{"id":3289,"date":"2017-07-24T08:49:36","date_gmt":"2017-07-24T08:49:36","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=3289"},"modified":"2017-07-24T08:49:36","modified_gmt":"2017-07-24T08:49:36","slug":"anrichten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=3289","title":{"rendered":"anrichten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-3291\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170724_103601-282x300.jpg\" alt=\"\" width=\"328\" height=\"349\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170724_103601-282x300.jpg 282w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170724_103601-768x817.jpg 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170724_103601-962x1024.jpg 962w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170724_103601.jpg 1075w\" sizes=\"auto, (max-width: 328px) 100vw, 328px\" \/><\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit einer Afrikanerin aus Nigeria reden wir \u00fcber die endlosen Gr\u00e4uel in ihrem Land und die Erleichterung und den Schutz, den sie hier in Deutschland erf\u00e4hrt. Wir haben ja hier noch vor ein paar Jahren auch ganz sch\u00f6n was angerichtet, sage ich. Sie ist entr\u00fcstet. Wie, du! Du hast doch nichts angerichtet, sagt sie. Das waren deine Eltern und Gro\u00dfeltern vielleicht, aber nicht du. Ganz abgesehen davon, dass ich mich nie wirklich wie jemand f\u00fchle, der nichts angerichtet hat, so ist mir dieser Gedankengang nat\u00fcrlich auch vertraut. Es ist jetzt eine Weile her, dass bei &#8222;uns&#8220; Krieg war,\u00a0 und neu und unbelastetere Generationen ziehen durchs Land, dh. unbelastet von diesem einen Krieg, den Deutschland noch am Verdauen ist. Wir wissen ja, dass es schon immer Kriege gab und weiterhin gibt, sodass es naiv ist zu denken, irgendeine extreme Form der Finsternis k\u00f6nnte die Gro\u00dfmogule der Welt von ihren Psychosen befreien, f\u00fcr die Mord nicht nur der unbewusste Verzicht auf Liebe bedeutet, sondern lediglich die blindw\u00fctige Erringung einer Macht, die nichts als Vernichtung zur\u00fcckl\u00e4sst. Wie gesagt, aus der Asche kann wieder aufgebaut werden, aber selten genug wird es ein Phoenix, solange in der Asche noch das Unverdaute brodelt, oder der gedankliche M\u00e4rchenwunsch, aus dem Erkennen der eigenen Taten m\u00f6ge reifere Frucht entstehen. Auch mit zeitlicher Messung k\u00f6nnen einem 70 Jahre entweder sehr lang oder sehr kurz vorkommen. Auf jeden Fall kann man so einen Durchgang nur einmal erleben. Die 70 oder mehr Jahre, die Syrien und alle weiteren L\u00e4nder, die sich gerade im Krieg befinden, brauchen werden, um wieder zu relativ &#8222;normalen&#8220; Verh\u00e4ltnissen zur\u00fcckzukehren, wer wird sie mitempfinden k\u00f6nnen, und wie wird die neue Ordnung aussehen? Und ja!, ich vertrete auch die mir \u00fcberzeugend scheinende Einsicht, dass die pers\u00f6nliche Ohnmacht dem sich abspulenden globalen Irrsinn gegen\u00fcber sich nur ausgleichen kann mit einer erh\u00f6hten Aufmerksamkeit auf das eigene Wirken und Anrichten, denn aus Erfahrung wei\u00df man doch inzwischen, dass da, wo sich wirklich was \u00e4ndern konnte, auch was erkannt worden ist. Es geht ja nicht darum, sich eine Welt vorzugaukeln, wo L\u00e4mmlein und L\u00f6wlein friedlich zusammensitzen, sondern um die Klarheit, mit der Menschen sich irgendwo orten, bevor sie eingeordnet werden von Anderen. Das Ausma\u00df des Schreckens, dem Deutsche gegen\u00fcber standen, als der Albtraum des h\u00f6heren Menschseins\u00a0 endlich vorbei war, hatte schon Wirkung, das l\u00e4sst sich nicht leugnen. Aber h\u00e4ngt weitere Entwicklung der Individuen aller Himmelsrichtungen nicht vor allem davon ab, wieweit die \u00fcberall lauernde Gefahr eines autorit\u00e4ren Soges den Einzelnen bewusst wird und dadurch zu eigenem Denken f\u00fchrt und zu eigener Verantwortung? Das ist ein Hoffnungsstrahl, den ich mir noch g\u00f6nne, n\u00e4mlich, dass diese voneinander unabh\u00e4ngige Gruppe sich leise und unentwegt erweitern m\u00f6ge, bis sie der anderen Kraft gleicherma\u00dfen kraftvoll gegen\u00fcbersteht: die Teilnehmer eines Wachwerdens Einzelner aus dem Griff einer Kollektiv-Ohnmacht. In diesem Sinne erkl\u00e4re ich alle verbleibenden patriarchalischen Bef\u00fcrwortungen und Zuspielungen\u00a0 in mir und au\u00dferhalb von mir f\u00fcr beendet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es fasziniert mich immer mal wieder, wie Worte zwei so gegens\u00e4tzliche Bedeutungen in sich bergen k\u00f6nnen. Im Falle von &#8222;anrichten&#8220; kann man z.B. f\u00fcr beide vollkommen unterschiedlichen Begriffe dasselbe bedeutungsvolle Ausrufezeichen setzen: Es ist angerichtet!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Gespr\u00e4ch mit einer Afrikanerin aus Nigeria reden wir \u00fcber die endlosen Gr\u00e4uel in ihrem Land und die Erleichterung und den Schutz, den sie hier in Deutschland erf\u00e4hrt. Wir haben ja hier noch vor ein paar Jahren auch ganz sch\u00f6n was angerichtet, sage ich. Sie ist entr\u00fcstet. Wie, du! 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