{"id":2707,"date":"2017-05-19T08:57:05","date_gmt":"2017-05-19T08:57:05","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=2707"},"modified":"2017-05-20T07:24:34","modified_gmt":"2017-05-20T07:24:34","slug":"ganz-ohr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=2707","title":{"rendered":"ganz Ohr"},"content":{"rendered":"<div class=\"irc_mimg irc_hic i_bWkekB2hLE-lvVgf-rIiHk\"><a class=\"irc_mil i3597 i_bWkekB2hLE-zixyDjKkw5M\" tabindex=\"0\" href=\"http:\/\/www.andrys.com\/argconcs.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-noload=\"\" data-ved=\"0ahUKEwi29ry5vfvTAhXLD8AKHQEgBpsQjRwIBw\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"irc_mi\" src=\"http:\/\/www.andrys.com\/arg-ch3a.jpg\" alt=\"Bildergebnis f\u00fcr Martha Argerich\" width=\"265\" height=\"356\" \/><\/a><\/div>\n<div class=\"irc_mutc ihfBeL73xzvA-s4mcypHTTek\">( Martha Argerich)<\/div>\n<div class=\"irc_mutc ihfBeL73xzvA-s4mcypHTTek\"><\/div>\n<h1>*<\/h1>\n<div class=\"irc_mutc ihfBeL73xzvA-s4mcypHTTek\">Das Eine sind die Worte. Wenn jemand (wie ich) die Worte liebt (was seine eigenen Gefahren birgt), wird er oder sie sich m\u00fchelos \u00fcber das Erstaunliche einigen k\u00f6nnen, n\u00e4mlich dass Worte, geformt aus Buchstaben, \u00fcber die Lippen jedes Mannes und jeder Frau kommen k\u00f6nnen, auch wenn sehr viele Kulturen den freien Umgang mit diesem Zugang zum Sein in der Welt noch beschr\u00e4nken. Innen ist immer noch Freiheit, mit der man erste und letzte Entscheidungen f\u00e4llen und den Weg des Schicksals bestimmen kann. Dass das geformte Wort bei einem Gegen\u00fcber auf einen gewissen Grad des Verstehens sto\u00dfen kann, ist ein Teil des Wunders. Auch H\u00f6he und Tiefe des Einlassens auf diese Kunst des Zusammenseins werden von uns erzeugt und h\u00e4ngen von unserem Interesse ab, hinter die sichtbaren Dinge zu schauen und zu ergr\u00fcnden, was sich dahinter verbirgt. Auch m\u00f6chte nicht jeder eine Eigensprache, obwohl an jeder Wortwahl Eigenes zu erkennen ist.<\/div>\n<div class=\"irc_mutc ihfBeL73xzvA-s4mcypHTTek\"><\/div>\n<div class=\"irc_mutc ihfBeL73xzvA-s4mcypHTTek\">Jetzt muss ich mich allerdings von der Sprache l\u00f6sen&#8230;na ja, &#8222;muss&#8220; ist \u00fcbertrieben, denn ich l\u00f6se mich von dem Sprachraum, bzw ich pole den verf\u00fcgbaren Raum um in ein auf H\u00f6ren ausgerichtetes System, also meins. Denn gestern habe ich was geh\u00f6rt, was mich zutiefst bewegt hat. Es war das Spiel von Martha Argerich, das ich eingegeben hatte, um eine reiche Atmosph\u00e4re zu erschaffen. Ich h\u00f6re nicht so oft Musik, womit ich meine: eine Musik zu w\u00e4hlen, die man h\u00f6ren will, nicht nebenher, sondern darauf konzentriert. F\u00fcr mich sind Konzerts\u00e4le, gef\u00fcllt mit Ohren, die gemeinsam den Meisterdarbietungen lauschen, die auf so vielen B\u00fchne der Welt angeboten werden, immer noch ein unfassbares Ph\u00e4nomen. Auch diese spezielle Genialit\u00e4t mancher Dirigenten, deren K\u00f6rpersprache die Musik f\u00f6rmlich sichtbar macht. Dann dieses Zusammenspiel, jetzt gestern mit einer Meisterin wie Martha Argerich, wo durch ihre Meisterschaft das kollektive Lauschen noch auf h\u00f6chstm\u00f6gliche Ebenen gesteigert wird. Wenn ich dann merke, dass hier etwas mich hineinzieht in eine kosmische Ordnung, wo ich einen Moment die Orientierung verliere, bis ich nicht anders kann als mich einlassen. Sie spielt Tschaikovsky, ich sp\u00fcre die Vertrautheit der T\u00f6ne, ich gebe mich dem Lauschen hin. Obwohl es auch hier tobt und w\u00fctet und einen durch die Wogen peitscht, um wieder ganz in die Sanftheit und W\u00fcrde des Seins zur\u00fcckzukehren, wei\u00df man, dass keine Gefahr droht von den wilden Bewegtheiten her. Man kann sie zulassen und aufatmen, um dann wieder Kraft zu sch\u00f6pfen f\u00fcr die n\u00e4chsten Wellen. Ich kann das nicht oft. Ich bin gesch\u00e4digt. Mein erster Geigenlehrer ist w\u00e4hrend einer Ferientour in einem Gletscher verschwunden, sein Sohn war in meiner Klasse. Meinen zweiten Lehrer, auch so ein wunderbarer Musikerkopf, hatte ich in Nepal gefunden und wurde jahrelang von ihm bestens unterrichtet, obwohl ich morgens oft reichlich \u00fcberm\u00fcdet bei ihm ankam, weil mein Leben sich damals sehr viel nachts abspielte. Dann bin ich nach Indien und habe ihn nicht wieder gesehen. Jahrelang konnte ich keine westliche klassische Musik mehr h\u00f6ren. Wortsprache hat auch Musik, aber Musik ohne Worte zwingt einen hinein in sich, damit der innere Raum die n\u00f6tige Weite erschaffen kann, die es zum Lauschen braucht. Vielleicht ist aber der Unterschied zwischen Wort und Musik gar nicht so gro\u00df, wie man gerne denkt, denn beides ist letztendlich &#8222;nur&#8220; M\u00f6glichkeit des Ausdrucks unserer Befindlichkeiten.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>( Martha Argerich) * Das Eine sind die Worte. 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