{"id":3293,"date":"2017-07-25T10:23:52","date_gmt":"2017-07-25T10:23:52","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=3293"},"modified":"2017-07-25T15:11:43","modified_gmt":"2017-07-25T15:11:43","slug":"reflektieren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=3293","title":{"rendered":"reflektieren"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3295\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170725_121643-161x300.jpg\" alt=\"\" width=\"218\" height=\"406\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170725_121643-161x300.jpg 161w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170725_121643-768x1428.jpg 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170725_121643-551x1024.jpg 551w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170725_121643.jpg 954w\" sizes=\"auto, (max-width: 218px) 100vw, 218px\" \/><\/p>\n<p>In einem Satz, der Sokrates, (der selbst nichts Geschriebenes hinterlassen hat), zugeschrieben wird, sagt er aus, dass seiner Meinung nach ein Leben, \u00fcber das man nicht nachdenkt, nicht lebenswert ist. Nun gibt es verschiedene Formen der Reflektion. Die philosophische Reflektion z.B.l\u00e4sst zwar das eigene Erleben nicht aus, bem\u00fcht sich aber um ein Erkennen, das Menschen, denen das fremd ist, oft &#8222;abstrakt&#8220; erscheint, so als w\u00e4re dieses Denken nicht \u00fcbertragbar auf das pers\u00f6nliche Leben. Nat\u00fcrlich w\u00e4re es nicht uninteressant, Sokrates heute ein paar pers\u00f6nliche Fragen stellen zu k\u00f6nnen, die damals noch nicht so aktuell waren. Es ist ja nicht nur unn\u00fctz, auch mal zu bedenken, warum er wohl geheiratet hat, und wo war diese mit schlechtem Ruf behaftete Alibi-Frau, als er den Giftbecher trank? Und wenn man sich mit den Kindern von Sokrates auch noch h\u00e4tte besch\u00e4ftigen m\u00fcssen, den zum Gl\u00fcck nicht existierenden Ahnen des &#8211;\u00a0 m\u00e4nnlichen Lenden zugetanen &#8211; Giftbechertrinkers? Auch damals schon hat die Liebe die Menschen bewegt, vor allem, wenn sie in der gl\u00fccklichen Lage waren, Mu\u00dfe und gesellschaftliches Ansehen zu genie\u00dfen, da Arbeit im antiken Griechenland noch sehr anders definiert wurde. Wir wissen ja auch nicht, wie die, die damals in der br\u00fctenden Sonne nicht im Schatten der B\u00e4ume ungest\u00f6rt reflektieren konnten, sich gef\u00fchlt haben, und wie &#8222;faul&#8220; den Schuftenden wahrscheinlich diese herumlagernden Gesellen vorkamen, deren gedankliche Ergebnisse bis heute in den Schulen geb\u00fcffelt werden m\u00fcssen. Es kamen ja auch immer wieder welche nach, die das bis dahin geltende Weltbild zerlegten und neu formierten gem\u00e4\u00df der Wahrnehmungen der Zeit, in der sie sich bewegten. Denn es ist\u00a0 vor allem das Bewusstsein des Menschen, das sich wandelt, indem die Wirkung jeweiliger Erkenntnisse den Sog bildet, der dann, von Einzelnen ausgehend, nach und nach Kulturen und Gesellschaften gestaltet. Die beliebte Frage &#8222;Was ist Freiheit&#8220; hat ja vor allem als Antwort damit zu tun, ob ich in einem Raum lebe oder ihn selbst erschaffen helfe, in dem eigenes und selbstst\u00e4ndiges Denken \u00fcberhaupt stattfinden kann, sodass es darauf hinauskommt, dass, je mehr Menschen solche Zeitr\u00e4ume als f\u00f6rderlich f\u00fcr die Entwicklung ihres eigenen Bewusstseins nutzen, desto wacher und bewusster ist die Gesellschaft. Als Freud, der Unterbewusstseins-Avatar, seine unerm\u00fcdliche und faszinierende Arbeit aufnahm (m\u00f6ge man denken \u00fcber ihn, was man will), muss sich das kollektive Bewusstsein der Menschheit schon derart verdunkelt haben, dass es auffiel, n\u00e4mlich ihm, dass hier Hilfe vonn\u00f6ten war. Noch ging er am Anfang selbst aus von dem Wunsch, es m\u00f6gen eher &#8222;gesunde&#8220; Systeme das Interesse an einer Selbst-Analyse kultivieren, bis der Zweifel bzw. die Erkenntnis kam, dass es davon recht wenige gibt. Und nun leben wir in unserer Gegenwart ja bereits in dem Paradox, dass es nicht nur genug Nahrung gibt, um alle Hungrigen zu ern\u00e4hren, sondern auch genug frei verf\u00fcgbares Wissensmaterial, um das, was man einst t\u00f6richterweise &#8222;Erleuchtung&#8220; nannte (meine Stimme ist hier kurz in die Zukunft gerutscht), in Wirklichkeit die durch tiefe Reflektion wiedergefundene Schlichtheit des Seins ist, bei der das Wort &#8222;normal&#8220; vielleicht mal wieder eine Berechtigung h\u00e4tte. Denn das, was durch mutiges und unerm\u00fcdliches Eintauchen in fassungslose Abgr\u00fcnde und Schluchten des Verborgenen ans Tageslicht geborgen werden kann, kann man m.E. nicht mehr wirklich das &#8222;Nat\u00fcrliche&#8220; nennen, wo mir hier aus den inneren Archiven der Satz von Nietzsche zufliegt, dass die Natur \u00fcberwunden werden muss. Denn abgesehen von allem Sch\u00f6nen, was sie als Urgrund und B\u00fchne unseres Seins bedeutet, so hat sie doch die Tendenz zu wuchern und alles zuzulassen, was herauswill aus ihr, und jeder G\u00e4rtner kennt diese Probleme. Ich selbst beobachte die anarchischen Aspekte meines Wesens mit ziemlich gro\u00dfz\u00fcgigem Blick, aber ich kann mich auf mein ordnendes und reflektierendes System inzwischen ganz gut verlassen. Wieso in aller Welt sollte der Mensch nicht frei sein k\u00f6nnen und wollen und d\u00fcrfen, jede\/r in ihrem\/seinem Ma\u00df. Auch in meditativen Wissenswelten spricht man oft von tiefer Verzweiflung und Schmerz als einem Ausl\u00f6ser von eigenem Denken.\u00a0 Ich selbst empfinde als au\u00dferordentliches Gl\u00fcck, mit und durch alles Ackern hindurch, als Frau (na ja, nicht ohne), in dieser Zeit in einem Garten zu landen und Mu\u00dfe und Zeit zu haben, mein Leben nach Herzenslust zu gestalten und zu reflektieren, wobei &#8222;Reflektion&#8220; ohne ein Gegen\u00fcber (und ohne liebevollen Blick) nicht wirklich gelingt.<\/p>\n<p>Bild: es sind Picassos Augen, die aus der Eule schauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Satz, der Sokrates, (der selbst nichts Geschriebenes hinterlassen hat), zugeschrieben wird, sagt er aus, dass seiner Meinung nach ein Leben, \u00fcber das man nicht nachdenkt, nicht lebenswert ist. Nun gibt es verschiedene Formen der Reflektion. 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