{"id":14096,"date":"2021-09-07T08:31:06","date_gmt":"2021-09-07T08:31:06","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=14096"},"modified":"2021-09-07T08:31:06","modified_gmt":"2021-09-07T08:31:06","slug":"neti-neti","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=14096","title":{"rendered":"neti neti"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-14097\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/20210828_153628-279x300.jpg\" alt=\"\" width=\"355\" height=\"382\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/20210828_153628-279x300.jpg 279w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/20210828_153628-768x825.jpg 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/20210828_153628-954x1024.jpg 954w\" sizes=\"auto, (max-width: 355px) 100vw, 355px\" \/><\/p>\n<h5>Gestern hatte ich ein langes Gespr\u00e4ch mit Reena, mit der mich seit vielen Jahren eine Freundschaft verbindet. Wir sind am selben Tag geboren und haben zahllose gemeinsame Teestunden hinter uns, noch in Zeiten, bevor das Fernsehen nach Indien kam und die bis dato \u00fcblichen Zusammensitzkreise aufl\u00f6ste, um alle in eine einzige Richtung stieren zu lassen. Am Anfang dieses kulturellen Wandels war ich oft verbl\u00fcfft zu sehen, dass die Programme nicht nur in schwarz\/wei\u00df liefen, sondern es konnten auch Beitr\u00e4ge aus Japan sein, die kein Mensch verstand und trotzdem alle gebannt hinschauten. In der Zwischenzeit hat sich vieles getan. Kinder schauen zusammen Filme auf Smartphones, und an den W\u00e4nden einfacher Restaurants h\u00e4ngen Flatscreens, auf deren Bildfl\u00e4chen sich gewaltt\u00e4tige Dramen abspielen, die ich lange mit Indien nicht verbinden konnte oder wollte. Aber verstanden habe ich schon, dass Menschen die Last ihrer eigenen Dramen gerne an andere delegieren, eben an Schauspieler, die gelernt haben, sie auszudr\u00fccken. Reena\u00a0 und ich haben gemeinsame Freunde an Covid verloren und zum ersten Mal dar\u00fcber gesprochen. \u00dcber die Frau und die beiden Kinder von Ram Rattan, der vor Kurzem im Krankenhaus gestorben ist, kurz danach sein Bruder. Sie nun allein mit den Kindern auf einem riesigen Tempelgel\u00e4nde, um das die beiden Br\u00fcder sich gek\u00fcmmert haben und sie keine Ahnung hat, wie das geht. Ram Rattans Gro\u00dfvater war der Erfinder von 90 neuen Yogastellungen, die man alle auf Bildern im Tempel betrachten konnte, in dem es auch oft sch\u00f6ne Musik zu h\u00f6ren gab, live nat\u00fcrlich, und noch ohne Lautsprecher. Automatisch rutscht man wegen der vielseitigen Erfahrungen in einen orientalischen Erz\u00e4hlmodus, denn wenn man es erz\u00e4hlt, kann man es selbst kaum glauben, was da so alles war im Dschungel des Unfassbaren. Reenas Mann ist Alkoholiker und ja, trinkt immer noch, man muss akzeptieren, meint sie, nirgendwo ist Vollendung, zumindest nicht, was die n\u00fcchterne Bilanz des Alltags betrifft, was ja allerortens zutrifft. Aber im geistigen Feld haben sie (wer auch immer sie waren) wirklich nichts ausgelassen. Das Netz war zwischen verlockendem Nichts und praller Ekstase so dicht gedacht, dass niemand entkommen konnte. Selbst Engl\u00e4nder und Muslime beugten sich dem verschlingenden Angebot des gro\u00dfen Einfach des Daseins, pr\u00e4zise konstruiert f\u00fcr die, die Familie wollten, und die, die den anderen Weg w\u00e4hlten. Nicht einfach frei, nein, sondern es musste ein Weg sein, der Weg an sich, auf dem man sich auf viele kunstvolle Weise dem n\u00e4hert, was am schwersten zu erfassen ist, n\u00e4mlich das eigene Wesen in seiner letzten, unk\u00f6rperlichen Konsequenz. Und diese umwerfende Frage \u00fcber den einen Gott, welchen auch immer aus dem Ozean der M\u00f6glichkeiten, und ob er es wohl wei\u00df, eben alles, oder auch nicht. Neti neti, eine meditative Analyse also \u00fcber die Natur des Absoluten. Schon wird mir warm ums Herz, denn das Heimweh bahnt sich den Weg zu mir. Wieder ein Jahr, in dem ich, selbst wenn ich wollte, kein Visa bekommen kann dorthin, wo das alles war. &#8222;Das ist doch alles noch da&#8220;, sagt Reena, &#8222;komm auf jeden Fall, wir sind alle noch dieselben.&#8220; Aber es stimmt ja nicht, wir sind auch ohne Pandemie nicht mehr dieselben, aber die Pandemie hat zweifellos ihre Finger im Spiel. Ein Abschied dauert oft l\u00e4nger, als man denkt. Und vielleicht hat er kein Ende, sondern wird zu einem Bilderbuch, in dem wir in gem\u00fctlichen H\u00fctten oder wei\u00dfen Marmorpal\u00e4sten immer noch weiterhin Chai trinken und erz\u00e4hlen, wie es einmal war, und dass es, wenn es nicht gestorben ist, heute noch lebt.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern hatte ich ein langes Gespr\u00e4ch mit Reena, mit der mich seit vielen Jahren eine Freundschaft verbindet. Wir sind am selben Tag geboren und haben zahllose gemeinsame Teestunden hinter uns, noch in Zeiten, bevor das Fernsehen nach Indien kam und die bis dato \u00fcblichen Zusammensitzkreise aufl\u00f6ste, um alle in eine einzige Richtung stieren zu lassen. 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