{"id":13069,"date":"2021-05-01T09:27:06","date_gmt":"2021-05-01T09:27:06","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=13069"},"modified":"2021-05-01T09:27:06","modified_gmt":"2021-05-01T09:27:06","slug":"trostpflaster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=13069","title":{"rendered":"Trostpflaster"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 640px;\" class=\"wp-video\"><video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-13069-1\" width=\"640\" height=\"352\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/VID-20210430-WA0001.mp4?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/VID-20210430-WA0001.mp4\">http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/VID-20210430-WA0001.mp4<\/a><\/video><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5>Das Video kam aus Indien, und nat\u00fcrlich kann man den dunklen Humor darin nur verstehen, wenn man wei\u00df, dass es in den Stra\u00dfen von Delhi, auch den n\u00e4chtlichen, noch nie so leer war. In diese unheimliche Stille hinein trabt ein Pferd vorbei mit einem geschm\u00fcckten Br\u00e4utigam darauf, der &#8217;normalerweise&#8216; umgeben w\u00e4re von hunderten von Angeh\u00f6rigen und Freunden, und man kann sich nat\u00fcrlich auch da fragen, warum etwas unbedingt sein muss in Zeiten, die daf\u00fcr gar nicht g\u00fcnstig erscheinen. Es gab immer wieder mal einen bekannten Hindu (wie z.B. Vivekananda), der davor warnte, dem Panchang, einem Kalender, der jeden Tag die daf\u00fcr g\u00fcnstigen und ung\u00fcnstigen Daten und Taten vorschreibt,\u00a0 derart ergeben zu folgen, da es einen geistigen Leerlauf erzeugt und auf jeden Fall nicht zur eigenen Beurteilung anregt. Aber noch habe ich in den vielen Jahren noch von keinem ernsthaften Beschluss wie dem Heiraten geh\u00f6rt, ohne dass der Panchang gew\u00e4lzt worden w\u00e4re, und so reitet eines Tages der einsame Lockdownprinz ohne Gefolge durch die leergefegten Stra\u00dfen, in denen die Hunde ungest\u00f6rt ihre Reviere vergr\u00f6\u00dfern. Vermutlich ist es eine der Quellen der Angst, die stabilisierenden Rituale\u00a0 loslassen zu m\u00fcssen, auch wenn sie einem absolut nichts mehr bedeuten. Das muss man allerdings bewusst erfassen, und hat dadurch einen gr\u00f6\u00dferen Entscheidungsradius. Gestern begegnete ich einem unserer Nachbarn, der aus dem Wald kam mit einer Birke\u00a0 \u00fcber die Schulter gelegt. Oho, ein ganzer Baum, staune ich, und er erkl\u00e4rt mir, dass er jedes Jahr seiner Frau einen Maibaum aus dem Wald holt. Jaja die hartn\u00e4ckigen Rituale, murmelte ich, ganz und gar nicht in Verbindung mit der Tradition der Maibaumschenkung, aber klar, was sein muss, muss sein. Und kennt man nicht selbst die z\u00e4he Schwere der Dinge, die man doch jetzt gerade im Lockdown mal gr\u00fcndlich durchforsten wollte. Und der begleitende, leicht erm\u00fcdete Blick, der \u00fcber die Stockungen streift, wo sie zu Hemmschwellen wurden. Oft h\u00e4lt man dann die\u00a0 eingerichtetenInstallationen f\u00fcr die einzig m\u00f6glichen, dabei haben die Gewohnheiten sich nur eingenistet und brauchen entweder tiefere Erkenntnisse oder tiefere N\u00f6te, um sich den Ver\u00e4nderungen \u00fcberlassen zu k\u00f6nnen, wenn auch nur, wo sie unbedingt erw\u00fcnscht sind. Allerdings setzen sie zuweilen da, wo sie \u00fcberhaupt nicht in Frage gestellt werden, den geistigen Staub der Jahrhunderte an, und jeder kreative Impuls kann in leergewordenen und bedeutungslosen Gesetzen erstickt werden. Und meistens geschieht das Loslassen von eingefahrenen Gewohnheiten durch Katastrophen. Ich erlebe auch zur Zeit im Angesicht der indischen Katastrophe Momente dieser Schockstarre, die mir erz\u00e4hlt, dass etwas, was f\u00fcr mich tiefe Bedeutung hatte, endg\u00fcltig zu Ende ist. Klar kann man nach einem Schock auch irgendwann umschalten und weitermachen. Wenn man am Leben bleibt, geht es ja sowieso weiter. Aber schon brennen in mir unwiderruflich die Bilder der gro\u00dfen Verbrennungsst\u00e4tten, der Trostlosigkeit der unerbittlichen Realit\u00e4t des Here and Now ausgeliefert, jetzt nicht mehr als Wissen verstanden, sondern hautnah erlebt. Die leeren Stra\u00dfen der Gro\u00dfstadt und ihre Totenstille wirken fast wie ein Trostpflaster.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das Video kam aus Indien, und nat\u00fcrlich kann man den dunklen Humor darin nur verstehen, wenn man wei\u00df, dass es in den Stra\u00dfen von Delhi, auch den n\u00e4chtlichen, noch nie so leer war. 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