{"id":10768,"date":"2020-07-11T08:22:43","date_gmt":"2020-07-11T08:22:43","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=10768"},"modified":"2020-07-11T08:23:37","modified_gmt":"2020-07-11T08:23:37","slug":"klaeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=10768","title":{"rendered":"kl\u00e4ren"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-10769\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/20200709_174807-283x300.jpg\" alt=\"\" width=\"334\" height=\"354\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/20200709_174807-283x300.jpg 283w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/20200709_174807-768x813.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/20200709_174807.jpg 870w\" sizes=\"auto, (max-width: 334px) 100vw, 334px\" \/><\/p>\n<h5>Gestern waren wir eingeladen zu einer Feier, an der ungef\u00e4hr 30 Menschen teilnahmen. Niemand trug Maske, keiner achtete auf Abstand, das Wort &#8218;Corona&#8216; fiel zumindest in meiner Erfahrung nicht. Es war genau wie &#8218;vorher&#8216;, zumindest t\u00e4uschend \u00e4hnlich, nur hatten sich nat\u00fcrlich alle automatisch irgendwie ver\u00e4ndert, aber das kann man ja meistens nicht sehen, und wieweit k\u00f6rperliche Ver\u00e4nderungen auf das Innere schlie\u00dfen lassen. Man wei\u00df selten, warum und in welcher Verfassung Menschen an etwas teilnehmen und hat immer nur den momentanen Augenblick zur Verf\u00fcgung, in dem man sich selbst aufh\u00e4lt und in dem man sich genauso verh\u00e4lt, wie man im Moment gestrickt ist. Meistens erz\u00e4hlen sich Menschen, die irgendwo zusammenkommen, etwas, und mir scheint, als w\u00fcrde es den meisten nicht um die Qualit\u00e4t des Gespr\u00e4ches gehen bei solchen Anl\u00e4ssen, sondern um das Zusammensein an sich und was jeweils daraus entstehen kann. Auch in einem \u00f6ffentlichen Stadtgarten gruppiert sich auf flie\u00dfende Weise das N\u00e4hergesinnte zusammen und steht mit anderen Gruppierungen herum. Es ist meist ziemlich laut, weil die meisten reden. Wo viele Menschen zusammen herumsitzen und &#8211; stehen, rauscht das Wort so vor sich hin, man hat sich ja nicht daf\u00fcr getroffen. Ist es eine pers\u00f6nliche Einladung, taucht die Frage, wozu man sich getroffen hat, nicht auf. Man trifft auf den Freundeskreis der Einladenden und bringt die Offenheit und die Bereitschaft des Erlebens mit. Ich bemerkte, dass es nicht immer angebracht ist, nach den M\u00f6glichkeiten Ausschau zu halten, wo die Offenheit sich etwas vertiefen kann. Eine Frau, die ich seit vielen Jahren aus den Augen und dem Sinn verloren hatte, ber\u00fchrte mich mit der Erz\u00e4hlung ihrer Scheidung, bei der der Scheidungsbeamte sie emp\u00f6rte mit der Aussage, die Ehe sei ja nun gescheitert. Wie kann man die jahrelange Bem\u00fchung um einen Menschen und das Miteinander ein Scheitern nennen. Worte k\u00f6nnen so gleichg\u00fcltig sein und so bedeutsam im Kontext eigener Wahrnehmungen. Ein Mann erz\u00e4hlte mir fast eine Stunde lang von Ereignissen, von denen er glaubte, an ihnen teilgenommen zu haben, aber er kam in keinem vor, deswegen war die Geschichte endlos, weil er nirgends vorkam. Im allt\u00e4glichen Gebrauch vergisst man das Wunder der Sprache, und dass wir so leicht den Eindruck hinterlassen k\u00f6nnen, dass wir verstehen, was jemand sagt, oder denken, jemand hat verstanden, was wir sagen. Nat\u00fcrlich ist es sch\u00f6n, wenn man Worte findet f\u00fcr das, was man wirklich sagen m\u00f6chte, aber man muss sich schon um sie bem\u00fchen, damit man sie auch findet. Die, die einem was sagen, und die, die man nicht mehr sagen m\u00f6chte, und die, die man noch lernen m\u00f6chte und dem Wortschatz hinzuf\u00fcgen. In jedem Lehrbereich gibt es Worte, mit denen Au\u00dfenstehende nicht in Kontakt kommen, obwohl ich mich gerade erinnere, wie erstaunt ich mal vor vielen Jahren war, als ich h\u00f6rte, dass zerriebene Schweineborsten das Knusprige auf Br\u00f6tchen sein k\u00f6nnen, so einen Kontext kann man nicht selber herstellen. Auch Schweigen ist in Gesellschaft nicht angebracht, obwohl ich mir vorstellen k\u00f6nnte, dass viele Menschen sich mit ihrer Wortlosigkeit in gesellschaftlichen Raunen der Worte wohlf\u00fchlen. Oder es gibt ein Programm, das alle in ein nat\u00fcrliches Miteinander f\u00fchrt, Musik oder Tanz oder Alkohol, was auch immer uns Menschen anspricht.Ich fasse ja mein eigenes Thema damit noch nicht und wandere selbst im Labyrinth des sprachlosen Raumes herum. Einmal, als ich entspannt auf einem Stuhl sa\u00df, konnte ich nicht mehr nach links schauen, weil dort drei Smartphone-Kameras auf die Szene gerichtet waren. Ich hatte kein Interesse daran, mitbelichtet zu werden und kommunizierte es der Frau, die meinte, ok, sie w\u00fcrde uns verschonen, was ich als Wort krass, aber angebracht fand. Ja eben, was war mit mir los, das muss ich noch kl\u00e4ren.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern waren wir eingeladen zu einer Feier, an der ungef\u00e4hr 30 Menschen teilnahmen. Niemand trug Maske, keiner achtete auf Abstand, das Wort &#8218;Corona&#8216; fiel zumindest in meiner Erfahrung nicht. 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