{"id":3267,"date":"2017-07-21T08:48:30","date_gmt":"2017-07-21T08:48:30","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=3267"},"modified":"2017-07-21T08:49:22","modified_gmt":"2017-07-21T08:49:22","slug":"erinnern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=3267","title":{"rendered":"erinnern"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3272\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170721_101859-223x300.png\" alt=\"\" width=\"389\" height=\"523\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170721_101859-223x300.png 223w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170721_101859-768x1031.png 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170721_101859-763x1024.png 763w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/20170721_101859.png 1053w\" sizes=\"auto, (max-width: 389px) 100vw, 389px\" \/><\/p>\n<p>Als ich \u00fcber das Lied im gestrigen Beitrag den Namen &#8222;Grace Jones&#8220; mal wieder h\u00f6rte, kam eine Erinnerung zu mir, die schon eine ganze Weile zur\u00fcckliegt. Ich landete &#8222;damals&#8220;, nach Jahren aus der indischen W\u00fcste emportauchend, direkt in der Notwendigkeit deutscher\u00a0 Lebensfinanzierung. Das einigerma\u00dfen Vorstellbare fand sich in einem Verlag, den ein Paar leitete. Er war ein intelligenter, blasser B\u00fccher-und Wissenswurm, sie eine wesentlich j\u00fcngere, frische und aufgeweckte junge Frau, mit der ich oft in den Pausen Gespr\u00e4che f\u00fchrte. In einem dieser Gespr\u00e4che erz\u00e4hlte sie mir in keineswegs verst\u00f6rtem Ton, dass sie ihn im sexuellen Kontakt immer peitschen musste. Ich kann mich nicht erinnern, wie mein Geist, besch\u00e4ftigt mit meiner pers\u00f6nlichen Neu(er)findung in deutschen Gefilden, das aufnahm. Etwas sp\u00e4ter schickte mich eben dieser damalige Chef mit einem Kuvert in die naheliegende Stadt zu einem weiteren Angestellten, da ich nach der Arbeit in dieselbe Richtung fuhr. In die Wohnung dieses Mannes eintretend, fiel mir die extreme Leergefegtheit der R\u00e4ume zuerst auf. Kein Schnipsel nirgendwo. Wohnte er hier wirklich? Dann erst fiel mein Blick auf die W\u00e4nde. Sie waren mit riesengro\u00dfen Glanzfotos, alle von Grace Jones, bedeckt und lagen dort in keineswegs billigen Rahmen unter Glas. Staunend fragte ich nach. Ja, diese Bilder bedeuteten ihm viel, und auch hier war es nicht in Form eines sich stockend enth\u00fcllenden Beichtgeheimnisses, als ich vernahm, dass er einmal die Woche in ein bestimmtes Bordell ging, um sich dort von einer von ihm hoch gesch\u00e4tzten Domina in die h\u00f6chstm\u00f6glichste N\u00e4he des Ertrinkens bringen zu lassen, damit das gew\u00fcnschte Ergebnis in Todesn\u00e4he stattfinden konnte. Die &#8222;Regierung&#8220;, sagte er, wertsch\u00e4tzt diese Frauen, da sie wissen, dass dort potentielles Unheil, wenn auch auf seltsame Weisen, vielleicht nicht ganz verhindert, aber doch vielleicht gemildert wird. Ob die beiden wohl voneinander wussten? Nutzlose Frage, denn was hei\u00dft schon wissen? Was h\u00e4tten sie denn voneinander wissen k\u00f6nnen, was miteinander austauschen? Die Sucht nach als normal geltendem Auftritt in der Gesellschaft ist ja sehr vorherrschend, die Definition von &#8222;normal&#8220; schwankt wie eh und je in Absurdistan herum. Wer erschafft die Norm? Wie, du hast kein Tattoo!!!??? Man darf also nicht rauchen\u00a0 bei euch im Haus, sagte meine Mutter einmal mit gedehnter Stimme, in der das Bedauern lag, dass aus mir so ein kleiner Spie\u00dfer geworden war. Das geht schnell. Das Ringen um Verstehen ist nicht nur m\u00fchselige Arbeit, sondern es warten weder Thron noch Krone, da es nicht um Erfolge geht, sondern um ein Ringen um das schwer Fassbare. Da haben es die Religionen der Welt einfacher. Sie wissen, wo\u00b4s langgeht und wer, wenn das Spiel vorbei ist, rechts und links vom heiligen Vater sitzen wird. Dort ist nat\u00fcrlich auch ein Gedr\u00e4nge und wahrscheinlich geht der Kampf weiter, oder der Herr pers\u00f6nlich schl\u00e4gt die &#8222;Reise nach Jerusalem&#8220; vor, damit jeder mal drankommt und versteht, dass genug Nebenthrone f\u00fcr alle da sind. Woher Menschen kommen und und wohin sie damit gehen, um in den paar vor\u00fcberziehenden J\u00e4hrchen d a s zu tun und zu bewirken, was ihnen unerl\u00e4sslich erscheint, wer kann das wissen und wer kann es verstehen. Ich h\u00f6re aus einem Raum fachlicher Kompetenz, dass die Schulung und die Expertise vor allem darin bestehen, einen Raum zu erm\u00f6glichen, wo Schmerz und Leid und vor allem die verborgenen inneren Vorg\u00e4nge, die oft den erw\u00fcnschten Lebensraum zunichte machen, sein k\u00f6nnen, damit sichtbar wird und zu einem gewissen Grad verst\u00e4ndlich, wie gravierend doch das Verborgene in den n\u00fcchternen Tag hineinwirkt, und wie zeitaufwendig es werden kann, die eigenen Gew\u00f6lbe und Labyrinthe und G\u00e4rten in den Blick bzw. den Augenschein zu nehmen.<\/p>\n<p>Das Bild zeigt das Tor in einem Garten in Lissabon. Dahinter war ein sch\u00f6ner Sitzplatz mit chinesisch gestaltetem Holzrahmen, auf dem mit Filzstift eine Botschaft (in Franz\u00f6sisch) stand, und zwar &#8222;Madame Katastrophe, sie ist da, sie wartet auf dich im Sand des Kindergartens. Sie emp\u00f6rt sich, sie verl\u00e4sst dich, sie zwingt dich dem Tod entgegen, sie wirft dich \u00fcber Bord.&#8220;<br \/>\nOft so nah beieinander, das leuchtende Tor und die bedrohliche Botschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich \u00fcber das Lied im gestrigen Beitrag den Namen &#8222;Grace Jones&#8220; mal wieder h\u00f6rte, kam eine Erinnerung zu mir, die schon eine ganze Weile zur\u00fcckliegt. Ich landete &#8222;damals&#8220;, nach Jahren aus der indischen W\u00fcste emportauchend, direkt in der Notwendigkeit deutscher\u00a0 Lebensfinanzierung. Das einigerma\u00dfen Vorstellbare fand sich in einem Verlag, den ein Paar leitete. 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