{"id":10765,"date":"2020-07-10T08:39:23","date_gmt":"2020-07-10T08:39:23","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=10765"},"modified":"2020-07-10T08:39:23","modified_gmt":"2020-07-10T08:39:23","slug":"fremd-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=10765","title":{"rendered":"fremd"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-10670\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200628_172353-80x300.png\" alt=\"\" width=\"167\" height=\"626\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-10671\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200628_172316-80x300.png\" alt=\"\" width=\"167\" height=\"626\" \/><\/p>\n<h5>Vieles ist fremd, und f\u00fcr jeden ist etwas anderes fremd oder fremdartig. Die Art, wie die Anderen sind, ihre Burkas, ihre Pluderhosen, ihre Filzh\u00fcte. Wie sie ihre Nudeln in den Mund schieben oder wie wir alle lange genug denken, alle seien irgendwie so wie wir selbst. Sind doch alles Menschen, wie ein Gedicht von Benn beginnt, der in einem Cafe sitzt und in sich hineinmurmelt: &#8222;Das sind doch Menschen, die haben doch auch Gef\u00fchle&#8220;&#8230; undsoweiter&#8230; Jeder kennt das, sich mal tierisch aufzuregen \u00fcber das, was man nicht fassen kann, was der eigenen Meinung nach s o nicht sein sollte oder niemals sein d\u00fcrfte. Eine heitere Anekdote aus der politischen Jetztzeit ist zum Beispiel, dass vor dem Trump Tower in New York auf der Stra\u00dfe in riesigen Buchstaben der Spruch &#8222;Black lives matter&#8220; angebracht wurde, offiziell genehmigt von der Stadtverwaltung. Die hat auch zwei Leute festgenommen, weil sie mit schwarzer Farbe antanzten, um die Schrift zu \u00fcbermalen, die in grellem Gelb ist. Das ist jetzt was, \u00fcber das Trump sich ma\u00dflos aufregt. Jede\/r regt sich \u00fcber was anderes auf, es kommt auch hier wie bei allem auf die Wahrnehmung an und den Blick, der sich zeigt, wenn man etwas tiefer und ernsthafter mit den Dingen umgeht und wissen m\u00f6chte, wie sie funktionieren und wie sie f\u00fcr einen selbst sind. Wenn unten im Dorf ein schwarzh\u00e4utiger Mensch heruml\u00e4uft, denke ich dann &#8218;was macht denn der hier&#8216;, obwohl er vielleicht in dritter Generation und nach durchlebten Stresssituationen kl\u00fcger und reifer geworden ist als so mancher Einheimische, der ein schlechtes Deutsch spricht. Man muss sich mal die innere Spannweite vorstellen, die es braucht, um erstmal alles Lebendige zuzulassen, was ja nicht bedeutet, dass ich alles Lebendige in mein Haus lassen muss. Aber ich denke, dass dieses innere Zugest\u00e4ndnis an die Daseinsberechtigung der Wesen wichtig ist, sonst kann man mit ihnen, den Anderen, schlecht umgehen, denn sie sind alle da. Die M\u00f6rder, die P\u00e4dophilen, die Vergewaltiger genauso wie die Philosophen, die Poeten, die Mitarbeiter von Amnesty International. Diese S\u00e4tze brauchen alle ein Undsoweiter, bis man merkt, dass die Kategorien auch nichts n\u00fctzen, denn das Menschsein geht weit \u00fcber sie hinaus. Ganz zu schweigen von den Religionen, wo der, der einen bestimmten Gott abg\u00f6ttisch liebt, die Anderen, also die als wertlos Deklarierten, beiseite schaffen kann, darf, muss. Als ich mich in Indien immer mal wieder in Situationen vorfand, wo ich die Muslime verteidigen musste vor einem Brahmanen, also der h\u00f6chsten Hindukaste angeh\u00f6rend, der meinte, eine Bombe auf Pakistan w\u00fcrde das Problem erleichtern, da musste ich dann zuweilen dazuf\u00fcgen, dass ich nicht meinte, ich w\u00fcrde gerne zusammen eine Ziege zerlegen f\u00fcr den Festtag und das dann miteinander verspeisen. Trotzdem esse ich leckeren Kuchen mit Muslimen und habe Freunde, die ich sehr sch\u00e4tze und nicht anders betrachte als meine anderen Freunde. Vor allem aber f\u00e4llt doch immer wieder auf, wie fremd wir uns selber sind. Als Fremdlinge f\u00fcr uns selbst und die Anderen durchwandern wir die Jahre, und ganz Wenige von denen, denen wir begegnen, wissen ein bisschen mehr von dem, der oder die wir wirklich sind. Und auch vom Anderen k\u00f6nnen wir nur erfahren, was er oder sie selber von sich wei\u00df, und was jemand gewillt ist, uns mitzuteilen. Und dann liegt ja \u00fcber uns auch noch der Schleier der Fremdheit. Und das alles zieht sehr schnell vor\u00fcber und l\u00e4sst oft f\u00fcr das Wesentliche so wenig Zeit.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vieles ist fremd, und f\u00fcr jeden ist etwas anderes fremd oder fremdartig. Die Art, wie die Anderen sind, ihre Burkas, ihre Pluderhosen, ihre Filzh\u00fcte. 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