{"id":7598,"date":"2019-04-27T10:45:39","date_gmt":"2019-04-27T10:45:39","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=7598"},"modified":"2019-07-30T15:19:37","modified_gmt":"2019-07-30T15:19:37","slug":"verloren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=7598","title":{"rendered":"verloren (?)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7599\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG-20190424-WA00001-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"471\" height=\"353\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG-20190424-WA00001-300x225.jpg 300w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG-20190424-WA00001-768x576.jpg 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG-20190424-WA00001-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG-20190424-WA00001.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 471px) 100vw, 471px\" \/><\/p>\n<h5>Aus dem Freundeskreis hat jemand unterwegs dieses Bild in Wuppertal gemacht. Dass es entdeckt wurde, macht die k\u00fchle Sch\u00f6nheit des Bildes aus mit dem Satz &#8222;Es ist noch nicht alles verloren&#8220;. Man m\u00f6chte schon gerne wissen, wie er da hingekommen ist und was er wem so bedeutsam vorkam, dass er einen ordentlichen Platz bekommen hat. Ich bitte um die Erlaubnis, das Bild heute in meinem Blog zu ver\u00f6ffentlichen, auch weil es mir wie ein Satz vorkommt, \u00fcber den ich noch nachdenken k\u00f6nnte, wen es sich ergibt. Und es ergab sich also, dass just in der &#8222;Zeit&#8220;-Ausgabe dieser Woche ein Interview erschienen ist mit Peter Handke ( das lesenswert ist), und in dem derselbe Satz vorkam wie in dem Bild. Handkes Satz lautet &#8222;Vielleicht ist ja auch noch nicht alles verloren&#8220;, da er in seinem Kontext meint, nach dem Ersten Weltkrieg sei eigentlich der Untergang schon besiegelt gewesen und in der Geschichte stecke der Teufel, was nun hier nicht weiter vertieft werden muss. Jeder kommt aus einer anderen Ecke des Labyrinthes in seine oder ihre Oase. Auf dem Weg kann man sich schon mal fragen, warum einem, oder muss ich &#8222;mir&#8220; sagen, dieser Satz auch ziemlich tr\u00fcbsinnig vorkommt. Ja, ich kenne durchaus Momente, wo ich denke, sehr viel ging und geht verloren, das kann die Handschrift und die Pr\u00e4senz von Notizb\u00fcchern sein, oder eine Ebene der Menschlichkeit, die man f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich hielt. \u00dcberhaupt: das Selbstverst\u00e4ndliche, das so viel Wirrnis hervorrufen kann, weil das Selbst (auch noch nicht f\u00fcr sich selbst klar definiert) noch gar nicht genug erfasst ist als ein Ort, von dem aus man solch einen Verlust\u00a0 \u00fcberhaupt reflektieren kann. Auf was genau zielt die Hoffnung, dass noch nicht alles verloren ist. &#8222;Alles&#8220; kann in letzter Konsequenz nur man selbst sein, vielleicht ein Gef\u00fchl des Verlorenseins im Teufelskreis der Geschichte, pers\u00f6nlich oder politisch, der man sich ausgeliefert f\u00fchlt. In den ziemlich klugen Beobachtungen indischer Weiser, die, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, lange Jahre herumsa\u00dfen und hineinschauten in das \u00e4u\u00dfere und innere Wesen der Dinge, in diesen forschenden Beobachtungen kamen sie zu der Erkenntnis, dass der Ablauf der Zeit nur kreisf\u00f6rmig sein kann. Tats\u00e4chlich wird auch hier diese Zeit, in der wir gerade leben, als eine Zeit gro\u00dfen Verlustes gesehen, eine tr\u00fcgerische Zeit, in der einem nichts \u00fcbrig bleibt, als sich auf das eigene Auge zu verlassen und es zu fragen, was es wirklich sieht, und worauf es ihm ankommt, dem Auge. Denn es geht zwar einerseits um die Akzeptanz so manchen Verlustes, ohne den man gut leben k\u00f6nnte, aber andrerseits geht es auch darum, die Zeit gut zu nutzen. Ich denke, dass man vor allem in den &#8222;fetten&#8220; Jahren, \u00fcber deren Ende nun viel posaunt wird, sich mit den Dingen besch\u00e4ftigen kann, die in den &#8222;mageren&#8220; Jahren vielleicht nicht so viel Raum einnehmen k\u00f6nnen, weil es da oft um grundlegende Materialien geht, die der Mensch nicht mehr so leicht zur Verf\u00fcgung hat. Was haben wir nicht alles vom pers\u00f6nlichen Haus aus \u00fcber die vielfach verf\u00fcgbaren Medien mitbekommen von Verlusten, unter denen Menschen zu leiden haben. Ganze D\u00f6rfer und Kulturen wurden von den Geschehnissen der Zeit mitgerissen, zerst\u00f6rt, dem Erdboden gleich gemacht, und die auf unmenschlichste Weise allen Sinnes entleerten Orte vermint undsoweiter. In der Mitte dieser Dunkelheit also, sagten die Weisen, muss geradezu automatisch und wie von selbst eine Ausgleichung erscheinen, von der man nur ausgehen kann, wenn man sie einmal als solche im Universum wahrgenommen hat. Es ist ja nicht so leicht, von dem ganzen abenteuerlichen Spiel, in dem alles m\u00f6glich erscheint, freiwillig zur\u00fcckzukehren zu sich und sich \u00fcber die ganz pers\u00f6nlichen Verluste, die man zu beklagen hat, klar zu werden, bevor einem klar wird, dass diese R\u00fcckkehr keineswegs ein Verlust ist, sondern genau d i e Bewegung, die es einem erlaubt, tiefere Verbindung mit sich selbst aufzunehmen und zu schauen, wohin der Kurs nun wirklich gehen soll und kann. Was auch immer es sein mag, was man als verloren vermutet hat, so entpuppt sich doch die Akzeptanz des Verlorenen als eine Erkenntnis des Reichtums, definiert als die Wertsch\u00e4tzung dessen, was in der Tat meins ist, mein Leben n\u00e4mlich, und was ich durch es gestalten kann, wenn aus dem Es tats\u00e4chlich ein Ich wird, das einzige, das man als GestalterIn im Hier und Jetzt zur Verf\u00fcgung hat. Achach so gr\u00fcblerisch, und das am Samstag, und der noch verregnet.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem Freundeskreis hat jemand unterwegs dieses Bild in Wuppertal gemacht. Dass es entdeckt wurde, macht die k\u00fchle Sch\u00f6nheit des Bildes aus mit dem Satz &#8222;Es ist noch nicht alles verloren&#8220;. Man m\u00f6chte schon gerne wissen, wie er da hingekommen ist und was er wem so bedeutsam vorkam, dass er einen ordentlichen Platz bekommen hat. 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