{"id":6069,"date":"2018-09-18T10:38:48","date_gmt":"2018-09-18T10:38:48","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=6069"},"modified":"2018-09-18T10:49:46","modified_gmt":"2018-09-18T10:49:46","slug":"6069","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=6069","title":{"rendered":"heute"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-6070\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/20180917_193319-274x300.jpg\" alt=\"\" width=\"339\" height=\"371\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/20180917_193319-274x300.jpg 274w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/20180917_193319-768x842.jpg 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/20180917_193319-934x1024.jpg 934w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/20180917_193319.jpg 1017w\" sizes=\"auto, (max-width: 339px) 100vw, 339px\" \/><\/p>\n<h5>Das ist zweifellos ein sehr langer Sommer, das hebt die Stimmung und bietet viele Vorteile. Zum Beispiel h\u00f6re ich unterwegs im Radio, dass man wegen des vielen Ins-Smartphone-Starrens mindestens zwei Stunden t\u00e4glich drau\u00dfen sein sollte gegen die Kurzsichtigkeit und die Halsstarre und gegen alles und f\u00fcr alles, was noch dazu geh\u00f6rt. Ich selbst muss heute, zwar verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig geplagt von diesen spezifischen N\u00f6ten, ins Visa-Zentrum, also in die Stadt, wozu immer ein gewisses Ma\u00df von Kraft geh\u00f6rt: der Stau, der Parkplatz und all das, auf was man gar nicht gefasst war. In einem Park, den ich durchqueren muss, sehe ich einen alten Mann, der sein Hab und Gut durch die Gegend schleppt, ein Obdachloser, der wie alle Obdachlosen irgendwann, wenn die Stadt brummt, aufstehen muss vom ergatterten Nachtplatz. Jetzt schon ist es kalt, man will sich das nicht vorstellen, und meine Vorstellungskraft, wie Menschen durch ihre N\u00e4chte kommen, ist in Indien schon weit \u00fcber ihre Grenzen gedehnt worden. Was mich an diesem alten Mann ber\u00fchrt ist, dass er dunkelh\u00e4utig ist. Meine G\u00fcte, wo bist du, wo sind Sie, werter Mensch, hergekommen, um hier durch den Park zu irren, immer noch mit zu schwerem Gep\u00e4ck, das das Mindeste enth\u00e4lt, was ein obdachloser Mensch braucht. Ich denke an Geld, ich denke an reden, ich lasse beides, denn ich sehe dieses bestimmte L\u00e4cheln, das zu einem geh\u00f6rt, der nicht mehr ganz bei sich ist, wenn er es denn jemals war, ein liebevolles L\u00e4cheln, das mildert ein wenig den Stich der Ohnmacht. Wie gut sich f\u00fcr ihn und seine Schicksalsgenossen die Sonne anf\u00fchlen muss, und wenn ein wenig Essen auftaucht, ist schon viel Gutes im Tag.\u00a0 Eine gute Freundin von uns, eine Poetin, schickt manchmal Geld nach Amerika, wo eine Frau, die sie gut kannte und kennt, durch eine Reihe von Schicksalsschl\u00e4gen obdachlos geworden ist. Sie bewundert sie f\u00fcr ihre Kraft des Durchhaltens, eben auf einer Bank in einem Park zu wohnen. Auch dazu muss man einen Menschen kennen, der ein Bankkonto hat. Es gibt viele Wunder, die nicht weiter auffallen. Ich laufe auch gerne in den Sonnenstrahlen bei solchen G\u00e4ngen, um die man nicht herum kommt. Das Visa ist teuer, 140 Euro, jedes Jahr teurer. Ach, dachte ich, als die lange Prozedur der Formulare vollbracht war, schau ich doch mal schnell bei H&amp;M, oder woanders, rein. Tue ich aber nicht, was soll ich da. Mir f\u00e4llt absolut nichts ein, was ich brauchen k\u00f6nnte. Ich fahre lieber zur\u00fcck, trinke dort entspannt einen guten Kaffee und starre ins Gr\u00fcn. Ich bedaure, nicht mit dem Mann gesprochen zu haben. Wenigstens zu erfahren, wo er herkam und ob er sich \u00fcberhaupt in unserer Sprache verst\u00e4ndigen kann. Wenn so ein Mensch freundlich l\u00e4chelt, denkt man, das kann nur der Wahnsinn sein. Vielleicht war es ein Mensch, der sein Schicksal akzeptiert hat, nun, in gr\u00f6\u00dferer N\u00e4he des Todes.<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist zweifellos ein sehr langer Sommer, das hebt die Stimmung und bietet viele Vorteile. Zum Beispiel h\u00f6re ich unterwegs im Radio, dass man wegen des vielen Ins-Smartphone-Starrens mindestens zwei Stunden t\u00e4glich drau\u00dfen sein sollte gegen die Kurzsichtigkeit und die Halsstarre und gegen alles und f\u00fcr alles, was noch dazu geh\u00f6rt. 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