{"id":15649,"date":"2022-03-29T08:35:00","date_gmt":"2022-03-29T08:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=15649"},"modified":"2022-03-29T08:35:00","modified_gmt":"2022-03-29T08:35:00","slug":"trotzdem-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=15649","title":{"rendered":"trotzdem"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-15651\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/20220329_092720-217x300.jpg\" alt=\"\" width=\"271\" height=\"375\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/20220329_092720-217x300.jpg 217w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/20220329_092720-768x1063.jpg 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/20220329_092720-740x1024.jpg 740w\" sizes=\"auto, (max-width: 271px) 100vw, 271px\" \/><\/p>\n<h5>Eine der Fragen, die neulich mal geh\u00e4uft als \u00dcberschriften in einer Ausgabe der &#8222;Zeit&#8220; vorkamen, alle im Kontext des Krieges, war: &#8222;Was ist jetzt noch unvorstellbar?&#8220; Na vieles, w\u00fcrde ich sagen, denn unerme\u00dflich gro\u00df ist der Raum des Vorstellbaren, und weiterhin werden Dinge geschehen und entstehen, die wir uns nicht vorstellen k\u00f6nnen. Und vieles von dem, was bereits da ist, k\u00f6nnen wir uns nicht vorstellen, da wir gebunden sind an die eigene Vorstellungskraft. Es war auch eine sehr verbreitete Einstellung der europ\u00e4ischen Gemeinde, dass Krieg in Europa nicht mehr vorstellbar war, obwohl es in den neunziger Jahren noch einen gab, der hat auch lange gedauert. &#8222;Lange&#8220; f\u00e4ngt gleich nach ein paar Tagen an, jeder Kriegstag ist bereits zu lange. Als ich zum ersten Mal an der Grenze zu Indien stand, begann gerade der Krieg zwischen Pakistan und Indien, der f\u00fcnf Tage dauerte. Obwohl nachts in Lahore schon kein Licht mehr erlaubt war, wollte ich unbedingt zum Tempel von Amritsar, um, wenn n\u00f6tig, wenigstens in sch\u00f6ner Umgebung zu sterben, am &#8222;Lake of Immortality&#8220;, dem See der Unsterblichkeit. Ich erinnere mich an den blinden Musiker, der die ganze Nacht Harmonium spielte und sehr sch\u00f6n sang. Dann war der Spuk vorbei. Denn es ist doch ein Spuk, ein geisterhaftes Geschehen, ein Alptraum mit Bildern, die der Vorstellung der meisten Menschen eben nicht entsprechen, bis es sie einholt und trifft und \u00fcberrollt und das Unvorstellbare seine dunkle Seite ausspielt. Und der Krieg ist ein Zuweitgehen, zu weit greift er hinein in die Menschenleben und erzeugt ein Leid, das keinen Namen mehr hat, und man sp\u00fcrt, wie diese Wortkargheit einen ergreift auf den Zuschauertrib\u00fcnen, obwohl man sich auch von diesen abgewandt hat. Manchmal streift mein Blick \u00fcber die B\u00fccherregale, und da sehe ich ja dann alle die, die durchgehalten haben im Trotzdem, und trotzdem wieder eine Zeile geschrieben haben, obwohl sie es oft genug nicht mehr f\u00fcr m\u00f6glich hielten. Oder gerade deswegen weiter geschrieben haben oder gemalt oder gereist usw., weil wir auch weiterhin auf den Stra\u00dfen nicht d i e erkennen k\u00f6nnen, die dann nachher, flei\u00dfig wie immer, eine Einrichtung bauen, durch die man mit Gas sehr viele Menschen gleichzeitig umbringen kann. Oder \u00fcberhaupt eine Waffe heben und auf den Anderen schie\u00dfen, bevor der einen umlegt. Und auf einmal freut man sich, dass die Ukrainer Waffen bekommen, denn die Russen sollen besiegt werden. Selbst dann w\u00e4re allerdings nichts zu Ende. Es ist nur zu Ende, wenn es endlich aufh\u00f6rt. Und soweit man bis jetzt sehen kann, so wird es nicht aufh\u00f6ren. Das Schlachtfeld ist angelegt im Inneren des Menschen, und es kommt darauf an, wie man den inneren K\u00e4mpfen begegnet, und ob man dem Frieden, der im Krieg so sehnlichst erw\u00fcnscht ist,\u00a0 gen\u00fcgend Platz einr\u00e4umen kann bei sich selbst, sodass er wohnhaft werden kann im Schutz des Banianbaumes.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine der Fragen, die neulich mal geh\u00e4uft als \u00dcberschriften in einer Ausgabe der &#8222;Zeit&#8220; vorkamen, alle im Kontext des Krieges, war: &#8222;Was ist jetzt noch unvorstellbar?&#8220; Na vieles, w\u00fcrde ich sagen, denn unerme\u00dflich gro\u00df ist der Raum des Vorstellbaren, und weiterhin werden Dinge geschehen und entstehen, die wir uns nicht vorstellen k\u00f6nnen. 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