{"id":2368,"date":"2017-04-07T08:54:11","date_gmt":"2017-04-07T08:54:11","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=2368"},"modified":"2017-04-08T08:10:00","modified_gmt":"2017-04-08T08:10:00","slug":"die-worte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=2368","title":{"rendered":"die Worte"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2371\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20160904-300x231.jpg\" alt=\"\" width=\"386\" height=\"297\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20160904-300x231.jpg 300w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20160904-768x591.jpg 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20160904-1024x788.jpg 1024w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20160904.jpg 1274w\" sizes=\"auto, (max-width: 386px) 100vw, 386px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2374\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170407_104949-140x300.jpg\" alt=\"\" width=\"139\" height=\"298\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170407_104949-140x300.jpg 140w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170407_104949-768x1642.jpg 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170407_104949-479x1024.jpg 479w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170407_104949.jpg 893w\" sizes=\"auto, (max-width: 139px) 100vw, 139px\" \/><\/p>\n<p>Von einem indischen Psyhoanalytiker (Sudhir Kakar) habe ich vor Jahren einmal anl\u00e4sslich einer Artikel-Serie \u00fcber die Praxis und Handhabung der Psychoanalyse in verschiedenen L\u00e4ndern eine wichtige Information \u00fcber die Inder und ihre &#8222;Psyche&#8220; bekommen. Er sagte n\u00e4mlich, dass die therapeutische Behandlung in Indien sehr m\u00fchsam anl\u00e4uft, ja, noch kaum anwendbar ist, und zwar aus dem einfachen Grund, weil\u00a0 die indische Kultur keinen Wert darauf gelegt hat, das pers\u00f6nliche Schicksal eines Menschen zu ergr\u00fcnden, da die Grundfesten indischen Lebens\u00a0 festgelegt sind, und zwar in zwei Richtungen, sodass jeder Mensch, der in diesem Kulturraum aufw\u00e4chst, nur diese beiden Wege zur Verf\u00fcgung hat, also den &#8222;Familienpfad&#8220; und den Weg der Einzelnen wie M\u00f6nche oder Gurus oder Priester etc&#8230;. das nat\u00fcrlich auch &#8222;nur&#8220;, wenn ein gesellschaftliches Leben daraus entstehen soll, was ja auch hier im Westen vielen Menschen vorrangig wichtig ist, dh vor allem im Au\u00dfenbereich jemand zu sein und dort auch zu scheinen. Nun kommt nicht automatisch mit dem &#8222;Drau\u00dfen sein&#8220; oder dem &#8222;Sehr-Besch\u00e4ftigtsein&#8220; auch ein &#8222;Sich-selbst-sein&#8220; zustande. So gibt es in der indischen Kultur eben diese zwei klugen Optionen des Seins, den Familienpfad und den Pfad derer, die das Familienleben f\u00fcr sich nicht geeignet halten, also keine Kinder, keine Heirat, daf\u00fcr aber Verantwortung f\u00fcr das reichhaltig dokumentierte Abenteuer der Selbsterkenntnis, das unter g\u00fcnstigsten Bedingungen eben auch zur &#8222;Befreiung von der Anhaftung an das Leiden&#8220; f\u00fchrt. Mich w\u00fcrde interessieren, wie Sudhir Kakar die heutige Situation in Indien sieht, wo, ganz wie bei uns, sich die kulturellen Vorgaben nach und nach aufheben, und die \u00dcberg\u00e4nge, auch zur Welt der Maschinen, flie\u00dfend sind und vor allem sich sehr schnell formieren mit derart neuem Outfit, dass eigenst\u00e4ndiges Denken, nie individuell angekurbelt, hier eine weitere illusion\u00e4re Facette erh\u00e4lt, n\u00e4mlich der Eindruck, durch kompetente Handhabung von Maschinen ein bewusstes Individuum zu werden. Die ausl\u00e4ndischen Indien-Durchwanderer hingegen, auch gut ausger\u00fcstet mit technischem Spielzeug, zeigen eher Anzeichen kollektiven Stammesverhaltens zB mit allerseits durcht\u00e4towierten K\u00f6rpern und dem uneingeschr\u00e4nkten Bed\u00fcrfnis,\u00a0 mit h\u00e4ufg gedrehten Joints\u00a0 die Herausforderungen des pers\u00f6nlichen Daseins leichtf\u00fc\u00dfiger zu gestalten beziehungsweise vollst\u00e4ndig zu ignorieren. Die uralte Frage scheint hartn\u00e4ckig zu bleiben: &#8222;Wie kommt man eigentlich zu sich&#8220;, und woher wei\u00df ich, dass ich das bin, von dem\/der ich denke, ich sei es ganz einfach und es best\u00fcnde keine Notwendigkeit, &#8222;es&#8220; tiefer zu reflektieren, denn wen k\u00fcmmert es schon wirklich, dass &#8222;es&#8220; zuerst &#8222;ich&#8220; werden soll, bevor es von mir aus f\u00fcr immer verschwindet. Doch wie geht&#8217;s? Und hat das &#8222;Schau dich selbst an&#8220; hier noch seine Konsequenzen, die sp\u00fcrbar und wahrnehmbar sind? In Indien sitzt fast niemand mehr aus den Familienclans an den Feuern der Sadhus. Zu auff\u00e4llig selbst f\u00fcr den Unge\u00fcbten ist das geschwafelte Reden geworden, und selbst das wird nur durch Drogen-und manchmal auch Alkoholkonsum \u00fcberhaupt noch aufrechterhalten, wodurch sich dann entsprechendes Miteinander an den Feuern gestaltet.<br \/>\nAll das wehte heute fr\u00fch so durch meinen Geist, weil mir klar wurde, dass in der Tat nur durch inneren oder \u00e4u\u00dferen Dialog das diffuse Innenleben erfasst werden kann, da es die Worte sind, und nur die Worte, die hier Klarheit und Pr\u00e4zision und \u00dcberpr\u00fcfung gew\u00e4hrleisten k\u00f6nnen dar\u00fcber, wieweit ich weiterhin davon ausgehen kann, von meinem eigenen Selbst ein Bild zu haben, das meiner gef\u00fchlten oder f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich gehaltenen Realit\u00e4t\u00a0 entspricht.\u00a0 Von der Erfahrung wei\u00df man auch, dass Worte nicht letzte Objekte des &#8222;Wahren&#8220; darstellen. Aber ohne sie: weder bewusstes &#8222;Ich&#8220; noch &#8222;Welt&#8220;, in der ich anwesend bin als mich selbst. Dann reift auch gleichzeitig das leichtherzige Schweigen.<\/p>\n<p>**************************************************************************************************************************<\/p>\n<p>Bilder: das Photo eines Inders vor meinem Fenster, der einem \u00c4ffchen, das ohne Arme das Becken durchschwommen hatte, seine Ehrerbietung zollt, und rechts der heilige Franziskus, gemalt von Zurbaran.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von einem indischen Psyhoanalytiker (Sudhir Kakar) habe ich vor Jahren einmal anl\u00e4sslich einer Artikel-Serie \u00fcber die Praxis und Handhabung der Psychoanalyse in verschiedenen L\u00e4ndern eine wichtige Information \u00fcber die Inder und ihre &#8222;Psyche&#8220; bekommen. 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