{"id":10621,"date":"2020-06-24T08:29:06","date_gmt":"2020-06-24T08:29:06","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=10621"},"modified":"2020-06-24T08:29:06","modified_gmt":"2020-06-24T08:29:06","slug":"entfachen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=10621","title":{"rendered":"entfachen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-10622\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200623_152913-250x300.jpg\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"351\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200623_152913-250x300.jpg 250w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200623_152913-768x920.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200623_152913-855x1024.jpg 855w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200623_152913.jpg 1075w\" sizes=\"auto, (max-width: 293px) 100vw, 293px\" \/><\/p>\n<h5>Manchmal h\u00f6re ich abends gegen acht Uhr auf dem Smartphone die Nachrichten auf WDR5 und habe dadurch mitbekommen, dass es hier anschlie\u00dfend an einigen Wochentagen Weltliteratur zu h\u00f6ren gibt, zur Zeit &#8218;Madame Bovary&#8216; von Gustave Flaubert. Ich h\u00f6re genauer hin, ich staune. Diese v\u00f6llig andere Zeit spricht einen an und wird derart lebendig gemacht durch die Kunst des Schreibers, dass man anf\u00e4ngt, die Pferdehufe auf dem Pflaster zu h\u00f6ren. Manches kommt einem grotesk und gruselig vor. Eine gelebte Hoffnungslosigkeit str\u00f6mt aus den Gestalten, die gnadenlos beschrieben werden, so, wie sie eben sind. Wenn man einmal einen guten Grundriss menschlicher Verhaltensweisen braucht, dann ist es ganz sicherlich f\u00f6rderlich, die meisterhaften Beschreiber menschlicher Psyche zu lesen, auch wenn man manchmal f\u00f6rmlich steckenbleibt im Grauen. Zumindest kann man es nachsp\u00fcren, wenn so ein Menschenkenner oder Memschenausdenker wie Flaubert einen ahnen l\u00e4sst, wohin das Ganze f\u00fchren muss, notgedrungenerweise. Und dennoch: ob Madame Bovary nun eine Frauenphantasie von dem Schreiber ist oder nicht, ebenso wie Penthesilea oder Medea oder all diejenigen, die ihren Seinsbeweis an die Opferschalen getragen haben, das wei\u00df man nicht und ja, sie wurden durch ihre getriebenen Handlungen oft wie verwundetes Wild oder bet\u00e4ubten ihren Schmerz mit einer Dosis Rattengift, das ist nicht sch\u00f6n, das ist nicht klug, aber es z\u00e4hlt dennoch zu den Tatsachen, die sind. Und da das Wissen in solchen Schriften dazu f\u00fchren kann, dass sich die Krinoline in zerrissene Bluejeans morphen l\u00e4sst, dann hat man stets einen gro\u00dfen Batzen Menschheit in sich und vor sich, deren bisher bekannte Anlagen m\u00fchelos \u00fcbertragbar sind auf die anderen Zeiten, mit kleinen Varianten. Und selbst in entferntesten W\u00fcstenregionen oder Urwaldgebieten oder Stra\u00dfenschluchten kann nun jede und jeder davon Kunde erhalten, wie wir alle sind. Und wer w\u00fcrde nicht gerne die Ketten sprengen, die einen davon abhalten, dem eigenen Pfad zu folgen und eventuell sogar dabei zu sein, wenn BewohnerInnen des Randes in die Ruhe des Auges geschwemmt werden , und dort zarte Halme ungest\u00f6rt im Sommerwind wehen in der gro\u00dfen lebendigen Schweigsamkeit, und die Sphinx noch immer Rede und Antwort steht auf die eine, die einzige Frage. Und wenn man merkt, dass man nicht geeignet ist f\u00fcr den antiken (apr\u00e8s modernen) Weg, dann doch auch Flamme sein, das Laub vom Fl\u00fcgel entfacht, wer soll&#8217;s verhindern.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal h\u00f6re ich abends gegen acht Uhr auf dem Smartphone die Nachrichten auf WDR5 und habe dadurch mitbekommen, dass es hier anschlie\u00dfend an einigen Wochentagen Weltliteratur zu h\u00f6ren gibt, zur Zeit &#8218;Madame Bovary&#8216; von Gustave Flaubert. Ich h\u00f6re genauer hin, ich staune. 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