{"id":12713,"date":"2021-03-17T09:14:33","date_gmt":"2021-03-17T09:14:33","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=12713"},"modified":"2021-03-17T09:14:33","modified_gmt":"2021-03-17T09:14:33","slug":"all-taeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=12713","title":{"rendered":"All-t\u00e4glich"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-12714\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210316_170058-300x292.jpg\" alt=\"\" width=\"357\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210316_170058-300x292.jpg 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210316_170058-768x747.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210316_170058.jpg 936w\" sizes=\"auto, (max-width: 357px) 100vw, 357px\" \/><\/p>\n<h5>Wer wird schon gerne aus seinem oder ihrem Alltag hinaus bef\u00f6rdert in den Ausnahmezustand? Der kann schnell kommen. Schon mit schlechter Laune, deren Urgrund man noch nicht ergr\u00fcbelt hat, hat der Alltag weniger Leuchtkraft. Und wo soll er die \u00fcberhaupt hernehmen, h\u00e4ngt doch seine Erscheinungsform ganz eng zusammen mit unseren Befindlichkeiten. Ein sehr dunkler Ausnahmezustand ist die Katastrophe, wozu R.D. Laing einmal meinte, dass wir gerade dann einander in die Augen schauen. \u00dcber die derzeitige Maskierung hinweg muss man gestehen, dass es gar nicht so einfach ist, andere Maskierte \u00fcber Augenkontakt wahrzunehmen, nur manchmal wirkt der wahrgenommene Gru\u00df etwas intensiver. Die Maskierung betrifft ja zum Gl\u00fcck nicht das Zuhause, denn da geht es um andere Sachen. Nat\u00fcrlich flutscht oder flie\u00dft es besser, wenn die eingespielten Rituale, mit denen g\u00fcnstigerweise alle Beteiligten einigerma\u00dfen d&#8217;accord sind, sich so m\u00fchelos wie m\u00f6glich abspielen k\u00f6nnen. Der Alltag, ja, was ist das \u00fcberhaupt. Gerade war er noch da, jetzt kann man ihn schon das Labyrinth oder das Chaos oder die Katstrophe nennen. In vielen H\u00e4usern wird jemand krank oder liegt im Sterben, andere liegen immer noch im Winter von Moria auf den Scherben ihrer Hoffnungen. Auch das ist Alltag, man kann ihm ja gar nicht entkommen. Immer ist Alltag. Und in den Krisen werden fast wie nebenher Zugeh\u00f6rigkeiten ganz wesentlich, zum Beispiel da, wo ich mit Hilfe rechnen kann, wenn ich sie brauche. Alle Tage davor f\u00fchrten da hin, dass es ohne jede Frage m\u00f6glich ist, dass man sich neu orientiert, auch wenn es die eigenen Rituale verschiebt oder gar st\u00f6rt. Gerade das Ausscheren aus den Gewohnheiten kann viel zur eigenen Reife beitragen. In Indien war ich mal l\u00e4ngere Zeit sehr meditativ unterwegs, was die Einheimischen erfreute. Da fand ich auf der Stra\u00dfe ein zugedecktes, schmutziges Tuch, unter dem es zu atmen schien. Ich hielt es f\u00fcr ein Tier, aber es war ein vor Kurzem geborener Mensch, der sehr winzig und sehr alt aussah. Niemand reklamierte es, so hatte ich auf einmal ein kleines M\u00e4dchen bei mir im stillen K\u00e4mmerlein, und wir verbrachten sehr sch\u00f6ne Monate miteinander, bis alles Weitere gekl\u00e4rt war. So kam es zu einer wunderbaren Beziehung, die jedes Jahr in Indien eins meiner Highlights war und ist. In der Zwischenzeit ist sie verheiratet und wir reden wegen Corona vor allem \u00fcber WhatsApp. Gegen die Gesellschaft musste ich meine Entscheidung regelrecht verteidigen, so, als h\u00e4tte ich mein Lebensziel aufs Spiel gesetzt. Dabei war ich vor allem dankbar, etwas zur\u00fcckgeben zu k\u00f6nnen (in Bezug zu eigenen, dunklen Schicksalsadern). Auch hat man meistens wenig Zeit, inmitten einer Neu-Orientierung \u00fcber den Sinn nachzusinnen. Es gen\u00fcgt durchaus, dass man bereit ist,\u00a0 f\u00fcr die jeweilige Situation die bestm\u00f6gliche Handhabung zu finden. Einmal, w\u00e4hrend eines Besuches bei meiner Mutter, wollte ich mir im Fernsehen einige Interviews mit \u00dcberlebenden aus Auschwitz anschauen. Am meisten ber\u00fchrte mich, wie zutiefst menschlich sie wirkten, wie menschenfreundlich. Wahrscheinlich ist es so, dass, wenn man das klirrende Eis der Entmenschlichung erfahren hat, einem jedes warme L\u00e4cheln vorkommt wie ein Sonnenstrahl, was es ja auch ist. Aber dass es \u00fcberhaupt m\u00f6glich wurde, das weist weit \u00fcber das Menschenm\u00f6gliche hinaus. Oder es weist gerade hier auf das Menschenm\u00f6gliche hin.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer wird schon gerne aus seinem oder ihrem Alltag hinaus bef\u00f6rdert in den Ausnahmezustand? Der kann schnell kommen. Schon mit schlechter Laune, deren Urgrund man noch nicht ergr\u00fcbelt hat, hat der Alltag weniger Leuchtkraft. 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