{"id":11306,"date":"2020-09-21T08:50:19","date_gmt":"2020-09-21T08:50:19","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=11306"},"modified":"2020-09-21T08:51:22","modified_gmt":"2020-09-21T08:51:22","slug":"11306","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=11306","title":{"rendered":"jenseits"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-11307\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200921_093231-300x298.jpg\" alt=\"\" width=\"358\" height=\"356\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200921_093231-300x298.jpg 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200921_093231-150x150.jpg 150w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200921_093231-768x763.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200921_093231.jpg 832w\" sizes=\"auto, (max-width: 358px) 100vw, 358px\" \/><\/p>\n<h5>Mein Interesse an Schriftz\u00fcgen, die auf T-Schirts herumgetragen werden, ist ungetr\u00fcbt. In Indien konzentrierte sich dieses Interesse dann langsam auf das Herausfinden der Tatsache, dass die meisten T-Shirt-Tr\u00e4gerInnen gar nicht wussten, was auf ihren Kleidungsst\u00fccken stand, und manchmal fand ich es auch ziemlich unangenehm, auf seltsame Begriffe hinzuweisen, die ich mit der Person nicht in Verbindung bringen konnte. Ein Bild herumtragen ist nochmal etwas anderes als ein Wort herumtragen. Nicht, dass das Bild sich nicht gleicherma\u00dfen einpr\u00e4gen k\u00f6nnte. Aber wenn ich z.B. auf einem schwarzen T-Shirt in gro\u00dfer, goldener Schrift das Wort &#8217;sarcasm&#8216;, also &#8218;Sarkasmus&#8216; durch den Bazaar trage, muss ich schon damit rechnen, dass Fragen auftauchen. Dachte ich. Aber nein, nicht nur keine Fragen, sondern allen gefiel nur das Schwarz mit dem Gold zusammen. Keine Spur von Sarkasmus. Doch gerade dort, im indischen Bazaar, tauchte die Sahne der T-Shirtbedruckung auf, der Satz der S\u00e4tze, die schwer zu toppende Aussage. Denn, dieses T-Shirt kam in allen Farben und war immer wieder ausverkauft, dieses Shirt also hatte vorne den Schriftzug &#8218;human being&#8216;, und hinten &#8218;being human&#8216; drauf. Manche hatten auch nur &#8218;being human&#8216; auf beiden Seiten. Aber doch tiefer war die einfache Umdrehung der Worte, von &#8218;human being&#8216;, Mensch, zu &#8218;being human&#8216; menschlich sein, und dazwischen der ganze Mensch, der es tr\u00e4gt, das T-Shirt. Unser Weg vom Menschsein zum Menschlichsein. Das ist doch als PfadfinderInnenhinweis nahezu unschlagbbar. Was w\u00fcrde ich, dachte ich damals \u00f6fters, mir denn auf mein T-Shirt drucken lassen, wenn ich mich mal f\u00fcr eine Zeile oder ein Wort entscheiden k\u00f6nnte, aber noch ist es nicht geschehen. Der Spruch von Rumi, den ich gestern in meinem Blogbeitrag stehen hatte, k\u00f6nnte sich schon wegen der K\u00fcrze eignen, aber dann, hallo!, was f\u00fcr ein Anspruch! Ja gerne doch treffen jenseits von richtig und falsch! Jenseits von richtig und falsch! Da klopfte er wohl schon an das Tor, wo die Liebenden ihre Meetings gestalten.\u00a0 Die, die es geschafft haben, von Mensch zu menschlich zu kommen und sich g\u00fcnstigerweise dort bis in die letzten Atemz\u00fcge aufhalten konnten. So, als g\u00e4be es da noch ein Zur\u00fcck. Man wei\u00df doch, dass die Liebe kein Zur\u00fcck hat. Wohin sollte sie denn gehen? Vielleicht k\u00f6nnte ich gar kein Wort \u00f6ffentlich sichtbar herumtragen, obwohl ich so viele Worte liebe. Aber eines allein!? Manchmal stimmt es , nur eines allein. Wenn man f\u00fcr etwas zu Geschehendes einen Titel sucht, qu\u00e4lt man sich oft kreativ durch die Vielfalt der M\u00f6glichkeiten. Und manchmal erscheint dann eines im unerwarteten Moment, und man wei\u00df: das ist es, auch wenn es immer nur so nah wie m\u00f6glich sein kann. Denn es betrifft ja immer etwas, das Wort. Immer ist es Aussage, und Aussage ist es in seiner niedertr\u00e4chtigsten und in seiner edelsten Form. Vorstellen k\u00f6nnte ich mir noch ein T-Shirt Kleid mit der Lieblingszeile eines dichterischen Geistes drauf, das einen immer wieder in eine\u00a0 wohltuende Verfassung transportiert. Zum Beispiel:<\/h5>\n<p>&#8218;Und pl\u00f6tzlich in diesem m\u00fchsamen Nirgends, pl\u00f6tzlich<br \/>\ndie uns\u00e4gliche Stelle, wo sich das reine Zuwenig<br \/>\nunbegreiflich verwandelt &#8211; umspringt<br \/>\nin jenes leere Zuviel.<br \/>\nWo die vielstellige Rechnung<br \/>\nzahlenlos aufgeht&#8216;.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nat\u00fcrlich, nur ich w\u00fcrde das (herum) tragen wollen, aber ich will es auch nicht. Die Zeilen h\u00e4ngen ja schon an meinem Schreibtisch herum, und nach wie vor wei\u00df ich leider nicht, wer sie geschrieben hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Interesse an Schriftz\u00fcgen, die auf T-Schirts herumgetragen werden, ist ungetr\u00fcbt. In Indien konzentrierte sich dieses Interesse dann langsam auf das Herausfinden der Tatsache, dass die meisten T-Shirt-Tr\u00e4gerInnen gar nicht wussten, was auf ihren Kleidungsst\u00fccken stand, und manchmal fand ich es auch ziemlich unangenehm, auf seltsame Begriffe hinzuweisen, die ich mit der Person nicht in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-11306","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11306","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11306"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11306\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11311,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11306\/revisions\/11311"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11306"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11306"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/yoganauten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11306"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}