{"id":11259,"date":"2020-09-15T08:29:18","date_gmt":"2020-09-15T08:29:18","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=11259"},"modified":"2020-09-18T08:05:12","modified_gmt":"2020-09-18T08:05:12","slug":"zentralrat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=11259","title":{"rendered":"Zentralrat"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-11260\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200915_093412-283x300.jpg\" alt=\"\" width=\"355\" height=\"376\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200915_093412-283x300.jpg 283w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200915_093412-768x813.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200915_093412-967x1024.jpg 967w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200915_093412.jpg 997w\" sizes=\"auto, (max-width: 355px) 100vw, 355px\" \/><\/p>\n<h5>Heute findet das 70-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um des Zentralrats der Juden statt, h\u00f6re ich in den Nachrichten. Gegr\u00fcndet 5 Jahre nach dem Ende des Krieges. Man geht gerne davon aus, dass man sich alles vorstellen kann. Aber das Meiste kann man sich nicht umfassend vorstellen, weil man es nicht selbst erlebt hat. Als ich einmal mit einer Nigerianerin \u00fcber Hitler sprach, bem\u00fchte sie sich zu sagen, dass ich oder meine Generation das alles ja nicht getan h\u00e4tten. Es war gar nicht die Schuld, die ich f\u00fchlte, sondern den Druck des Verstehenwollens, der nicht nachlie\u00df. Ich bin in Berlin geboren, mein Vater hatte j\u00fcdische Angestellte, und man erz\u00e4hlte sich, er habe sie mit Auftr\u00e4gen rechtzeitig au\u00dfer Landes geschickt. Von ihm (meinem Vater) kommt auch die Nachricht, wie gut der j\u00fcdische Geist mit dem deutschen Geist harmonisieren konnte. In der Dynamik lag eine Inspiration, eine interessante Andersartigkeit, die einem Respekt abrang gegen alle Widerst\u00e4nde, weil es die geistigen F\u00e4higkeiten waren, die man am Anderen erkennen und akzeptieren konnte. Zumindest fand das auch statt. Und es gibt auch ein Feindbild, das nicht aus der Ablehnung erschaffen wird, sondern aus dem Neid, etwas h\u00f6chst Beneidenswertes nicht haben zu k\u00f6nnen, ja, \u00fcberhaupt nicht zu verstehen, wie zum Beispiel den feinsinnigen, tiefen Humor, der \u00fcber sich selbst und die eigenen Schw\u00e4chen m\u00fchelos l\u00e4cheln kann, denn das Andere ist ja ebenfalls da. Die humorvolle Selbsterkenntnis haucht dem Lebendigen etwas Menschliches ein. Wann und wodurch entschwindet dieses Menschliche, und durch was und wann und warum wird es zuweilen sichtbar, sodass man es erkennt fast als etwas Verlorenes? Es ist ja nichts B\u00f6ses, ein erfolgreiches Business zu f\u00fchren, sondern es kommt darauf an, wer man im Laufe der Gesch\u00e4fte wird. Das gilt ja f\u00fcr alle und hat gar nicht so viel mit Schulbildung zu tun, wie man gerne denkt. Nat\u00fcrlich hilft die Bildung hinein in die Aufkl\u00e4rungsbahnen, aber ich habe das zutiefst Menschliche auch in einer W\u00fcste unter AnalphabetInnen gefunden, das war nicht wenig. Aber was einen halbwegs gebildeten Menschen dazu bringen kann, dass er sie glaubt, die Vernichtung eines ganzen Volkes sei etwas unumg\u00e4nglich Wichtiges f\u00fcr den Rest des Volkes, die das Gl\u00fcck einer arischen Herkunft vorzeigen konnten, das ist ein dunkles Geheimnis geblieben, wenn auch viel besprochen. Aber auch unter den Deutschen gab es die Anderen. Wem sollte man vorwerfen, nicht rechtzeitig aus dem Alptraum erwacht zu sein. So ein Ausma\u00df rechtzeitig ahnen? Ein Gro\u00dfteil meiner Freunde in der Welt waren und sind immer noch Juden, vielleicht w\u00e4hlte ich unbewusst die mir durch die Geschichte verborgene Erfahrung. Oder ich f\u00fchle diesselbe Liebe f\u00fcr ihre Pers\u00f6nlichkeiten , mit reichlich Humor ausgestattet, wie mein Vater, der die Zusammenarbeit so bereichernd fand. Ich fand es immer erstaunlich, dass j\u00fcdische Menschen sich wieder in Deutschland zuhause f\u00fchlen konnten und k\u00f6nnen. Vielleicht war unter den deutschen \u00dcberlebenden der Schrecken \u00fcber die Grausamkeiten dann so gro\u00df, und das Entsetzen traf tief genug in das eigene Mark, zumindest bei einer kritischen Masse, sodass aus der Asche zwar kein Phoenix mehr auffliegen konnte, aber immerhin ein Wille zu anderem Menschsein. Das reichte auf jeden Fall zu einer stabilen Wirtschaftslage und einer halbwegs funktionierenden Demokratie. Und dann darf man auch heute, am 70-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um des Zentralrats der Juden, nicht vergessen, dass schon wieder Hakenkreuzfahnen auf diesen Stra\u00dfen geschwenkt werden. Auch die Schattenseite des Ungewissen wird uns weiterhin begleiten.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute findet das 70-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um des Zentralrats der Juden statt, h\u00f6re ich in den Nachrichten. Gegr\u00fcndet 5 Jahre nach dem Ende des Krieges. Man geht gerne davon aus, dass man sich alles vorstellen kann. Aber das Meiste kann man sich nicht umfassend vorstellen, weil man es nicht selbst erlebt hat. 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