{"id":13044,"date":"2021-04-28T07:57:51","date_gmt":"2021-04-28T07:57:51","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=13044"},"modified":"2021-04-28T07:57:51","modified_gmt":"2021-04-28T07:57:51","slug":"geoeffnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=13044","title":{"rendered":"ge\u00f6ffnet"},"content":{"rendered":"<h6><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-13045\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210426_191815-294x300.jpg\" alt=\"\" width=\"362\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210426_191815-294x300.jpg 294w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210426_191815-768x782.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210426_191815-1005x1024.jpg 1005w\" sizes=\"auto, (max-width: 362px) 100vw, 362px\" \/><br \/>\nDie Zeit zermalmt ihre Kinder<\/h6>\n<h5>Auf jeden Fall zermalmt sie, Kal, die Zeit, gerade ihre Kinder in Indien auf besonders grausame Weise. Die dunkle Zeit, wohlgemerkt, denn es gab und gibt auch die hellen Zeiten. Auch Hindus vermuten in der Finsternis ein Licht, &#8218;chit&#8216; hei\u00dft es&#8216;, als Bewusstsein wird es \u00fcbersetzt, nur ist es in der Finsternis schwer zu finden. Ich wurde gefragt, wie es mir geht mit den schrecklichen Nachrichten aus Indien, und schon in meinen Tr\u00e4umen fing ich an zu wandern durch die Jahrzehnte meiner eigenen Zeit, die ich &#8218;mein Indien&#8216; nenne. Meine Trauer ist alt \u00fcber den Verfall dieser Kultur. Aktiv wurde sie, die Trauer, vor ungef\u00e4hr zwanzig Jahren, oder vielleicht schon fr\u00fcher. Es fing an mit dem Fernsehen, als schnell klar wurde, wo das alles hingehen w\u00fcrde. Das pers\u00f6nliche Ich wurde ja gar nicht trainiert in der Entwicklung, sondern das Beste, was auf Erden gedacht wurde, galt als kollektives Gesetz, bis es leer geworden war von sich selbst und verschwand von der menschlichen Bildfl\u00e4che, um sich direkt an der digitalen festzusaugen. Weil es so schnell ging und alle unvorbereitet waren, enth\u00fcllte es sich als ein Abgrund, der nicht mehr zu \u00fcberbr\u00fccken war. Meine Aufenthalte wurden frei vom Nehmen, denn durch sie, die Anwesenden, hatte mein Leben ja die Richtung genommen, die mir ohne Indien unvorstellbar gewesen w\u00e4re. Das war nicht viel anders geistig, als die Nicht-Lehre von Sokrates nicht nur zu verstehen, sondern sie auch zu leben. Und bereichert wurde ich immer mehr durch die Dankbarkeit, dass ich eine Zeit kannte, und war es auch nur der Saum ihrer Bl\u00fcte, wo das Unbegreifliche noch herrschte, vergleichbar nur dem Urchaos und seinen gro\u00dfen Ordnungen, ohne die nichts Lebendiges denkbar w\u00e4re. Und ja, ich starre auch fassungslos auf die Scheiterhaufen, denn auf ihnen brennt auch mein Indien dahin, denn das, was jetzt kommt, wird eine gro\u00dfe Wunde sein, deren Heilung nicht garantiert ist. Ich wollte, ich k\u00f6nnte Modi vor einem hohen Gericht anklagen, aber ich kann es nicht. Auch er ist nur eine Puppe in der &#8218;Duplicate Maya&#8216;, wie es die Inder nennen, also im gesteigerten Zerrbild des Illusion\u00e4ren, das man auch sonst zu den Weltph\u00e4nomenen z\u00e4hlt. Wenn ich mich also versenke in meine Trauer, so sp\u00fcre ich, dass sie alle Ebenen ber\u00fchrt, auch als Ozean erscheint, in den ich hineinstarre, ohne Resonanz zu erwarten. Einen Nu lang hatte ich Angst, ein verborgener Damm k\u00f6nnte brechen und das Wasser mich \u00fcberfluten, aber ich sitze ja schon im Auge des Sturmes. Mein Schmerz ist gereift, das Fassungslose braucht keinen Widerstand mehr. Ich hatte im Bazaar rechtzeitig aufgeh\u00f6rt, meine indischen Freunde zu fragen, wie es kommt, dass sie nicht sehen k\u00f6nnen, wer der Diktator an ihrer Spitze ist, der kleine Sohn also eines Teeladenbesitzers, der das im Naiven gestrandete Volk nun verkauft hat an Ebenen, wo nur noch die Verzweiflung herrscht. Atomkraft und keine Sauerstoffger\u00e4te? Meine Wut ist an diesem Punkt vielleicht noch gr\u00f6\u00dfer als mein Schmerz, denn ich habe es von innen her gesehen, wie es geschehen ist. Und nichts und niemand konnte es aufhalten. Ich erinnere mich auch daran, wie j\u00fcdische Klangmeister und Interpreten der klassischen Musik von ihrer Liebe sprachen f\u00fcr Beethoven und Mozart, so innig geliebt, bevor sie vertrieben, verjagt oder get\u00f6tet wurden. Auch an mein jahrelang am sonnigen Ufer des Sees Geschriebenes muss ich denken, und dass es in einem von meinen Gedichten hei\u00dft, dass ich am Tod beteiligt bin als mein eigenes Selbst, und in mir Raum ist zum Sterben. Den kann ich jetzt \u00f6ffnen, oder hat er sich selbst schon ge\u00f6ffnet.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeit zermalmt ihre Kinder Auf jeden Fall zermalmt sie, Kal, die Zeit, gerade ihre Kinder in Indien auf besonders grausame Weise. Die dunkle Zeit, wohlgemerkt, denn es gab und gibt auch die hellen Zeiten. 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