{"id":5722,"date":"2018-07-24T07:55:24","date_gmt":"2018-07-24T07:55:24","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5722"},"modified":"2018-07-25T10:38:27","modified_gmt":"2018-07-25T10:38:27","slug":"erzaehlen-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5722","title":{"rendered":"erz\u00e4hlen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5723\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/20180724_084419-181x300.jpg\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"386\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/20180724_084419-181x300.jpg 181w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/20180724_084419-768x1272.jpg 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/20180724_084419-618x1024.jpg 618w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/20180724_084419.jpg 1073w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><\/p>\n<h5>Dieses spontan dramatisch inszenierte Objekt (Gold auf dunkelrotem Stoff auf einem Tangram Abbild), ein sehr kleines goldenes Herz, ist HeldIn meiner Geschichte bzw. einer Objektwanderung. Jeder, auch wenn er oder sie herzlich wenig in Museen herumstreunt wie ich , so kenne ich dennoch diesen staunenden Blick auf Objekte, der zB im \u00c4gyptischen Museum in Berlin zu einer Art berauschender Bet\u00e4ubung eskalieren kann, wenn man meint, auch noch das Schweigen im Papyrus sp\u00fcren zu k\u00f6nnen, und man sich gerne in der zeitlosen K\u00fchle der Steine niedergelegt h\u00e4tte. Das Wissen transportiert ja leider nicht immer direkt an die St\u00e4tten des Seins, obwohl diese unleugbar vorhanden sind, bewahrt in den Gehirnwindungen der Menschheit, immer auch gewissen Zugang gew\u00e4hrend. Aber zur\u00fcck zu meiner kurzen Geschichte. Ich bekomme also am vergangenen Wochenende bei dem Besuch in Frankfurt ein kleines K\u00e4stchen mit der Bitte, es erst sp\u00e4ter zu \u00f6ffnen. Nach der R\u00fcckkehr fiel es mir wieder in die H\u00e4nde, und darin lag dieses kleine Herz, das ich sofort erkannte, da ich es einst meiner Mutter geschenkt hatte und froh war, dass sie es an eine ihrer Goldketten geheftet hatte, ein gewisses t\u00f6chterliches Frohsein, denn das Ding h\u00e4tte auch locker in einer der \u00fcblichen Schalen landen k\u00f6nnen, in die man kleine Dinge verschwinden l\u00e4sst, um sie zu vergessen. Kurz vor ihrem Tod musste sich meine Mutter einer Operation unterziehen lassen, und da ich anwesend war, bat man mich, ihren Schmuck abzunehmen, der in der Schublade des Krankenhauses landete. Als sie dann ein paar Tage sp\u00e4ter starb und ich einige anstehende Entscheidungen treffen musste, fand ich, dass das kleine Herz fehlte, was einen kleinen, symbolischen Stich versetzte und mich gleichzeitig \u00e4rgerlich machte, weil ich davon ausging, dass jemand im Krankenhaus es hatte mitlaufen lassen. Ich meldete den Verlust, und weiter ging&#8217;s mit dem zu Bew\u00e4ltigenden. Drei Tage sp\u00e4ter bekam ich einen Anruf vom Krankenhaus, man h\u00e4tte mein Herz gefunden und ich k\u00f6nne es abholen. Das habe ich dann getan und mich gefreut und bedankt und innerlich entschuldigt, dass ich sowas gedacht habe, und dann verschwand das besagte Objekt eine Zeitlang in einer Schale, in der man die kleinen Dinge tut. Dann hatten wir Besuch und mit den G\u00e4sten kam ein gerade geborenes Kind, eine Tochter mit einem indischen G\u00f6ttinnennamen, Radha, der Name der Geliebten von Krishna, dem Gott der Liebe. (Seit die immense Welt der G\u00f6tter mit meinem Humor in direkten Kontakt gekommen ist, f\u00e4llt mir das harmlose L\u00e4cheln dar\u00fcber leichter). So fand ich die Schenkung des Herzens an eine Neuerschienene mit lobenswerten Eltern mehr als angebracht. Das ist nun lange her und das Kind ist beinahe erwachsen, was immer man darunter verstehen mag, und w\u00e4hrend unseres Besuches wohnte sie bei einer Freundin. Die Mutter, Teil eines weiblichen Zwillingspaares, gab mir also beim Abschied das K\u00e4stchen, in das ich eine Weile nicht hineinschauen sollte. Am Telefon erkl\u00e4rte sie mir dann sp\u00e4ter, Radha h\u00e4tte das Herz zwei oder drei Jahre lang immer getragen, dann in die Schale mit den kleinen Dingen gelegt, weil ihre Tante, die Zwillingsschwester ihrer Mutter, ihr auch ein Herz schenkte, das dann Vorrang hatte. So kam es wieder zu mir zur\u00fcck, und obwohl es so klein und leicht verlierbar erscheint, hat es keinerlei Schaden erlitten, nein, hat sich durchgesetzt die ganzen Jahre, mal mit Hals, mal ohne weitergemacht, und ist nun durch die gedankliche Transportbem\u00fchung eines Geistes wieder zu mir zur\u00fcck gekommen. Das strotzt ja f\u00f6rmlich von M\u00f6glichkeiten, die Interpretationsmaschinerie anzuwerfen, aber das lasse ich einfach, denn mir gef\u00e4llt an dem Vorgang, dass es die Art kleiner und h\u00e4ufig anzutreffender Wunder ist, die die Welt ununterbrochen und unentwegt durchstr\u00f6men, sodass hier nur eine Wachheit erforderlich ist, das Verbindende wahzunehmen, ohne ihm letzte Deutungen zumuten zu m\u00fcssen.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses spontan dramatisch inszenierte Objekt (Gold auf dunkelrotem Stoff auf einem Tangram Abbild), ein sehr kleines goldenes Herz, ist HeldIn meiner Geschichte bzw. einer Objektwanderung. 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