{"id":10877,"date":"2020-07-27T08:25:09","date_gmt":"2020-07-27T08:25:09","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=10877"},"modified":"2020-07-27T11:06:46","modified_gmt":"2020-07-27T11:06:46","slug":"bei-piraten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=10877","title":{"rendered":"Bei Piraten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10878\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/20200727_091539-288x300.jpg\" alt=\"\" width=\"288\" height=\"300\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10879\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG-20200726-WA0005-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG-20200726-WA0005-225x300.jpg 225w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG-20200726-WA0005-768x1024.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG-20200726-WA0005.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n<h5>Es waren nat\u00fcrlich nicht einfach Piraten, die mit gef\u00e4hrlichen Ideen auf Weltmeeren herumtuckern und mit schwarzen Augenbinden anderen Schiffen ihre Waren abtrotzen, nein. Es waren Raum- und Zeit Piraten, die durch technische und kreative Gewitztheit neue Welten erschaffen, die zuvor (danke Gene Roddenberry) noch nie ein Mensch gesehen hat. Denn in jeder ihrer Installationen erfinden sie neue Zusammensetzungen und legen neues und manchmal auch \u00f6rtlich zu findendes Material z.B. auf Spiegelscheiben, die dann wiederum Reflektionen auf W\u00e4nde werfen und auch durch andere Gegenst\u00e4nde und Tiertotenkopfskulpturen ersetzt werden k\u00f6nnen. Das alles fand statt in einem sonntagsbet\u00e4ubten Dorf irgendwo im Norden, d a wo sich f\u00fcr uns, vom Bergland kommend, das Land immer weiter als Flachland ausstreckt in ein tiefes und dichtes Gr\u00fcn. Fand also dort statt inmitten des stillen Dorfes in einem sonst leeren Raum, in dem nun ihre Zauberwerke rotierten, von denen man oben rechts \u00fcber das Photo von Henrike Robert etwas sehen kann. W\u00e4hrend wir, die wir uns gemeinsam aufgemacht hatten zu diesem Kreativ-Trio, auf der l\u00e4ngeren Fahrt Sonne und Wolken in heller Abwechslung genie\u00dfen konnten, war es den Raum-und Zeitpiraten zu hell, denn vieles von dem, was durch ihre Werke zum Strahlen kommt, war im Sonnenlicht wenig zu sehen, und es gab kaum Schatten. Daf\u00fcr gab es T\u00f6ne und es gab eine Maschine, die mir besonders gefiel. Man kann dort, vorz\u00fcglich auf dem Boden knieend, in einen auf schmaler Seite aufgerichteten Laptop hineinsprechen, bzw. in eine dort installierte App., die die Besonderheit hat, Worte nicht genau zu verstehen. Man kann schon sagen: so gut wie gar nicht, sodass auf der Wand, wo man die hineinget\u00f6nte Sprache sich entfalten sieht, ein neues Sprachwerk entsteht mit surrealen, durchaus poetischen Komponenten. Man kann nun bei so einer technisch durchget\u00fcftelten Arbeit, die eine gewisse Begeisterung im Auge zu aktivieren vermag, nicht erwarten, dass sich in der schlummernden Hamminkeln Gemeinde die Leiber erheben und sich aufmachen zu den begabten Piraten- T\u00fcftlern, aber man denkt ja immer, dass sich ein paar mehr aufmachen k\u00f6nnten auf die abenteuerliche Reise. Andrerseits war es gerade dadurch m\u00f6glich, dass wir einen erfreulichen Kreis bilden konnten und ein bisschen mehr voneinander erfahren. Einer der K\u00fcnstler, Tobias, hatte eine Schriftt\u00e4towierung auf seinem Arm, und das interessiert mich auch immer besonders, was Menschen so auf ihre Haut einritzen lassen an Worten, die vermutlich bis zum Lebensende den nun besprochenen Arm bewohnen. Hier war es nun der Satz : &#8222;Tanz, sonst sind wir verloren&#8220;, den eine Zigeunerin, erz\u00e4hlte er, ihm eingraviert hatte.(?) Ein Satz von Pina Bausch, den sie an ihre Truppe richtete, mit &#8222;Tanzt!, sonst sind wir verloren!&#8220;, ein sch\u00f6ner, aufw\u00fchlender Satz, der einen guten Raum hatte da auf dem Arm eines Raum-Zeit Piraten. W\u00e4hrend ihres Aufenthaltes in Hamminkeln wohnen\u00a0 sie, die Piraten, in einem Schloss. Dort trafen wir auch eine wache Piratenfrau, deren Kinder drau\u00dfen im Schlosshof spielten. Wir stiegen dann eine sehr alte Steintreppe hinauf, auf denen lange Plastikstreifen klebten, mit abwechselnd einem Mann und einer Frau darauf, die Abstand voneinander halten. Innen ging es gleich wieder hinunter auf einer gleichfalls sehr alten, dunklen Holztreppe, wo sich eine Pforte \u00f6ffnete in einen paradiesischen Garten. Ein Brombeerstrauch war angef\u00fcllt mit gro\u00dfen, schwarzen und s\u00fc\u00dfen Beeren, es gab duftenden Lavendel, Kapuzinerkresse und hohe, wehende Gr\u00e4ser und ein vorbeiziehendes Gew\u00e4sser, vorstellbar als einstiger Burggraben. Wer&#8217;s nicht glaubt, kann hingehen. Wir wissen ja alle, dass K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen eigentlich in die\u00a0 Schl\u00f6sser des Planeten geh\u00f6ren.\u00a0 Sie m\u00fcssen aber raus wie alle Anderen, obwohl sie die Hamminkelns der Welt auch nicht beliebig oder umsonst beleben, nein. Von jedem Hamminkeln geht ein Strahl aus, auf dem Raum-Zeit Piraten sich vorw\u00e4rtbewegen k\u00f6nnen, und damit g\u00fcnstigerweise auch genug ( dringend bedingtes\u00a0 oder unbedingt dringendes Grundeinkommen) da ist f\u00fcr ihre Freunde und Kinder, und so lange sie alle da sind, also wir alle da sind, k\u00f6nnen wir tanzen und nicht verloren gehen. Pina Bausch w\u00e4re heute achzig geworden. Ist das nicht ein Grund zum Feiern wegen seines trefflichen Zusammenhangs.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es waren nat\u00fcrlich nicht einfach Piraten, die mit gef\u00e4hrlichen Ideen auf Weltmeeren herumtuckern und mit schwarzen Augenbinden anderen Schiffen ihre Waren abtrotzen, nein. Es waren Raum- und Zeit Piraten, die durch technische und kreative Gewitztheit neue Welten erschaffen, die zuvor (danke Gene Roddenberry) noch nie ein Mensch gesehen hat. 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