{"id":15772,"date":"2022-04-18T10:03:33","date_gmt":"2022-04-18T10:03:33","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=15772"},"modified":"2022-04-18T13:34:47","modified_gmt":"2022-04-18T13:34:47","slug":"inmitten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=15772","title":{"rendered":"inmitten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-15791\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220406_110013-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"387\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220406_110013-225x300.jpg 225w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220406_110013-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/p>\n<h5>Noch ein Feiertag, an dem es wenig zu feiern gibt, au\u00dfer man hat das Gl\u00fcck, am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein, und das obligatorische &#8222;Noch&#8220; nicht vergisst, die Fl\u00fcchtigkeit des Daseienden also, wenn es nicht gleichzeitig dr\u00f6hnt als ein schweres Verbrechen. Wie sagt man doch gerne zur Zeit: &#8222;Verbrechen gegen die Menschlichkeit&#8220;, so als w\u00fcssten wir auf einmal alle, was Menschlichkeit eigentlich ist, oder vor allem, was sie nicht ist. So gibt es gleichzeitig die Freude und Dankbarkeit f\u00fcr den Gast, mit dem oder der man die Gespr\u00e4che f\u00fchren kann, die man noch f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt, konzentriert gedacht und weit gef\u00e4chert, und dann sieht man auf einmal, beziehungsweise sehe ich auf der inneren Leinwand zwei zu Todfeinden mutierte Gruppen aufeinandertreffen, und wenn nicht schon jetzt, sich bald einander wieder Tod und Verderben bringen. Auf der einen Seite vermutlich nur M\u00e4nner unter dem atemberaubenden Druck der Befehle, die sie oft\u00a0 nicht richtig begreifen (weil gar nicht m\u00fcssen), auf der anderen Seite auch Frauen bei der Verteidigung von etwas, was es schon\u00a0 nicht mehr gibt, und trotzdem machen sie alle weiter in der unsinnigen Hoffnung, dass sie wenigstens nicht d i e Art von Verst\u00fcmmelung trifft, bei der man den Tod vorziehen w\u00fcrde, k\u00f6nnte man das entscheiden. Millionen von uns Menschen wiederum in verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiger Sicherheit schauen dann in der jeweiligen Abendsendung zu, wie das alles vor sich geht, und wie die Dosierung unserer Machtlosigkeit zunimmt, was auch mit der Angst passieren kann oder der Heuchelei oder der Besserwisserei oder der Gleichg\u00fcltigkeit usw., je nachdem, an was man gewohnt ist. Ohne die Wunde der Ohnmacht unbedingt weiter aufrei\u00dfen zu wollen, kann ich zumindest nicht behaupten, ich h\u00e4tte mich an eure Qualen (in der Ukraine) gew\u00f6hnt, auch wenn man durchaus nicht auf alles antworten muss und kann, was einem Mensch in gr\u00f6\u00dfter Not logisch vorkommt. Wie habe ich diese verherrlichten Filme gehasst, wo zwei feindliche Heere aufeinander sto\u00dfen und alle Statisten, die niemandem in der Story was bedeuten, einfach niedergewalzt und zertrampelt werden. Und dann wird man auch noch in die Zwangsjacke der Hoffnung gebracht und hat bereits einen Wunsch-Sieger erw\u00e4hlt, ohne den es unter Umst\u00e4nden, wie gerade im Ukraine -Krieg, noch schlimmer werden w\u00fcrde. Aber es ist eh schlimmer, als man denkt: viel schlimmer. Viele werden also wieder heute und morgen und \u00fcbermorgen ihr kostbares Leben verk\u00fcrzt oder verst\u00fcmmelt haben, und man z\u00f6gert, das Ganze eine bodenlose Dummheit zu nennen, eingef\u00e4delt von eben diesem einen Mann, den keiner stoppen kann, weil der seinen heimlich visionierten Lorbeerkranz unterwegs verloren hat und es sich und andere auf keinen Fall wissen lassen darf, dass ihm die Felle wegschwimmen. Auf jeden Fall habe ich durch dieses wahrlich unselige Geschehen etwas verstanden, f\u00fcr das ich keine Worte habe, weil ich auch keine daf\u00fcr suche. Ich lasse also das wortlos Nicht-Verstandene mal in die Tiefe sinken und schaue, ob es sich meldet und ob es \u00fcberhaupt in Worte zu fassen ist, sich also als Rahmen oder Einbettung oder Struktur gar nicht eignet. Nichts bietet es zum Festhalten, keinen Haken, keinen Gurt, keinen Felsenvorsprung. Die letzte Spur der Deutungssucht m\u00f6chte es vielleicht eine g\u00e4hnende Leere nennen oder den nackten Abgrundsgletscher. Aber dann h\u00e4tte es nichts Befreiendes an sich und w\u00fcrde einen wiederum \u00fcberw\u00e4ltigen. So sitzt man also (z.B.) nur da und atmet hinein in die Stille. Das kommt einem dann doch sehr kostbar vor, und das inmitten des Grauens.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch ein Feiertag, an dem es wenig zu feiern gibt, au\u00dfer man hat das Gl\u00fcck, am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein, und das obligatorische &#8222;Noch&#8220; nicht vergisst, die Fl\u00fcchtigkeit des Daseienden also, wenn es nicht gleichzeitig dr\u00f6hnt als ein schweres Verbrechen. 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