{"id":13576,"date":"2021-07-03T08:24:16","date_gmt":"2021-07-03T08:24:16","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=13576"},"modified":"2021-07-03T08:27:47","modified_gmt":"2021-07-03T08:27:47","slug":"dunkelblueten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=13576","title":{"rendered":"Dunkelbl\u00fcten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-13577\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/20210629_154037-295x300.jpg\" alt=\"\" width=\"367\" height=\"373\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/20210629_154037-295x300.jpg 295w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/20210629_154037-768x781.jpg 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/20210629_154037-1007x1024.jpg 1007w\" sizes=\"auto, (max-width: 367px) 100vw, 367px\" \/><\/p>\n<h5>Das gefiel mir immer an den indischen G\u00f6ttern, dass die dunklen Kr\u00e4fte auch integriert waren wie eben Shani Dev, der Samstagsgott, der zu seinen schwarzen Basaltgestein lockte, wo niedergelegte Hibiskusbl\u00fctenkelche wirkten wie geopfertes Herzblut, was es auch war. In flackernden \u00d6lkelchen brannten die Flammen der Angst, denn es war der Gott Saturn, der Angst einfl\u00f6\u00dfte, die dann dort auf den pechschwarzen Fliesen Ausdruck finden konnte. Frauen durften da nicht hoch auf Podium, man fand sie nicht kraftvoll genug, meinte ein Priester, um dem wilden Kerl standzuhalten oder gar paroli zu bieten. Ich tat, was ich konnte und entfernte heimlich das &#8222;nicht&#8220; vom Erlaubten, denn fast t\u00e4glich kam ich auf meinem Weg dort vorbei, sah aber nie eine Frau wagen, was irgend einer verboten hatte, es w\u00e4re viel zu gef\u00e4hrlich gewesen. Auch f\u00fcr mich w\u00e4re es das Aufenthaltsaus gewesen, erwischt zu werden mit Klebstoff und einem St\u00fcck Plastik, das die M\u00f6nche der Bruderschaft, mit der ich einst verbunden war, sp\u00e4ter wieder abkratzen mussten, als sie merkten, dass durch die Ausl\u00f6schung eines einzigen Wortes ein Verbot seine Wirkung verloren hat. Ja, sich gar in sein Gegenteil verwandelte. Frauen h\u00e4tten eben dadurch, wenn sie das gewollt h\u00e4tten, hoch aufs Podium steigen k\u00f6nnen und dort von mir aus eine Hibiskusbl\u00fcte hinlegen. Es k\u00e4me darauf an, was innen in ihnen vor sich gegangen w\u00e4re. W\u00fcrde es als ein Akt performt werden, um sich grunds\u00e4tzlich von patriarchalen Vorschreibungen zu verabschieden, k\u00f6nnte\u00a0 der mutige Gang als begleitendes Ritual zur pers\u00f6nlichen Befreiung dieser einen Facette dienen, und das sehr gut. Zum Beispiel als das Beenden unangemessener Andacht, da durch das Sch\u00fcren der Angst vorgekaugelt wird, dass Menschen sich dadurch zum Guten wenden k\u00f6nnten. Samstags triefte also das \u00d6l \u00fcber den Fu\u00dfpfad hinweg, sodass man leicht schliddern konnte. Vor allem wenn man wie ich speziell darauf achtete, ob das &#8222;nicht&#8220; noch gut bedeckt war oder schon wieder abgekratzt. Oder habe ich nur ein bisschen Heimweh nach all dem, was f\u00fcr mich in Indien auch als eine gute Dosis Humor immer zur Verf\u00fcgung\u00a0 stand, den ich auch gerne den kosmischen Humor nannte, weil man am eigenen Lachen h\u00f6rte, dass man aufgegeben hatte so zu tun, als verst\u00fcnde man das, was man erlebte, und das war nicht immer der Fall. Montag war Shiva&#8217;s Tag, Dienstag geh\u00f6rte Hanuman, dem Affengott, Mittwoch str\u00f6mten viele Einheimischen zu Ganesh, dem Tempel des Elefantengottes, Donnerstag ehrte man die, von denen man was Wesentliches gelernt hatte, und Freitag hatte man eine L\u00fccke f\u00fcr die Friedensg\u00f6ttin geschaffen, und viele Frauen pilgerten hinaus in die W\u00fcste, wo Santoshi Mata wohnte. Wer am Sonntag dran war, wei\u00df ich gar nicht, vielleicht aber alle. Da so unglaublich viel aufgebaut wird zwischen Menschen und dem, was sie als &#8222;g\u00f6ttlich&#8220; empfinden m\u00f6chten, fand ich es angenehmer, von vielen unterschiedlichen Kr\u00e4ften umschwirrt zu sein als von einem, der f\u00fcr alles verantwortlich sein soll. Also jemand, der es irgendwie hinkriegt, das Angemessene zu leisten, obwohl nat\u00fcrlich auch den G\u00f6ttern ziemlich viel widerf\u00e4hrt, was dem Menschlichen verdammt \u00e4hnlich ist, eben diese sehr alte Geschichte mit der Henne und dem Ei. Auch war es interessant zu sehen, welche Gottheiten die indischen Kinder selbst w\u00e4hlten, denn sie konnten w\u00e4hlen. Meist war es Krishna, dargestellt in vollendetem Kitsch, klein und fett und gierig nach Milch, g\u00fcnstigerweise direkt aus dem Kuh-Euter, die hilflose Mutter g\u00fctig l\u00e4chelnd \u00fcber den b\u00f6sen Buben.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das gefiel mir immer an den indischen G\u00f6ttern, dass die dunklen Kr\u00e4fte auch integriert waren wie eben Shani Dev, der Samstagsgott, der zu seinen schwarzen Basaltgestein lockte, wo niedergelegte Hibiskusbl\u00fctenkelche wirkten wie geopfertes Herzblut, was es auch war. 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