{"id":1604,"date":"2016-12-20T06:22:24","date_gmt":"2016-12-20T06:22:24","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=1604"},"modified":"2016-12-20T06:22:24","modified_gmt":"2016-12-20T06:22:24","slug":"gesehen-werden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=1604","title":{"rendered":"gesehen werden"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1605\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161219_1043101-222x300.jpg\" alt=\"20161219_1043101\" width=\"222\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161219_1043101-222x300.jpg 222w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161219_1043101-768x1038.jpg 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161219_1043101-757x1024.jpg 757w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161219_1043101.jpg 1079w\" sizes=\"auto, (max-width: 222px) 100vw, 222px\" \/><\/p>\n<p>Soweit ich mich an vergangene Ewigkeiten indischen Zeitgef\u00fchls erinnern kann, war immer klar, dass dieses Land aus Augen besteht. Alle sehen alles, da gibt&#8217;s kein Entrinnen. In keiner Ecke kann man sicher sein, dass nicht irgendwo Augen auf einen schauen. Als es noch keine Toiletten in den H\u00e4usern gab, geh\u00f6rte es vor allem f\u00fcr uns Frauen immer zu den kniffligen Leistungen, die zu bew\u00e4ltigen waren.\u00a0 Wurde \u00fcber l\u00e4ngere Zeit gutes und eindeutiges Verhalten\u00a0 sichtbar, konnte man als Fremde entweder mit Staunen oder Neugier betrachtet werden oder wurde langsam aus den Augen verloren. Bricht in einem Haus mal wieder ein Skandal aus, kann man von erh\u00f6htem Augeninteresse ausgehen. Wie \u00fcberall sehen Einheimische gern, wenn einer st\u00fcrzt und die dunkle Karmawolke sich \u00fcber einer anderen Familie verdichtet als der eigenen. Alle schauen zu, wie die Sache sich bewegt, denn hier gibt es vor den L\u00e4den noch kein Glas, dh die Betroffenen m\u00fcssen sich der Augenmeute aussetzen und mit ihr umgehen. Ganz schrecklich wird es, wenn ein verliebtes Paar unbedingt zusammen sein will trotz unterschiedlicher Kasten, und sie denken, sie k\u00f6nnten untertauchen in einer der Millionenst\u00e4dte. Aber die Eltern schicken Angeh\u00f6rige los, um sie zu suchen, und die fragen sich durch und finden sie tats\u00e4chlich, denn \u00fcberall sind Augen, die nichts anderes tun als Ausschau halten nach dem Wasauchimmer. Das f\u00fchrt ziemlich h\u00e4ufig zu furchterregenden Ergebnissen, denn die Eltern sind nicht bereit, sich der Sichtweise der meist vollj\u00e4hrigen &#8222;Kinder&#8220; zu beugen. Die Augen sind so traditionsfixiert, dass nur selten einer durch das Netz schl\u00fcpft, oder eben im Internet-Netz verschwindet. Es wird auch sehr viel geschrien. Wenn ich manchmal aus der Stille meines Raumes drau\u00dfen die extrem lauten Stimmen h\u00f6re, denke ich, es gilt als &#8222;gut&#8220;, da man nichts zu verheimlichen hat, eher was Bedeutsames zu verklickern. Inder sind riesig stolz auf ihr Wissen, und es gr\u00e4mt die \u00e4lter Werdenden, dass sie nicht mehr geh\u00f6rt werden. Doch der Abgrund zwischen Idee und Wirklichkeit ist so gro\u00df geworden, dass nur noch Seilt\u00e4nzer ihn \u00fcberqueren k\u00f6nnen.<br \/>\nAls br\u00e4uchte ich noch eine lebendige Anekdote zu meinen Gedanken, kommt Raju zu meinem Platz am Wasser und erz\u00e4hlt mir, dass seine Frau am 26. Dezember ein Kind zur Welt bringen wird. Wie bitte!? sage ich, du hast doch schon drei T\u00f6chter! Drucks drucks, er meint,\u00a0 die Eltern und die Schwiegereltern (und Onkel und Tanten) wollten, dass sie es noch einmal versuchen sollen &#8211;\u00a0 ja was denn &#8211; na den Sohn! Der Sohn muss her auf Teufel komm raus. Das hat auch mit Augen zu tun. Die Augen wollen den Jungen sehen, dann erst k\u00f6nnen alle das Zeitliche segnen. Der Mann mit nur T\u00f6chtern wird nicht gut angesehen, als w\u00fcrde dadurch seine M\u00e4nnlichlkeit in Frage gestellt. Als ich mich fr\u00fcher mal \u00fcber einen extrem fiesen Visatypen aufgeregt habe, sagten die Leute beschwichtigend: aber Kalima, er hat 6 T\u00f6chter! Sie d\u00fcrfen nicht aufh\u00f6ren, bis der Sohn kommt. Da muss ich mich dann doch immer wieder mal einschalten und sagen, dass ich das anders sehe, bin ich doch auch von der weiblichen Rasse und habe mich gerne und gut inmitten Ihrer Kultur alleine auf den kraftvollen Weg meiner Bestimmung gemacht. Denn was wei\u00df man schon, was in den Gehirnen vor sich geht, und wer da wie &#8211;\u00a0 aus welchen Augen &#8211; auf was schaut und daraus Schl\u00fcsse zieht, von denen ich nichts ahnen kann, wenn du sie dir nicht selbst, und dann mir, ernsthaft vermittelst?<\/p>\n<p>*************************************************************************************************************************************************<\/p>\n<p>Das Photo habe ich auf dem R\u00fcckweg von einer Wand abphotographiert mit dem Gedanken: wie absurd! \u00dcberall G\u00f6ttinnen!<\/p>\n<p>***************************************************************<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soweit ich mich an vergangene Ewigkeiten indischen Zeitgef\u00fchls erinnern kann, war immer klar, dass dieses Land aus Augen besteht. Alle sehen alles, da gibt&#8217;s kein Entrinnen. In keiner Ecke kann man sicher sein, dass nicht irgendwo Augen auf einen schauen. 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