{"id":5081,"date":"2018-04-19T07:21:47","date_gmt":"2018-04-19T07:21:47","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5081"},"modified":"2018-04-19T07:21:47","modified_gmt":"2018-04-19T07:21:47","slug":"klagen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=5081","title":{"rendered":"klagen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5083\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/20180418_170812-208x300.png\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"375\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/20180418_170812-208x300.png 208w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/20180418_170812.png 365w\" sizes=\"auto, (max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/p>\n<h5>In uns Menschen liegt, irgendwo in den inneren Korridoren, die Neigung zu klagen. Das m\u00e4\u00dfige und m\u00fc\u00dfige Klagen hat etwas f\u00fcr Andere Erm\u00fcdendes oder Langweiliges, wenn an der Wurzel der Klage keine Klarheit \u00fcber das Beklagte herrscht. Die M\u00f6glichkeit der Klage wird gerne dem eigenen Schicksal gegen\u00fcber in Anspruch genommen, oh oh, warum gerade ich (und nicht der Andere), und warum s o und nicht anders. Es ist die Klage \u00fcber das Unwesen des Aufgetauchten, als k\u00f6nnte es anders sein, wie es ist, denn das ist ja die Eigenart meines Schicksals, dass es ist, wie es ist, weil ich bin, wie ich bin. Gut, \u00fcber die Anf\u00e4nge kann und muss man zuweilen streiten, zumindest, um zu ergr\u00fcnden, wie ich es sehe gem\u00e4\u00df meiner momentanen Erkenntniskraft, die ja auch oft gepr\u00e4gt ist von konventionellen Einfl\u00fcsterungen, oder auch von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen, die meist genauso schwankend im geistigen Raum schweben wie alles andere, bevor sie f\u00fcr schulbuchf\u00e4hig deklariert werden. Ich pers\u00f6nlich habe nichts gegen Klagen, wenn ich sie f\u00fcr angebracht halte. Man irrt sich oft genug, lernt dabei aber die Differenzierungen im eigenen Klagensbereich. Wenn es keine Klagen g\u00e4be, g\u00e4be es keine Wahrnehmung von St\u00f6rungen, es g\u00e4be auch keine Geschichten, keine Epen, keine Heldentaten. Dem Held und der Heldin traut man die Bew\u00e4ltigung des Schicksals zu, ja!, man will, dass sie Vorbild sind, so, wie man weiterhin Vorbild wollte und will von Jesus oder Buddha undsoweiter. Man wei\u00df, da war ein Mensch unterwegs, der sich nicht nur um das eigene, sondern auch um das Schicksal von Anderen k\u00fcmmern konnte. Das sind nun wiederum die gro\u00dfen Klagenden: sie beklagen das Ungemach des Menschseins, seine inh\u00e4rente Blindheit und Verbohrtheit, den lustvollen Trieb menschlicher Wesen zur Unterwerfung unter die simpelsten Darbietungen, die sich reichlich an den Klagen \u00fcber das allt\u00e4glich Vorgefundene bedienen, so als w\u00e4re das Selbstgeformte verantwortlich f\u00fcr den Missklang. Und allerdings, so ist es. Deswegen liebt man lange Zeit die Heldengeschichten, weil da m\u00e4chtig um erkannte Werte gek\u00e4mpft wird und dann wird meist auch gro\u00dfartig gescheitert. Es gibt Berufe, aus denen heraus pflichtm\u00e4\u00dfig geklagt werden muss. Je tiefer die Annahme des eigenen Schicksals, desto glaubw\u00fcrdiger und h\u00f6rensw\u00fcrdiger die Klagen. Eine gute Klage braucht Resonanz, um in ihre Wirksamkeit zu kommen. Die Brahmanen in Indien zum Beispiel sind ber\u00fcchtigt f\u00fcr ihre Klagen, und es gibt Bettler, die mit gr\u00f6\u00dferer W\u00fcrde mit ihrer ausweglosen Situation umgehen k\u00f6nnen. Stimmt, dann gibt es die Klagemauer. Einem j\u00fcdischen Freund habe ich mal geraten, sich eine kleine Klagemauer anfertigen zu lassen, damit die Klagen wenigstens in dieser Hinsicht untermauert werden k\u00f6nnen. Dem sinnlos Klagenden verweichlicht oft schnell die Haut. Wenn nicht einmal ein Echo sich mehr um Antwort bem\u00fcht und die Pl\u00e4ne ins Nichts zerfallen. Klagen will wie alles gelernt sein. Kann man es gut und der Ton trifft das dunkle Geschehen ins blutende Herz, dann wei\u00df man zumindest, dass man man beim eigenen Schicksal angekommen ist, und das ist auch nur einer der Wege, die begehbar sind: der Weg \u00fcber die Klage. Trefflich w\u00e4re es, die Klage zu singen, oh ihr (oder wir) Menschen, nur zu l\u00e4utern durch die tropfende Blutspur im kalten Haus des Bekriegens, ach ach, o weh, o jemineh!\u00a0 Wir aus dem Paradies Geflogenen und nun auf die nackte Wahrheit Treffenden: war nicht immer (auch) Paradies?<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In uns Menschen liegt, irgendwo in den inneren Korridoren, die Neigung zu klagen. Das m\u00e4\u00dfige und m\u00fc\u00dfige Klagen hat etwas f\u00fcr Andere Erm\u00fcdendes oder Langweiliges, wenn an der Wurzel der Klage keine Klarheit \u00fcber das Beklagte herrscht. 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