{"id":6760,"date":"2019-01-05T04:55:39","date_gmt":"2019-01-05T04:55:39","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=6760"},"modified":"2019-01-05T05:11:09","modified_gmt":"2019-01-05T05:11:09","slug":"heiliges-gut","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=6760","title":{"rendered":"heiliges Gut"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-6763\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/20190105_0918131-207x300.jpg\" alt=\"\" width=\"298\" height=\"432\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/20190105_0918131-207x300.jpg 207w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/20190105_0918131.jpg 558w\" sizes=\"auto, (max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><\/p>\n<h5>Wenn etwas eindeutig und unwiderruflich da ist, ist es besser, eine klare Einstellung dazu zu gewinnen, sodass man es integrieren kann in die Archive des Unvermeidlichen oder eindeutig Daseienden. So sind die G\u00f6tter in Indien nichts, was man \u00fcbersehen kann, denn sie sind all\u00fcberall. Der Elefantengott Ganesh zum Beispiel, der oben im Bild aussieht, als w\u00fcrde er ewig dort hausen, ist aus Pappe und von irgend jemandem, der ihn aus dem Weg haben wollte, dort abgelagert. Er gibt nat\u00fcrlich dem Steinger\u00fcmpel eine gewisse W\u00fcrde und Farbe. Dieses Jahr musste ich einmal eine Ratte aus dem Lagerraum fangen und hin\u00fcbertragen an die Br\u00fccke, wo ich sie von einiger H\u00f6he herunterwerfen wollte. Hinterherschauend, wo sie gelandet ist, sah ich in ungl\u00e4ubigem Staunen eine Gottheit im T\u00fcmpel liegen, die aussah, als w\u00e4re sie dort in einer anderen Dimension unterwegs. Auf der einen Seite also dieser ungeheure Aufwand, um ja kein Mensch zu sein, der nicht von irgendeinem Gott gelenkt und geliebt wird, auf der anderen Seite diese Nachl\u00e4ssigkeit dem doch so Gesch\u00e4tzten gegen\u00fcber. So viele heilige Bilder, die im Dreck herumliegen und manchmal, wenn auch nicht f\u00fcr jedermanns Auge, neue kosmische Kompositionen ergeben, oder die Mauer, wie man oben im Bild entdecken kann, f\u00fcgt von selbst eine orientalische Figur dazu, die man selbst gerne gemalt h\u00e4tte, sozusagen als Elevin des Monsoons. Wahrnehmen ist zeitaufwendig und kann nur unter g\u00fcnstigen Bedingungen stattfinden. Dann hatte ich gestern mit der jungen Frau aus Bombay (ich kann mich nicht an &#8222;Mumbai&#8220; gew\u00f6hnen, obwohl ich verstehe, dass sie vermutlich auch die Bombe aus der Stadtbezeichnung haben wollten) ein interessantes Gespr\u00e4ch. Sie meinte, dass Indern jede Empathie fehlt. Das verbl\u00fcfft erst einmal, leuchtet aber ziemlich schnell ein, und obwohl das Verallgemeinern oft ung\u00fcnstig ist, konnte ich das mit meinen pers\u00f6nlichen Erfahrungen decken. Die Bereitschaft und F\u00e4higkeit der Einf\u00fchlung in die Einstellungen anderer Menschen ist in der Tat ein seltenes Gut, aber erstaunlicherweise ist es da, wo viel Heiliges am Werk ist, am rarsten anzutreffen. Kaum steht der Mensch unter Gutsein-Zwang, was oft durch die Verbindung mit \u00fcberirdischen M\u00e4chten zustande kommt, verliert er den empathischen Zugang zu Anderen. Auch wird oft gelehrt, sich m\u00f6glichst fern zu halten von irdischen Verhaftungen, um n\u00e4her ans erl\u00f6sende Gutsein zu r\u00fccken. Das scheint, wenn auch erst in einem Irgendwann, sich nachteilig auf das Leben unter Menschen auszuwirken. Wenn sich aber das erstrebte Gutsein nicht auf das Zusammenleben unter Menschen f\u00f6rderlich\u00a0 auswirkt, was soll&#8217;s. Vielleicht nimmt es ja auch erst in einer bestimmten Zeit eine Bedeutung an, wenn wir wie jetzt Zeugen und Zeuginnen einer schamlosen und gef\u00e4hrlichen Groteske werden, die sich ins Weltendrama eingeschlichen hat, nicht als Sonderfall, \u00fcber den man ein Epos kreiren kann, sondern ein Alltagserleben, mit dem man lernen muss, umzugehen. Die junge Generation beginnt das auch hier wahrzunehmen, doch was tun? Noch gibt es keine R\u00e4ume ohne G\u00f6tter, und die Mutter schl\u00e4gt schon zum dritten Mal einen jungen Mann vor, der geheiratet werden k\u00f6nnte. Wohin, wenn man nicht mehr mitspielen will? Flei\u00dfig lade ich nach Deutschland ein. Dort sind auch schon viele Menschen durch die Hingabe an vermeintlich H\u00f6heres umgekommen oder gesch\u00e4digt worden, und das Antreffen von Empathie w\u00e4re jetzt auch nicht der Lockvogel, aber&#8230;ja, was preise ich denn dann da? Das satte Gr\u00fcn im Sommer, die Freir\u00e4ume des Denkens und Seins, vielleicht auch die Tatsache, dass ein ganzes Volk durch eine H\u00f6lle marschiert ist, was ein &#8222;Nie wieder!&#8220; erzeugt hat. Nie wieder so ein Mensch sein. Aber was f\u00fcr ein Mensch sein. (?) Heute brummt es um den See herum wieder mit emsigen Pilger-Ritualen. Amavash!, sagt der Priester, Neumond. Da werden die Toten geehrt.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn etwas eindeutig und unwiderruflich da ist, ist es besser, eine klare Einstellung dazu zu gewinnen, sodass man es integrieren kann in die Archive des Unvermeidlichen oder eindeutig Daseienden. So sind die G\u00f6tter in Indien nichts, was man \u00fcbersehen kann, denn sie sind all\u00fcberall. 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