ndern. 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