{"id":15782,"date":"2022-04-16T08:11:24","date_gmt":"2022-04-16T08:11:24","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=15782"},"modified":"2022-04-16T08:12:23","modified_gmt":"2022-04-16T08:12:23","slug":"gewoehnen-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=15782","title":{"rendered":"gew\u00f6hnen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-15783\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220415_160020-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"353\" height=\"392\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220415_160020-270x300.jpg 270w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220415_160020-768x854.jpg 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220415_160020-921x1024.jpg 921w\" sizes=\"auto, (max-width: 353px) 100vw, 353px\" \/><\/p>\n<h5>Gew\u00f6hnt euch nicht an unser Leid, sagte Olena Selenska. Das kam an bei mir wegen genau dieser pers\u00f6nlichen Erfahrung oder besser Frage, wann genau es passieren kann, dass Ersch\u00fctterung wieder abebbt in diesen Mechanismus des Selbstschutzes oder der Gleichg\u00fcltigkeit. Oder weil immer so viel zu tun ist und selten Zeit f\u00fcr das Wesentliche, selbst wenn es einmal von einem definiert worden ist. Aber wie bleibt man verbunden mit dem Leid anderer Menschen und Wesen, ohne dass daraus wieder eine Groteske wird, wenn man nicht selbst in der Erfahrung des oder der Leidenden steht. Man also aufgerufen ist, einen Weg zu finden oder bestenfalls bereits einen gebahnt zu haben, auf dem das Leid als lebendiger Teil des Erdaufenthaltes verstanden wird, also unumg\u00e4nglich. Wogegen man sich lange wehrt, bis das Unumg\u00e4ngliche im\u00a0 eigenen Spiel seinen Auftritt hat. Das Erleiden erlaubt ein Begleitetwerden dabei, ein Dabeisein, ein Mitempfinden des schwer Tragbaren. Nun kann man das Mittragen nicht verordnen, es ist eine Kunst, die erlernt werden muss. Denn die Gef\u00fchle allein bleiben nicht willentlich \u00fcber l\u00e4ngere Zeit beim Leid der Anderen, und dann noch geschehen in weiter Ferne. Auch kann man das Entsetzen nicht st\u00e4ndig n\u00e4hren, und ja, man vergisst Moria und die Gulags und die tausenden von afrikanischen K\u00f6rpern und Leben, die im Meer versunken sind und immer noch versinken. Welche Einstellungen sind n\u00f6tig, oder gibt es sie \u00fcberhaupt, wo eine immer wieder erstrebte Wachheit allem tats\u00e4chlich mit einem Verbundenen antworten kann, eben im lebendigen Prozess, sodass das Loslassen und das Ergreifen des Erforderlichen m\u00fchelos zu bewerkstelligen ist, ohne dass man zu viel dar\u00fcber nachgr\u00fcbeln muss. Das wiederum braucht ein Vertrauen in die eigene Handlungsf\u00e4higkeit. Interessant fand ich die Verbindung zwischen den christlichen Anstrengungen, das Leiden Christi nicht zu vergessen, und der menschlichen Verachtungsorgie in der Ukraine dem menschlichen Leben gegen\u00fcber. Und immer wenden sich die Bl\u00e4tter und weisen neue Formen des Umgangs mit dem Unumg\u00e4nglichen auf. Es ist f\u00fcr uns, ganz pers\u00f6nlch, bedeutsam, wie wir mit uns innerhalb des Spiels umgehen, wen und was wir vertreten, welchen Kampf und mit welchen Waffen wir k\u00e4mpfen, und durch was f\u00fcr Gedanken unsere Einsch\u00e4tzung des Gesamtspiels gepr\u00e4gt wird. Denn wir geh\u00f6ren nun mal zu den Mitspieler*innen, und f\u00fcr uns selbst ist unser Beitrag nicht ohne Bedeutung. Die Freude daran, zu sein, wer man ist, und wie dieses Sein automatisch hinwirkt auf das Spielfeld. Auch hier im Westen hat man einst das Spiel, wie noch heute in Indien, von G\u00f6ttern oder Gott erschaffen und leiten lassen. Aber es hat sich auch durchgesetzt, dass der Mensch Verantwortung tr\u00e4gt f\u00fcr sein Vorgehen, und gerne \u00e4chzt er unter dem Anprall dieser \u00fcberfordernden Einsamkeit. Vor und nach der Ent (Be)waffnung: Holz holen, Feuer machen.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gew\u00f6hnt euch nicht an unser Leid, sagte Olena Selenska. Das kam an bei mir wegen genau dieser pers\u00f6nlichen Erfahrung oder besser Frage, wann genau es passieren kann, dass Ersch\u00fctterung wieder abebbt in diesen Mechanismus des Selbstschutzes oder der Gleichg\u00fcltigkeit. 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