{"id":15735,"date":"2022-04-11T07:52:32","date_gmt":"2022-04-11T07:52:32","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=15735"},"modified":"2022-04-11T07:58:30","modified_gmt":"2022-04-11T07:58:30","slug":"unmoralisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=15735","title":{"rendered":"(un)moralisch"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-15736\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220408_170703-275x300.jpg\" alt=\"\" width=\"342\" height=\"373\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220408_170703-275x300.jpg 275w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220408_170703-768x839.jpg 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220408_170703-937x1024.jpg 937w\" sizes=\"auto, (max-width: 342px) 100vw, 342px\" \/><\/p>\n<h5>Das Wort &#8222;Moral&#8220; geh\u00f6rt nicht zu den Lieblingsworten in meiner Schatzkiste. Auf jeden Fall habe ich es lange Zeit vermeiden k\u00f6nnen, es in den Dunstkreis meiner pers\u00f6nlichen Interessen einzuladen, um dort begutachtet zu werden (von mir), also: was es denn sei, und was ich mir darunter vorstellen kann. So ein Thema kann man ja pr\u00e4chtig in B\u00fcchern nachlesen, aber auch das und dann nur, wenn man aus irgendeinem Grund eine Notwendigkeit sieht, dar\u00fcber nachdenken zu wollen. Meine Distanz zu dem Verst\u00e4ndnis des Wortes hat sicherlich auch damit zu tun, dass ich noch in ziemlicher N\u00e4he zum letzten Weltkrieg aufgewachsen bin, in dem, wie es in allen Kriegen deutlich geworden ist, die Entfesselung von Gewalt als das ganz und gar Unmoralische auftritt und ich in diesem Sinne sagen kann &#8222;ich bin aus dem Unmoralischen &#8220; herausgeboren. Da gab&#8217;s auf keiner Seite mehr eine glaubw\u00fcrdige Moral. Deswegen vielleicht auch eine innere Zur\u00fcckhaltung der deutschen Erinnerung an \u00e4hnliche Taten jenseits jeder Moralvorstellung und eingepackt in die Selbstvorgaukelung einer Notwendigkeit, die sich in der Tat auf banalste Weise verselbstst\u00e4ndigt. Bis man wei\u00df, beziehungsweise viele wissen es dann wie auf einen Schlag, dass diese Entwertung aller menschlichen Ideen, &#8222;Krieg&#8220; genannt, zu einem sehr dunklen Schatten wird, der zu einem bleischweren Enthemmungsfahrzeug mutiert. Wo Zur\u00fcckhaltung keine Rolle mehr spielt und die Bedrohung ihre angefressenen Fl\u00fcgel ausbreitet. Angst, das ist die n\u00e4chtlichste Saite des Ungewissen. aber die helle Saite des Ungewissen tut sich ebenfalls schwer mit der Selbsterkenntnis. Der Glaube, man w\u00e4re sicher auf dem Pfad des Guten, dieser Glaube kann durch einen Krieg, der einen in irgendeiner Weise etwas angeht, ersch\u00fcttert werden. Und Ersch\u00fctterung ist an sich eine oft ungern, aber dann doch dankbar empfangene Erfahrung und kann die Vorstellung von dem, was ein Mensch als pers\u00f6nlichen Wert empfindet (und was nicht), auf schmerzhafte Weise beibringen. Man wirft uns (Deutschen) zur Zeit gerne vor, wir seien naiv oder verblendet der Not des ukrainischen Krieges gegen\u00fcber, aber m\u00f6glicherweise bleibt es uns \u00fcberlassen zu entscheiden, wie schmerzhaft die letzte Wunde noch sein kann. Und ob es nicht doch eine Menge unheilbarer Wunden gibt, die wir verursachen durch die nachl\u00e4ssige Aufmerksamkeit auf das zwischenmenschliche Verhalten, dessen reales Auftreten eine sogenannte Moral dann hervorbringt. Keine alberne Latte, mit der man Menschen von sich fernhalten kann, sondern eine ernsthafte Gr\u00fcbelei \u00fcber das, was ich selbst darunter verstehe, eben dem Menschen zugeh\u00f6rig, der ich letztendlich sein m\u00f6chte, und vor allem: der ich sein kann.<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wort &#8222;Moral&#8220; geh\u00f6rt nicht zu den Lieblingsworten in meiner Schatzkiste. Auf jeden Fall habe ich es lange Zeit vermeiden k\u00f6nnen, es in den Dunstkreis meiner pers\u00f6nlichen Interessen einzuladen, um dort begutachtet zu werden (von mir), also: was es denn sei, und was ich mir darunter vorstellen kann. 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