{"id":9494,"date":"2020-01-18T04:38:24","date_gmt":"2020-01-18T04:38:24","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=9494"},"modified":"2020-01-23T11:03:57","modified_gmt":"2020-01-23T11:03:57","slug":"lali","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=9494","title":{"rendered":"Lali"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-9495\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20200118_081926-294x300.png\" alt=\"\" width=\"355\" height=\"363\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20200118_081926-294x300.png 294w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20200118_081926-768x784.png 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20200118_081926-1003x1024.png 1003w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20200118_081926.png 1035w\" sizes=\"auto, (max-width: 355px) 100vw, 355px\" \/><\/p>\n<h5>Gestern kam Lali zu mir, direkt von der Schule, wo sie eine der letzten Pr\u00fcfungen ablegt f\u00fcr einen Regierungs-Job als Lehrerin, der gut bezahlt ist und so ziemlich alle Sorgen f\u00fcr sie und ihre drei Kinder beenden wird. Ich kenne sie, seit sie vier Jahre alt ist und bin die einzige, die sie noch &#8218;Lali&#8216; nennt, ein liebevoller Name f\u00fcr M\u00e4dchen. Sie wurde in einem der wenigen Tempel geboren, in dem Fremde keinen Zutritt haben. Es soll mal durch sie einen Diebstahl gegeben haben, irgend etwas Kostbares, womit sie erwischt wurden. Ihr Vater war ein gutherziger, stiller Mann, der ihre Anwesenheit nach drei S\u00f6hnen willkommen hei\u00dfen konnte und sie auch in allem, was sie wollte, unterst\u00fctzt hat. Im Tempel verdiente er sich durch Wassertragen etwas extra Geld dazu. Es gab zu seiner Zeit noch keine Maschinen, und er zog das Wasser an Seilen aus einem Brunnen und trug es dann auf einer Holzstange, links und rechts in einem Kanister mit je 15 Kilo, zu den Priestern, wo er die gro\u00dfen Wasserbeh\u00e4lter aus Ton f\u00fcllte. Als ich ihn kannte, sa\u00df er in seinem inzwischen er\u00f6ffneten Pilgerrestaurant immer auf einer Bank wie ein Vogel und schwieg. Als er starb, war Lalis Familiengl\u00fcck beendet. Obwohl ihre Mutter keinerlei Sinn darin sah, ein M\u00e4dchen auszubilden, setzte sie ihre Ausbildung bis zum College durch. Dann verkuppelte ihre Mutter sie trotz intensiver Warnungen \u00fcber die Familie ihres zuk\u00fcnftigen Mannes eben mit diesem Ehemann, von dem sie sich sp\u00e4ter, und leider auch zu sp\u00e4t, getrennt hat, weil ihre Kinder nicht mehr von einem Ferienaufenthalt nach\u00a0 Hause gehen wollten, &#8218;weil der Papa immer nackt auf ihnen lag&#8216;. Nach der Trennung kam er irgendwann mal wieder und bat um Vergebung, aber sie wollte gar nicht vergeben. Etwas sp\u00e4ter hat er sich von einer Br\u00fccke heruntergest\u00fcrzt, von da an bedauerte man sie als Witwe. Gestern erz\u00e4hlte sie mir, dass selbst ihre Mutter und ihr Junkie-Bruder, der seit drei\u00dfig Jahren auf Heroin ist und au\u00dferdem keinen Finger r\u00fchrt, ihn immer wieder zu verstehen\u00a0 geben, dass sie eigentlich im Haus ihres Mannes leben sollte, von dem sie geflohen ist. Eine Witwe in Indien zu sein bedeutet, f\u00fcr Andere einen Schatten darzustellen, dem man aus dem Weg geht. Sie ist schon seit Jahren die verl\u00e4sslichste Kraft in der F\u00fchrung des Restaurants, aber es gibt nie auch nur die geringste Achtung daf\u00fcr, sondern im Gegenteil erz\u00e4hlt ihre Mutter den Pilgern manchmal, auf ihre Tochter deutend, dass sie Witwe sei und halt durchgef\u00fctetrt werden muss. Ich war dann richtig erleichtert, als Lali in Tr\u00e4nen ausbrach, ein Schluchzen aus der tiefsten Tiefe dieser trostlosen Qual. Zur Zeit arbeitet sie im Restaurant von 7 bis 10 Uhr, geht dann in die Schule, in der sie 4 Monate Praxis als zuk\u00fcnftige Lehrerin absolvieren muss, geht dann, auch gestern nach unserem Kaffee, zur\u00fcck in das Restaurant und arbeitet dort bis Mitternacht. Dann noch ein Examen, dann endlich der Beruf, dann ein gr\u00f6\u00dferes Spielfeld, dann langsam ein menschlicheres Umfeld mit ihren T\u00f6chtern und mit ihrem Sohn, mit denen sie auf gute und liebevolle Weise verbunden ist. Zum Gl\u00fcck ein Ausweg aus dem Alptraum. Weg von der Mutter, und weg von den Br\u00fcdern. Nein, die G\u00f6tter bringen keine Menschlichkeit in diese Vorg\u00e4nge hinein und verhindern eher ihr Erscheinen. Das muss schon vom Menschen selbst kommen, dieses nicht nur Mensch sein, sondern auch menschlich. Wer soll es uns beibringen (als wir uns selbst).<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern kam Lali zu mir, direkt von der Schule, wo sie eine der letzten Pr\u00fcfungen ablegt f\u00fcr einen Regierungs-Job als Lehrerin, der gut bezahlt ist und so ziemlich alle Sorgen f\u00fcr sie und ihre drei Kinder beenden wird. 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