{"id":3604,"date":"2017-09-07T08:06:04","date_gmt":"2017-09-07T08:06:04","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=3604"},"modified":"2017-09-07T08:19:21","modified_gmt":"2017-09-07T08:19:21","slug":"fuehlen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=3604","title":{"rendered":"f\u00fchlen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3605\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170907_084058-300x293.png\" alt=\"\" width=\"347\" height=\"339\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170907_084058-300x293.png 300w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170907_084058-768x749.png 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170907_084058.png 1023w\" sizes=\"auto, (max-width: 347px) 100vw, 347px\" \/><\/p>\n<h5>Jahrelang habe ich es als wesentlich empfunden, zwischen &#8222;Gef\u00fchlen&#8220; und &#8222;Emotionen&#8220; zu unterscheiden, denn im Emotionalen, bzw. dem Wort, steckt die schnelle Bewegung, die kurz mal da ist und einen auch ergreifen kann, aber dann verzieht sie sich wieder und l\u00e4sst einen los. Man denkt ja gerne, dass es ganz viele Gef\u00fchle gibt, aber ich wei\u00df immer noch nicht wie viele, und ob es \u00fcberhaupt viele gibt. Vom griechischen Theater konnte man einiges dar\u00fcber lernen, denn man wusste oft von den Grimassen auf den Masken, was gemeint ist. Auch im Kasperletheater war noch einiges \u00fcberschaubar. Das Dumm- und das B\u00f6sesein strahlen ja auch bei Kindern, die zuschauen, eine gewisse Faszination aus.\u00a0 Doch die meisten sind dann doch eindeutig f\u00fcr Kasperle, denn der ist clever und hat viele gute Tricks auf Lager, die einem helfen k\u00f6nnen, aus dem entstandenen Schlamassel wieder heraus zu finden. Kasperle hat auch keine Hemmschwellen, jemandem mal t\u00fcchtig eins \u00fcber die R\u00fcbe zu geben, nicht, dass ich mich zu tief daran erinnere. Es ist wohl die grunds\u00e4tzliche Harmlosigkeit, von der man da ausgehen kann, eben dem Gef\u00fchl, dass\u00a0 zwar einiger Unfug getrieben, aber nicht vors\u00e4tzlich geschadet werden wird. Das ist beruhigend. Diese Beruhigung genie\u00dft man nicht mehr in der Welt der Erwachsenen. Man muss ja davon ausgehen, dass die geballten Zust\u00e4nde, in denen wir uns zur Zeit alle bewegen (&#8222;alle&#8220; hier als Fast-Tatsache, seit die Vernetzung Allgemeingut ist), als beunruhigte Zust\u00e4nde von Eltern an die Neugeborenen weiter gegeben werden. Nichts ist mehr wirklich gesichert f\u00fcr die Neuank\u00f6mmlinge, vor allem aber immer weniger von der &#8222;Seelenruhe&#8220;, mit der Kinder (und ihre Eltern) das Ankommen auf der Erde zelebrieren k\u00f6nnen. Ich pers\u00f6nlich gehe ja aus jeder gegebenen Situation von M\u00f6glichkeiten aus, die\u00a0 im Laufe jeden Lebens dem\/der Lebensgestalter\/in zur Verf\u00fcgung stehen, aber es leuchtet ein, dass, wenn liebevolle Verbindung am Anfang nicht gelungen ist, fast immer im Laufe des Daseins darum gerungen werden muss. So wird die ersehnte Liebe oft mit Hass gepaart, ohne dass wir zulassen k\u00f6nnen, dass uns selbst so Schlimmes passieren kann. Meine G\u00fcte, geht&#8217;s immer und \u00fcberall viel ums F\u00fchlen, und paradoxerweise ger\u00e4t bei der Frage &#8222;ja, was f\u00fchlst du denn gerade?&#8220; meist was ins Stocken, denn wenn man sich ausrichtet, um wirklich wissen zu wollen, was man f\u00fchlt, da st\u00f6\u00dft man oft an die Grenze des Nichts und wei\u00df dann immerhin, dass auch das Nichts Grenzen hat. Die Poeten und Poetinnen h\u00e4lt man ja gerne f\u00fcr die, die da, wo die Gef\u00fchle vermutet werden, hinuntertauchen in die unwirtlichen Tiefen, um dort an verlorene Schatzk\u00e4sten heranzukommen und sie sterbensm\u00fcde an die K\u00fcsten des Menschseins werfen. Oder, sich selbst als Lampe durchs Ger\u00f6ll ackern, um herauszufinden f\u00fcr weitere Nachwelten, ob da irgendwo doch das makellose Wasser von der H\u00f6hle tropft, f\u00fcr dessen Trunk der ganze Stress sich gelohnt hat. Und nat\u00fcrlich nicht nur Stress wird gefordert, sondern auch Auskunft \u00fcber das Ausgelassene, und wie gesellschaftliche Tabuzonen geistig durchbrochen werden k\u00f6nnen. Oder wie man sich selbst lange genug in gef\u00e4hrlicher Einsamkeit aufhalten kann, nur sich selbst als Gegen\u00fcber, und man beginnt dann Begriffe zu lieben wie &#8222;azurne Einsamkeit&#8220;, weil man entz\u00fcckt wird, dass ein Anderer einen Namen f\u00fcr das Unnennbare gefunden hat. Wohl gemerkt: immer nur in die N\u00e4he der Dinge, aber diese Kunst, so nah wie m\u00f6glich zu dem, was unsagbar ist, kommen zu k\u00f6nnen und in vollem Bewusstsein der g\u00e4nzlichen Ohnmacht doch noch Worte zu finden und zuzulassen&#8230;das ist dann die Kunst, wenn es denn gelingt. Und wieder die brennende Frage: wer will es beurteilen. Auch das Genie\u00dfen von Gef\u00fchltem wird oft vergessen, so als w\u00e4re man nur immer den Str\u00f6men ausgeliefert, die durch einen hindurchflie\u00dfen, wer wei\u00df schon, woher und wohin. Aber wenn so ein Gef\u00fchl bei einem ist und man l\u00e4sst es eine Weile bei sich sein und genie\u00dft, was einem angeboten wird, dann lernt man ein bisschen was davon. Allein der Aufenthalt im Inneren, denn da kommen sie ja her und lassen einen wie mit leerem Blick in das Wesen der Befindlichkeiten starren. Klar, das Wetter darf mitspielen, aber nicht wirklich, denn es eignet sich zu gut als Verlagerungsebene. Bin ich leichtf\u00fc\u00dfig unterwegs, was schert mich das Nieseln? Im Gegenteil! Auch das Nieseln kann seine angenehme Wirkung entfalten. Ich selbst muss ganz klar aussagen, dass ich nur einer einzigen Befindlichkeit traue, oder vielleicht besser gesagt: ich traue dem Wesen der Verbindung. Wenn das klar ist, dass ich mit mir selbst verbunden bin, dann wei\u00df ich auch etwas von der Verbindung mit Anderen. Verbindung ist der\/die Ausl\u00f6ser\/in von Liebe, wie k\u00f6nnte es anders sein. So gibt es m.E. eine grenzenlose Zahl an Gef\u00fchlvollem, aber nur eine authentische Verbindung, die gew\u00e4hrleistet, dass man Liebe von Liebe unterscheiden lernt. Meist ist es ein Mensch, der in einem selbst einen Funken entfacht, der tats\u00e4chlich die Funktion einer Lampe hat. Auf dem nun besser belichteten Weg empfindet man oft eine tiefe Dankbarkeit, die einem Mut macht f\u00fcr die eingeschlagene Richtung. Es hat so etwas grunds\u00e4tzlich Gesundes, was da geschehen kann und ist gleichzeitig komplex und sehr einfach wie gutes Brot, gute Butter und gutes Salz zusammen. Und ein guter Schluck Rotwein dazu in einem sch\u00f6nen Glas. &#8230;&#8220;Liebe ist Wein im Feuer aus dem Opferkrug&#8230;&#8220; fiel mir da noch die Zeile von Benn ein, damit das Komplexe auch nicht zu kurz kommt.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahrelang habe ich es als wesentlich empfunden, zwischen &#8222;Gef\u00fchlen&#8220; und &#8222;Emotionen&#8220; zu unterscheiden, denn im Emotionalen, bzw. dem Wort, steckt die schnelle Bewegung, die kurz mal da ist und einen auch ergreifen kann, aber dann verzieht sie sich wieder und l\u00e4sst einen los. 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