{"id":5973,"date":"2018-09-01T10:06:13","date_gmt":"2018-09-01T10:06:13","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5973"},"modified":"2018-09-01T10:06:13","modified_gmt":"2018-09-01T10:06:13","slug":"anschauen-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5973","title":{"rendered":"anschauen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-5976\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/20180901_104614-219x300.png\" alt=\"\" width=\"286\" height=\"392\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/20180901_104614-219x300.png 219w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/20180901_104614-768x1053.png 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/20180901_104614-747x1024.png 747w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/20180901_104614.png 1078w\" sizes=\"auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px\" \/><\/p>\n<h5>Die Welt anschauen, klar, das macht doch jeder. Und obwohl man diesen Blick auch eine Weltanschauung nennen k\u00f6nnte, ist es gut zu kl\u00e4ren, was damit gemeint sein soll, oder vielleicht auch zu denen zu geh\u00f6ren, die vielleicht trotz Schauen, oder gerade wegen der Art des Schauens, sich h\u00fcten, eine zu formulieren, sodass man von der Person partout nicht sagen k\u00f6nnte, sie h\u00e4tte eine Weltanschauung. Man kann diese Welt sehr lange und gr\u00fcndlich anschauen, ohne dass sich auch nur ein Funke an Gewissheit formen muss, dass sie durch irgendeine Begrenzung als der eigenen fassbar werden kann. Erst in der akzeptierten Begrenzung des eigenen Blickes kann er sich von innen heraus in eine gr\u00f6\u00dfere Wahrnehmung weiten. Was hilft es mir zum Beispiel, wenn ich mich f\u00fcrchte vor b\u00f6sen Kr\u00e4ften im Land, wenn ich nicht wei\u00df, was ich unter &#8222;b\u00f6sen Kr\u00e4ften&#8220; verstehe und dann der gro\u00dfe Kamm daf\u00fcr herhalten muss, damit ich alles \u00fcber ihn scheren kann. Die Deutschen, die Afrikaner, die Fl\u00fcchtlinge, die M\u00f6rder. Von welcher Selbst-Anschauung gehe ich aus, bevor sie sich mit der Welt \u00fcberhaupt in Verbindung setzen kann. Ich finde es ab und an faszinierend, mit welcher Selbstverst\u00e4ndlchkeit wir manchmal unsere Befindlichkeiten in den Raum tragen. Wei\u00df ich, wo ich mich gerade befinde, und wie h\u00e4ufig empfinde ich es als angebracht nachzuschauen, wie ich selbst drauf bin, bevor ich die naheliegendste Form benutze, um mitgeschleppte Lasten auf K\u00f6pfe und Schultern Anderer abzuladen, als seien sie daf\u00fcr unterwegs.\u00a0 Auch f\u00fchlt sich jeder Mensch auf die eine oder andere Weise zurecht als ein Musterbeispiel, denn es gibt uns nur einmal, und das, was wir aus uns herausbilden, kann mit der Zeit fast unmerklich zu einem Muster werden, das wir f\u00fcr uns selbst halten, ohne dass das dem Teil der Menschheit, dem wir begegnen, besonders ins Auge stechen w\u00fcrde, wenn wir uns nicht Einzelne oder Einzelne uns in eine N\u00e4he gebracht h\u00e4tten, die ein tieferes Schauen auf das, was wir auch noch sein k\u00f6nnten und sind, erm\u00f6glicht. Was sind wir denn noch anderes als das, was wir von uns als Musterbeispielen zeigen? Neulich habe ich mal in einem Hesseb\u00fcchlein gebl\u00e4ttert und war etwas verbl\u00fcfft, auf der aufgeschlagenen Seite den Begriff &#8222;uninteressante Normalmenschen&#8220; zu finden, denen er Menschen gegen\u00fcberstellte, die er &#8222;oft nebenbei pathologisch&#8220; nannte, denen aber seiner Meinung nach die M\u00f6glichkeit gegeben war, &#8222;die Wahrheit zu sagen, die Unerbittlichkeit der Lebensvorg\u00e4nge und die Sinnbildlichkeit jedes Einzelnen f\u00fcr das Ganze.&#8220; Meine G\u00fcte, dachte ich, wie sehe und h\u00f6re ich das? Ist es \u00fcberheblich, sich von &#8222;Normalmenschen&#8220;, um den Begriff noch einmal zu nennen, abzugrenzen, oder ist es anregend, hier etwas zugemutet zu bekommen, das einerseits s o nur von Hesse gesagt wird, andrerseits aber von uns als Leser auch kontempliert werden kann, wof\u00fcr man nat\u00fcrlich tiefer in das weiterhin Gesagte eindringen m\u00fcsste, was ein Interesse voraussetzt. Meine begrenzte Erfahrung war hier, dass kurz ein gewisses zeitliches Beben\u00a0 durch mich hindurchging, so als k\u00f6nnte bei einem bestimmten Schauen, sei es auch noch so klar, gleich ein Shitstorm losgehen, und viele unsichtbare Daumen nach unten zeigen, um mir signalisieren zu m\u00fcssen, wer hier die Bahnen kontrolliert und sich f\u00fcr die Weltanschauung verantwortlich f\u00fchlt. Gut, ich muss hier am Samstag ohne Radiergummi einen Abschluss finden. Ich fl\u00fcstere also ins vertraute All hinein, nein, keine Worte, das passt hier jetzt nicht hin, dann vielleicht ein Lied, ja, warum nicht, und schon summt&#8217;s in mir &#8222;I am standing next to nothing, hello nothing, I love you, I am as strange and pale as you&#8230;..<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Hesse: &#8222;Lekt\u00fcre f\u00fcr Minuten&#8220;, Suhrkamp, Seite 61.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Welt anschauen, klar, das macht doch jeder. 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