{"id":6522,"date":"2018-12-01T04:39:54","date_gmt":"2018-12-01T04:39:54","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=6522"},"modified":"2018-12-01T04:39:54","modified_gmt":"2018-12-01T04:39:54","slug":"absurd","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=6522","title":{"rendered":"absurd"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6525\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181201_070757-106x300.png\" alt=\"\" width=\"106\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181201_070757-106x300.png 106w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181201_070757.png 157w\" sizes=\"auto, (max-width: 106px) 100vw, 106px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-6523\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181128_0859511.jpg\" alt=\"\" width=\"209\" height=\"299\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6524\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181130_164335-106x300.jpg\" alt=\"\" width=\"106\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181130_164335-106x300.jpg 106w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181130_164335.jpg 157w\" sizes=\"auto, (max-width: 106px) 100vw, 106px\" \/><\/p>\n<h5>Wenn ich jedes Jahr an meinem indischen Wohnort lande, dauert es ein paar Tage, bis ich den Zeitungsmann aus der Sikh Community treffe oder er mich, und von nun an bekomme ich morgens die &#8222;Times of India&#8220; durch den T\u00fcrspalt geworfen. Dann f\u00e4ngt der t\u00e4gliche 15-min\u00fctige Gehirnmarathon an, der viel von der anarchischen Pr\u00fcfung erz\u00e4hlt, der man in Indien oft ausgesetzt ist: da steht alles in einer Sprache geschrieben, dem Englisch, das ich meines Erachtens \u00e4hnlich gut kapiere wie meine Muttersprache. Nun muss ich aber in dieser Annahme eine Weile bescheiden verharren, denn ich lese die Worte und verstehe von der indischen Politikvermittlung so gut wie kein Wort. Auch die Kost\u00fcmierung auf den Bildern der ersten Seiten, die ja das Wesentliche vermitteln wollen, was gerade in der politischen Show abl\u00e4uft, sind bemerkenswert. Was auff\u00e4llt ist zum Beispiel die vorherrschende Farbe &#8222;orange&#8220;, denn viele religi\u00f6sen Gestalten mischen hier politisch mit, und oft kann man auch die Gesichter der zeitweiligen Vorzeigepersonen gar nicht richtig sehen, weil so viele Blumenkr\u00e4nze um seinen Hals gelegt wurden, um die momentane Wichtigkeit der Person zu demonstrieren. Nun sind auf den ersten Seiten der Times zwei Artikel \u00fcber dasselbe Thema erschienen, und ich will meinen Intellekt dazu inspirieren, eine zumindest halbwegs verst\u00e4ndliche Version des realen Vorfalls wiederzugeben, um mir selbst (vielleicht) die Quelle des Absurden n\u00e4her zu bringen, wo das Augenscheinliche ja oft passen muss, wenn die Akteure eines Dramas von etwas (f\u00fcr Andere) schwer Fassbarem wie besessen scheinen. So kam es also dazu, dass der Affengott Hanumann in politischen Kreisen eine erhitzte Debatte ausgel\u00f6st hat, und das im Kontext der kommenden Wahlen (7.Dezember). Eine Organisation (Serva Brahmin Mahasabha) hat einen Protest angemeldet gegen Chief Minister Yogi (hier nur ein Vorname) Adityanath, und zwar sollen in allen Hanuman Tempeln der Stadt Gottesdienste laufen, um dem Politiker das fehlende Wissen zu vermitteln. Der Minister hatte jedenfalls den wohl unakzeptablen Fehler begangen, Lord Hanuman, den Affengott, als einen &#8222;Dalit&#8220; zu bezeichnen, als jemanden von einer niederen Kaste, und das l\u00f6ste den Skandal aus. Man verlangt von dem Minister, dass er sich binnen drei Tage entschuldigen soll oder die Konsequenzen tragen. Eigentlich hatte der Minister den Affengott gelobt und gesagt, er h\u00e4tte sich schwer ins Zeig gelegt f\u00fcr sein Land, aber das war hier nicht Sache. Die Congress Partei verurteilte die Bemerkung scharf und sagte, die andere Partei (BJP) will nicht nur Hindus und Muslime trennen, sondern nun auch G\u00f6tter. Ein politischer Schlichter meinte, zu Hanumans Zeiten h\u00e4tte es doch wahrscheinlich gar keine Kasten gegeben, sondern alle h\u00e4tten zur arischen Gemeinschaft geh\u00f6rt. (Sp\u00e4tere Quelle f\u00fcr Hitlers d\u00fcstere Phantasien, in \u00e4hnlicher Verpackung gereicht). Sp\u00e4ter wurde in einem weiteren Artikel gekl\u00e4rt, warum Hanuman, der Affengott, kein Dalit sein kann, denn er diente ja in Lord Rams (K\u00f6nig von Ayodhya) Armee. Nicht, dass die christlichen Priester und Kardin\u00e4le und Bisch\u00f6fe mit ihren H\u00fcten und Hirtenst\u00e4ben nicht genauso m\u00e4rchenhaft wirken wie diese indischen Spieler. Was verbl\u00fcfft ist ja eher die Tatsache, dass sich hier erwachsene Menschen massiv etwas vorgaukeln, was drei n\u00fcchterne Gedanken weiter in ein Nichts zerst\u00e4ubt w\u00fcrde (w\u00fcrde werden k\u00f6nnen), was aber nicht passiert, weil alle mitspielen. In den dunklen Korridoren des bewusst erlaubten Irrsinns im Rahmen eigener profitabler Positionen macht der Missbrauch seine Runden. Ist das Rad mal in die andere Richtung gedreht, sozusagen gegen eigenes Wissen und Gewissen, ist der Schwung, den es nimmt, schwer aufzuhalten. Deswegen f\u00fcrchten sich Menschen voreinander. Weil sie von schon Geschehenem wissen, wie weit das gehen kann.<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich jedes Jahr an meinem indischen Wohnort lande, dauert es ein paar Tage, bis ich den Zeitungsmann aus der Sikh Community treffe oder er mich, und von nun an bekomme ich morgens die &#8222;Times of India&#8220; durch den T\u00fcrspalt geworfen. 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