{"id":10480,"date":"2020-06-04T08:33:49","date_gmt":"2020-06-04T08:33:49","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=10480"},"modified":"2020-06-04T08:37:51","modified_gmt":"2020-06-04T08:37:51","slug":"lesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yoganauten.de\/?p=10480","title":{"rendered":"lesen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-10484\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200601_175523-280x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200601_175523-280x300.jpg 280w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200601_175523-768x822.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200601_175523.jpg 798w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-10482\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200602_095433-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"375\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200602_095433-300x168.jpg 300w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200602_095433-768x430.jpg 768w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200602_095433-1024x573.jpg 1024w, https:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20200602_095433.jpg 1897w\" sizes=\"auto, (max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><\/p>\n<h5>Als die Coronafahrt in die G\u00e4nge kam, dachte ich, ich w\u00fcrde ganz viel lesen, und bald lagen um mich herum die Juwelen meiner Klein-aber-fein-Bibliothek, die ich endlich mal, oder zu Ende, oder noch einmal lesen wollte. Schon das Herumbl\u00e4ttern und Mitkontemplieren auf den vielschichtigen Ebenen des Denkens lie\u00df keinen Zweifel zur\u00fcck, dass es \u00fcberall um des Urr\u00e4tsels Durchdringung ging, begleitet vom Geist der Autoren und Autorinnen. Das ist ja die Freude und der sich vergr\u00f6\u00dfernde Reichtum des Bewusstseins, dass wir uns erholen und erfrischen k\u00f6nnen an den Denkweisen und dem Blick der Anderen. Inzwischen war mir dann aus dem Freundeskreis ein Buch von Bachtyar Ali ans Herz gelegt worden, und ich musste (leider) auf eine Amazon-Bestellung zugreifen, damit es zu mir kommen konnte. Ab und zu las ich dann ein paar Seiten darin und erfreute mich an der Sprache und den Geschichten, w\u00e4hrend drau\u00dfen das Virus an den Grundfesten der Systeme r\u00fcttelte. Ich lebte ja schon in einem Garten, lebe mit Freunden in\u00a0 individuellen Verbundenheiten und der Bem\u00fchung, dem ganzen sch\u00f6pferischen Vorgang mit Aufmerksamkeit zu begegnen, und die Samen auch mal auf die Waagschale zu\u00a0 legen, um zu lernen, was Ma\u00df und was ma\u00dflos ist. Und welche Wege zum Angemessenen f\u00fchren, w\u00e4hrend an anderen Orten der Welt h\u00e4\u00dfliche Dinge vor sich gehen, wer wollte es leugnen. Da \u00f6ffne ich also gestern zum Weiterlesen dieses Buch genau an der Stelle, an der ich diese wunderbaren S\u00e4tze fand, die einerseits den Tod des schwarzen Mannes nicht minder schrecklich machten, aber dennoch eine weitere Wahrnehmungsm\u00f6glichkeit dazuf\u00fcgten, einen Blick, eine Einstellung, an der man sich laben konnte. Deswegen m\u00f6chte ich Bachtyar Ali jetzt die Worte sprechen lassen, die mich selbst so erfreut haben:<\/h5>\n<h4>&#8218;Ich m\u00f6chte dir etwas Wichtiges sagen: An die Gerechtigkeit habe ich nie geglaubt. Keine Gerechtigkeit, keine Rache auf dieser Welt kann je den Schmerz ausl\u00f6schen, den ein unschuldiges Opfer erlitten hat. Ich glaube an etwas anderes: Ich glaube an Sch\u00f6nheit. Der Mensch kann nicht gerecht sein, aber er kann Sch\u00f6nheit erschaffen. Die gr\u00f6\u00dfte Rache an den Ungerechtigkeiten der Welt ist, dass der Mensch ein Poet wird, Musik spielt, Gem\u00e4lde malt, vor denen wir staunend stehen bleiben. Ein Dummkopf, wer darauf setzt, dass die Politiker ihm Recht verschaffen. Diese Dummk\u00f6pfe haben die Welt zerst\u00f6rt&#8217;&#8230;&#8217;Weil der Mensch ein schwieriges, kompliziertes Wesen ist&#8216;, sagte er, &#8218;gibt es nichts Leichtes auf diesem Planeten. Nur Torheit ist leicht, nur Blutvergie\u00dfen und Herzlosigkeit sind einfach, alles andere ist schwer.&#8216; (Aus: Die Stadt der wei\u00dfen Musiker).<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die Coronafahrt in die G\u00e4nge kam, dachte ich, ich w\u00fcrde ganz viel lesen, und bald lagen um mich herum die Juwelen meiner Klein-aber-fein-Bibliothek, die ich endlich mal, oder zu Ende, oder noch einmal lesen wollte. 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